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Kooperation mit dem THG
Kakaoseen und Aliens lassen grüßen

Thomas Klischke mit Schülerinnen des Theodor-Heuss-Gymnasiums in der Stadtbibliothek.
Thomas Klischke mit Schülerinnen des Theodor-Heuss-Gymnasiums in der Stadtbibliothek. FOTO: Iris Maria Maurer
Sulzbach. Thomas Klischke stellte in der Sulzbachr Stadtbibliothek seine „Käpt‘n Kaos“ Kinderbuchreihe vor. Von Anja Kernig

„Ach Gott, wie hübsch“, entfährt es Thomas Klischke, als er nach dem Erklimmen der Treppenstufen den Lesesaal der Stadtbibliothek betritt. Zur Abwechslung hat es der Schriftsteller und Theaterregisseur mal nicht mit einer tristen Turnhalle oder einem beengten Klassenzimmer zu tun. Bücherregale an den Wänden, viele Fenster, Blick aufs Salzbrunnenaeral, Vorhänge . . . das hier hat Stil – und die Begrüßung durch Hausherrn Martin Degen gehört dazu. Anschließend brieft der Leiter der Bücherei noch schnell die Zuhörer – die Klasse 6b des Theodor-Heuss-Gymnasiums: „Ihr sitzt hier nicht irgendwem gegenüber, sondern, na, wem?“ Drei Hände gehen nach oben: „Dem Autor“, sagt ein Mädchen. Genau.


Jahrgang 1975 und gebürtig in Frankfurt/Oder, studierte Klischke Schauspiel in Leipzig und ist seit 2004 als Regisseur tätig. Wenn er nicht gerade Theater für Kinder und Jugendliche inszeniert – etwa in dem von ihm 2011 gegründeten Möööp Theater Frankfurt – bearbeitet er Kinderbücher, Märchen und eigene Geschichten fürs Theater. Sesshaft geworden ist der Vielbeschäftigte in Frankfurt /Main. Zehn Termine absolviert Klischke diese Woche im Saarland – dank Friedrich-Bödecker-Kreis, der solche Lesungen für Schulen und Einrichtungen erschwinglich macht.

Es lohnt sich allemal. Selbst für die anfangs etwas begeisterungsresistenten Sechstklässler, die auf Wunsch Klischkes so tun sollten, als ob sie Dritt- oder Viertklässler wären. Denn das ist die eigentliche Zielgruppe seiner „Käpt‘n Kaos“ Reihe. Entsprechend harmlos erwiesen sich die großzügig im Text verteilten Schimpfworte, „sabbernder Guppy“ etwa oder „Korallenlutscher“ und „Glatzenmulch“, und schlimmere Beleidigungen als „dir hat wohl der Fahrtwind ein bisschen Gehirn aus dem Knopfloch gepustet“ gilt es auch nicht zu verkraften. Garant für Flüche aller Art ist der berühmt-berüchtigte Käpt‘n Kaos, Onkel der in Ich-Form erzählende Hauptfigur Moritz. Der Neunjährige muss einige Wochen auf dessen Schiff verbringen. Doch dieses verwandelt sich während eines Wettrennens in ein interstellares Raum-Reise-Schiff, das die gesamte Crew in Nullkommanichts ins Weltall katapultiert. Und dort wird’s erst richtig heftig, Kakaoseen und Aliens lassen grüßen.

Die Ideen dazu schöpft Klischke aus Unmengen konsumierter Bücher und Filmen und „ganz vielen Dingen, die ich im Leben beobachtet habe“. Etwas zäh verläuft die Fragerunde. Also dreht Klischke, der gern und kräftig lacht und den es keine zehn Minuten auf seinem Stuhl hält, den Spieß einfach rum. Ob schon mal jemand was geschrieben hat? Ja, drei zögerliche Meldungen. Ob schon mal jemand Theater gespielt hat? Nein. Doch. Zwischendrin animiert er die Gymnasiasten zum drei Minuten „Autoren-Sport“. Nächste Frage: Was die Jungs und Mädel denn mal werden möchten, so beruflich? Da kommt tatsächlich fast etwas Leben in die Runde. Das Spektrum reicht von „weiß ich nicht“ über Ingenieur, Informatiker und Regisseur bis hin zu „Ich will einen Dönerladen eröffnen“.

Kein schlechter Ansatz. Wollte Klischke, in seiner Jugend Batman-Fan, doch zunächst auch Koch werden. Später dann Wasserpolizist. Vom Hocker haute das Auditorium aber etwas ganz anderes: Klischke nennt kein Smartphone sein eigen, sondern nutzt lediglich ein vorsintflutliches Tastentelefon. Und seit 20 Jahren ist er Fernseh-abstinent: „Ich hab keine Zeit für sowas“, meinte der Autor allen Ernstes auf die Frage, was er denn so für TV-Serien konsumiere. „Es gibt so viele spannende Dinge“ – jenseits irgendwelcher Bildschirme. Lesen zum Beispiel.