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Wenn die Katze auf dem Baum festsitzt
Feuerwehrmann rettet Tiere in Not

Mit einem speziell ausgerüsteten Fahrzeug rücken die Feuerwehrmänner Stefan Schwemm (links) und Rainer Haberger zur Tierrettung aus.
Mit einem speziell ausgerüsteten Fahrzeug rücken die Feuerwehrmänner Stefan Schwemm (links) und Rainer Haberger zur Tierrettung aus. FOTO: B&K / Bonenberger/
Saarbrücken. Rainer Haberger ist zur Stelle, wenn eine Katze auf dem Baum festsitzt, ein Hund im zugefrorenen See einbricht oder sich ein ein Reh im Zaun verfängt. Seit 25 Jahren arbeitet er bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr. Von Sarah Konrad

Ein schriller Alarm dröhnt durch die Feuerwache zwei in Burbach. Das Funkgerät in Rainer Habergers Büro stößt ein lautes Rauschen und ein paar undeutliche Wörter hervor. Sofort greift der Wachabteilungsführer zum Hörer. Er will wissen, was passiert ist. „Ein Vogel hat sich an einer Schnur im Baum verfangen“, berichtet ihm eine Männerstimme am Telefon. Haberger blickt aus dem Fenster. Zwei seiner Kollegen manövrieren die Drehleiter aus der Garage. Zwei weitere machen sich mit einem speziellen Tierrettungsmobil auf den Weg. Es ist mit Transportboxen, Stangen, Netzen und dicken Lederhandschuhen ausgestattet.


„Die Berufsfeuerwehr hat nur ein Fahrzeug dieser Art“, sagt Haberger. 280 Mal ist sie vergangenes Jahr damit zu Einsätzen in Saarbrücken und Umgebung ausgerückt. In der Stadt sei die Hemmschwelle, den Notruf zu wählen, deutlich geringer als auf dem Land, erklärt der Hauptbrandmeister diese hohe Zahl an Einsätzen.
Der 46-Jährige lebt mit seiner Familie in Eiweiler bei Nohfelden und ist dort auch Mitglied in der örtlichen Feuerwehr. In dem 600-Seelen-Dorf müssen die Rettungskräfte Tieren allerdings nur selten aus der Patsche helfen. „Wenn sich bei uns ein Vogel in einer Schnur verfangen hat und am Baum festhängt, wird der Nachbar gerufen, die Leiter aus dem Keller geholt und das Tier gerettet“, sagt Haberger. Doch in der Stadt gebe es diese Nachbarschaftshilfe oft nicht mehr. Statt nebenan zu klingeln, rufen viele lieber die Feuerwehr.

Und so rücken Haberger und seine Kollegen auch bei kleineren Notfällen aus. Der entflohene Wellensittich, die verirrte Katze auf dem Baum, der eingeklemmte Dackel im Fuchsbau – für die Feuerwehrleute ist das Alltag. Für die betroffenen Tierhalter eine Katastrophe. Viele würden übertrieben vorsichtig reagieren, wenn es um ihre Lieblinge geht. „Ich habe jedenfalls noch nie ein Katzenskelett im Baum hängen sehen. Die kommen irgendwann schon wieder  von alleine runter“, sagt Haberger und lacht.



Trotzdem nehmen die Feuerwehrleute auch diese Einsätze ernst. Sie betreiben teils großen Aufwand, um Tiere aus ihrer Not zu befreien. Ist ein Hund im Eis eingebrochen oder eine Ente auf dem Weiher festgefroren, rücken die Retter sogar mit dem Boot aus. Haberger erinnert sich an einen mühsamen Einsatz in Dudweiler. Dort hatte ein Mann gerade sein Bad gefliest, als er ganz in der Nähe ein Miauen hörte. Ein kleines Kätzchen war hinter die Rigipswand gefallen. „Wir mussten mit der Flex einige der neuen Fliesen rausschneiden“, berichtet Haberger. Renovierung für die Katz.  Leben gerettet.

Doch nicht nur Haus-, auch Wildtiere benötigen die Hilfe der Einsatzkräfte. Tauben, Rehe, Füchse, Dachse und Wildschweine verheddern sich immer wieder in Zäunen, bleiben in Rohren stecken und verletzen sich am Müll. „Wir wundern uns manchmal, was für Tiere sich so in der Stadt rumtreiben“, gibt Haberger zu. Er arbeitet schon seit 25 Jahren bei der Berufsfeuerwehr und hat in dieser Zeit sogar schon einem jungen Luchs geholfen. Der lebte im Saarbrücker Wildpark und saß auf einem Baum fest. „Damals mussten unsere Höhenretter ausrücken, weil wir mit der Drehleiter nicht dicht genug an den Luchs rankamen“, erzählt Haberger.

Solche Einsätze sind nicht ungefährlich. Es komme schon mal vor, dass ein Helfer gebissen wird. Die Tiere seien verängstigt und zeigten sich nicht gerade dankbar. Daher lernen die Feuerwehrmänner schon in ihrer Ausbildung die Grundlagen der Tierrettung. Mehrmals im Jahr besuchen sie Fortbildungen, üben beispielsweise im Zoo den Umgang mit Exoten. Immer mehr Menschen würden Schlangen, Spinnen und Skorpione halten. „Büxt so ein Tier aus, müssen wir vorbereitet sein“, sagt Haberger.  In Kürze stehe auch wieder ein Training mit der Diensthundestaffel der Polizei an. „Sie hilft uns, wenn wir es mit einem besonders aggressiven Vierbeiner zu tun haben“, erzählt der 46-Jährige. „Denn im Gegensatz zu uns ist die Polizei mit Beißschutzanzügen ausgerüstet.“ Doch die Feuerwehrleute retten nicht nur Tiere in Not. Sie bringen Vierbeiner auch ins Tierheim, wenn ihr Besitzer verstorben ist oder ins Krankenhaus muss. Außerdem gehört es zu ihrer Aufgabe, Kadaver zu beseitigen. Dafür ist normalerweise der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) zuständig. „Aber nachts und am Wochenende rücken wir aus, wenn ein Tier auf der Straße liegt und den Verkehr gefährdet“, erläutert Haberger.

In der Zwischenzeit sind seine Kollegen vom Einsatz zurückgekehrt. Ohne den Vogel. „Eine Schnur hatte sich mehrfach um die Beine der Amsel gewickelt“, berichtet einer der Feuerwehrmänner, „Als wir sie losgeschnitten hatten, setzte sie zum Flug an, stürzte ab und ist gestorben.“ Auch die Tierretter können eben nicht immer erfolgreich sein. Doch Haberger versichert: „Wir geben immer unser Bestes.“

Für diese Taube kommt jede Hilfe zu spät. Der Feuerwehrmann entsorgt den Kadaver.
Für diese Taube kommt jede Hilfe zu spät. Der Feuerwehrmann entsorgt den Kadaver. FOTO: ???
In einer Transportbox bringen Feuerwehrleute ein verletztes Reh zu Tierschützern.
In einer Transportbox bringen Feuerwehrleute ein verletztes Reh zu Tierschützern. FOTO: ???? / ???