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Baumfällarbeiten im Sulzbacher Wald
Gefällte Bäume, so weit das Auge reicht

Martin Schmitz vor einem der 63 mächtigen Holzstapel. Fotos: Michèle Hartmann
Martin Schmitz vor einem der 63 mächtigen Holzstapel. Fotos: Michèle Hartmann
Sulzbach. Ein SZ-Leser ist entsetzt über das Ausmaß von Baumfällarbeiten im Sulzbacher Wald. Der Saarforst Landesbetrieb hält dagegen. Michèle Hartmann

Ein Spaziergang mit Martin Schmidt offenbart das ganze Ausmaß dessen, was hier in der kalten Jahreszeit passiert ist. Der Mann geht, grob gesagt, auf einer Länge von etwa 2,5 Kilometern zwischen Schützenhaus Sulzbach und dem Unternehmen Decoma regelmäßig mit seinem Hund spazieren. Er ist entsetzt über das Ausmaß der Holzernte, die am Wegesrand zu besichtigen ist: 63 mächtige Stapel mit gefällten Bäumen. Der 58-Jährige aus Neuweiler hat sich der Mühe unterzogen, die Zahlen auf den Stapeln zu addieren. Er kommt auf genau 7266 Stämme. ,,Ich behaupte, dass ein Drittel des Waldes hier rausgeschlagen wurde", sagt Martin Schmidt. Gegen Waldbewirtschaftung, so unser Leser, habe er natürlich nichts, aber das hier zu besichtigende Desaster habe damit nichts mehr zu tun. Im Übrigen hätten er und auch andere Leute kein Verständnis dafür, in welch gewaltigen Mengen altes, totes Holz seit Jahren hier am Boden liege und nicht vermarktet werde. Schmidt spricht von ,,volkswirtschaftlichem Schaden". Derweil will er sich auch nicht mit dem üblichen Argument des Forstes anfreunden, dass all dieses nicht weggeräumte Gehölz dem Getier im Wald dienen würde. Der Mann aus Neuweiler bringt diesbezüglich auch die Waldbrandgefahr zur Sprache: Das Material sei so trocken, dass es extrem leicht entzündbar sei, da reiche doch wohl eine einzige Glasscherbe.


Was den Spaziergänger auch sehr aufregt, ist der durch schweres Rückegerät an vielen Stellen total verdichtete Boden. Käfer würden da bestimmt keine überleben. Ganz in der Nähe des Waldweges zeigt er uns auch einen kleinen Grenzstein auf dem steht: ,,Schützt den Wald." - ,,Vor dem Saarforst" fügt Schmidt mit einer guten Portion Zynismus hinzu. Am Ende des Spazierganges bringt er dann noch folgendes in Erinnerung: ,,Der Wald gehört uns, nicht dem Forstbetrieb."

Die SZ hat sich mit dem Saarforst Landesbetrieb (SfL) in Verbindung gesetzt und von Revierförster Nils Lesch folgende Stellungnahme erhalten: Die 63 Stapel Holz enthielten keine ganzen Stämme, sondern nur Baumabschnitte. Und für einen Baum könne man drei bis vier Abschnitte zugrunde legen. Demzufolge seien hier sehr viel weniger Bäume gefällt worden, als angenommen. Die Fläche, von der hier die Rede sei, umfasse 37 Hektar (370 000 Quadratmeter), wobei pro Hektar 65 Bäume entnommen worden seien. Rein rechnerisch im Durchschnitt alle elf Meter einer, sagt der Revierförster. Vornehmlich gehe es darum, in diesem Eichen-Mischwald bestimmte Bäume zu fördern, zwecks Wachstums die Kronen freizustellen. Das seien ganz normale Standard-Maßnahmen, die mit einem Kahlschlag nichts zu tun hätten. Dass nun am Wegesrand auf engstem Raum 63 große Holzstapel zu besichtigen seien, habe damit zu tun, dass es hier nur zwei Wege gebe, an denen man sie vorübergehend ablegen könne. Was das seit Jahren hier im Wald herumliegende Gehölz angeht, so erklärt Nils Lesch, dass dies unbedingt nötig sei, um den Böden die Nährstoffe zu geben, die sie brauchen. Zudem sei es ein Habitat für bestimmte Tiere. Die meisten Nährstoffe würden sich in der Borke und im feinen Geäst befinden. Der Saarforst sei im Übrigen vom NABU ausgezeichnet worden ,,für vorbildliche Waldbewirtschaftung".



Und was ist mit der Brandgefahr? Selbstentzündung, sagt Sulzbachs Förster, könne man ausschließen, erhöhte Feuergefahr bestehe nur durch aktives Tun, wenn etwa ein Raucher meint, seine Zigarettenkippen wegwerfen zu müssen. Ganz am Rande: Die gefällten Bäume gehen laut LfS teils in die Zellstoff-Industrie teils auch in die saarländische Parkett- und Laminat-Herstellung.