Wirtshaus-Wiese wird zur Galerie

Künstler verschiedener Stilrichtungen lassen sich beim Bayrisch Zell bei ihrem Schaffen über die Schulter schauen.

Montmartre ist der Name eines Hügels im Norden von Paris und beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Hier ziehen heutzutage viele Künstler, die ihre Arbeiten ausstellen und Porträts, Karikaturen und Scherenschnitte anfertigen, die auswärtigen Gäste an. Doch man muss nicht extra nach Paris reisen, um kreative Künstler und ihre Werke bewundern oder gar kaufen zu können. Das konnte man am vergangenen Sonntag auch ganz bequem bei der Veranstaltung "Montmartre" am Ausflugslokal "Bayrisch Zell" in Schnappach.

Die Künstler-Interessengemeinschaft Sulzbach/Saar (kurz KIS) veranstaltete gemeinsam mit dem Wirt Martin Bartsch zum dritten Mal das Künstlertreffen unter Bäumen. Rund um das Freigelände der idyllisch gelegenen Gaststätte hatten die Künstlerinnen und Künstler unter Pavillons ihre Staffeleien aufgebaut und so die Wiese in eine große Galerie verwandelt. Neben Gemälden ganz unterschiedlicher Stilrichtungen wurden auch Schmuck-Design und eine kunstvolle Taschen-Kollektion präsentiert. Auch der Sulzbacher Meister-Fotograf Peter Diersch war zu Gast.

Die KIS ist, wie sie selbst erklärt, eine Heimat für kreative Menschen, die sich in der Freizeit gerne der Malerei, der Fotografie, der Glaskunst, der Bildhauerei, dem Schmuckdesign und mehr widmen. Jedoch nicht nur Sulzbacher Künstlerinnen und Künstler stellten ihre Werke aus, auch Gäste aus dem französischen Rémelfing, die Maler-Freunde Peinture création waren gekommen und zeigten ihre Bilder.

"Wir freuen uns sehr über diese Freundschaft mit der Malgruppe aus Frankreich", erklärte Jürgen Knieling, der Sprecher der KIS. "Der Kontakt entstand über eine Wandergruppe und schon bald haben wir das Malen als Gemeinsamkeit entdeckt. Daraus ist eine innige Verbindung entstanden", fügt er noch hinzu.

Eine Vorschau auf die Werke der französischen Malgruppe gab es bereits im Rahmen der Sulzbacher Kunst-MAI-le in den Fenstern des Treffpunkts Kompass gegenüber dem Rathaus.

Die Temperaturen steigen, aber die Pavillons unter den Bäumen spenden willkommene schattige Plätzchen. Die Besucher nehmen sich viel Zeit, die Bilder zu betrachten, informieren sich über Techniken und Arbeitsweisen oder Materialien, und hier und da wird auch über einen Kaufpreis verhandelt. Am Stand von Christine Niestreu bekommen Interessierte eine ausführliche Schmuckberatung und dürfen nach Herzenslust zauberhaft gestaltete Ketten oder Ringe anprobieren.

Auch Ute Schwindling aus Dudweiler ist gekommen und genießt die Freiluftveranstaltung. "Ich habe zuhause viele Fotografien an der Wand hängen", sagt sie, "und wenn mir etwas spontan gut gefällt, werde ich es mir auch kaufen". Unter den Ausstellern hat sie auch schon einen Bekannten getroffen. "Das ist das Saarland," fügt sie lachend hinzu.

Die Gäste dürfen auch selbst kreativ werden. An einem der Tische warten bereits Farben und Malunterlagen auf sie. Die Künstler, wie beispielsweise Werner Thome, stehen dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite und geben Tipps. Bei Engelbert Stein aus Püttlingen entstehen im Handumdrehen kunstvolle Aquarelle. Staunend kann man ihm bei seiner Arbeit zusehen. Eine besondere Technik kann man bei der Syrerin Israa Alsayed beobachten. Sie arbeitet mit Spachteln und kräftigen Farben. Schicht um Schicht entstehen so farbenfrohe und stimmungsvolle Werke. Seit fast drei Jahren lebt sie nun im Saarland. Aus der kriegszerstörten Heimat geflohen, hat sie in der Malerei für sich einen Ausgleich zu den vielen Sorgen und Ängsten gefunden, die sie in den vergangenen Jahren begleitet haben. Sie wurde schon zu vielen Ausstellungen eingeladen, und auf ihre Werke wurden bereits zahlreiche Künstlervereinigungen aufmerksam.

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