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Badekleidung darf nicht fusseln
Schwimmen scheitert an Baumwoll-Shirt

Das ist erlaubt: Dieser kleine Junge trägt ein T-Shirt aus Synthetik-Material, extra für den Aufenthalt im Wasser hergestellt. Solche Stoffe geben keine Fusseln ab, die Schwimmbad-Filter belasten könnten.
Das ist erlaubt: Dieser kleine Junge trägt ein T-Shirt aus Synthetik-Material, extra für den Aufenthalt im Wasser hergestellt. Solche Stoffe geben keine Fusseln ab, die Schwimmbad-Filter belasten könnten. FOTO: bluedesign - Fotolia / Oliver Boehmer
Völklingen. Völklinger Stadtverwaltung stellt sich nach Eklat in Frauenbadestunde voll hinter ihren Schwimmmeister. Von Bernhard Geber

„Sie hätte sogar mit einem Burkini ins Wasser dürfen“, meinten Sympathisantinnen. Ein Vorfall, der am Mittwoch vor einer Woche in der Frauenbadestunde im Völklinger Hallenbad für Aufsehen sorgte, scheint nun aufgeklärt. Dort hatte ein Schwimmmeister eine Seniorin wegen unkorrekter  Bekleidung aus dem Wasser gewiesen und, als sie sich sträubte, die Polizei gerufen (die SZ berichtete). Die Stadtverwaltung hat beide Seiten gehört und stellt sich nun voll hinter den Schwimmmeister. Anlass seines Eingreifens sei nicht die Bekleidung an sich gewesen, sondern der Stoff, aus dem das Oberteil bestand, sagt Stadt-Pressesprecher Uwe Grieger.


Die Frau war mit einer knielangen Hose – ähnlich einer Radlerhose – und einem T-Shirt ins Wasser gegangen. Weil Burkinis auch bei schwimmfreudigen muslimischen Frauen als einengend gelten, hatte sie anscheinend eine Zwischenlösung gewählt. Aber beim T-Shirt hatte sie sich offenbar vergriffen. Es war laut Grieger kein spezielles Schwimm-Shirt aus synthetischem Material, sondern bestand aus Baumwolle. Dieser Stoff ist auch nach Lockerung der Völklinger Badeordnung nach wie vor aus hygienischen Gründen verboten (siehe „Hintergrund“).

Dass es dann zum Eklat mit der Polizei kam, kann auch an der Kommunikation gelegen haben. Augenzeuginnen sagten, dass die Frau bereits seit rund einem halben Jahr so im Bad erschienen sei, ohne dass jemand dies beanstandet habe. Auch bei ihnen war das Argument mit der Baumwolle anscheinend nicht angekommen. Grieger stellt nun als Sprecher von Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) jedenfalls wortwörtlich fest: „Da die Frau sich sowohl geweigert hat, ihre Kleidung entsprechend der Badeordnung zu ändern, und sich ebenfalls geweigert hat, das Becken zu verlassen, sah sich der Bademeister genötigt, seine berechtigte Forderung mit Hilfe der Polizei durchzusetzen, da es ihm selbst nicht erlaubt ist, die Frau anzufassen.“ Und inzwischen habe ein weiterer Badegast in einer Stellungnahme gegenüber der Stadt Völklingen die Darstellung des Schwimmmeisters in vollem Umfang bestätigt.



Der Vorfall hatte auch auf der SZ-Facebook-Seite für Aufsehen gesorgt. Dort hagelte es 169 Kommentare, darunter auch leider einige mit – aus der Luft gegriffenen –  ausländerfeindlichen Untertönen. Badegäste bekräftigten, dass sie das Personal bisher als freundlich und zuvorkommend erlebt hätten. Leute, die sich im Bad auskannten, kamen schnell auf die zielführende Frage, aus welchem Stoff denn Hose und Shirt gewesen seien. Die scheint nun geklärt zu Gunsten des Schwimmmeisters, der schon lange Jahre im Bad Dienst tut.