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Bertha-Bruch-Tierheim
Die Tierretter haben jetzt volles Haus

Um 91 Katzen und 37 Katzenbabys kümmern sich Haupt- und Ehrenamtliche im Bertha-Bruch-Tierhem am Folsterweg in Alt-Saarbrücken.
Um 91 Katzen und 37 Katzenbabys kümmern sich Haupt- und Ehrenamtliche im Bertha-Bruch-Tierhem am Folsterweg in Alt-Saarbrücken. FOTO: dpa / Henning Kaiser
Regionalverband. Das Team des Bertha-Bruch-Heims erlebt die härtesten Wochen des Jahres. Leiterin Kerstin Leismann und ihre Leute kämpfen für Opfer von Tierquälern. Und von Gedankenlosigkeit. Da ist jede neue helfende Hand willkommen. Von Frank Kohler

(ole) Zettel an Ladentüren, adressiert an die sehr geehrten Kunden plus zwei Daten. Das kann nur eines heißen: Betriebsferien. Sommerpause. Am Tor des Saarbrücker Bertha-Bruch-Tierheims werden solche Zettel nie hängen. Der Kampf geht immer weiter für verstoßene oder abgegebene Tiere und für Geschöpfe, die nach dem Tod ihrer Besitzer unversorgt sind. Im Sommer – vor allem in den Ferien – wird er noch härter. Heimsprecher Frederic Guldner und Kerstin Leismann, seit gut zwei Jahren Leiterin des größten saarländischen Tierheims, sagten der SZ, wie das Team die großen Ferien meistert.


13 Hauptamtliche arbeiten im Bertha-Bruch-Heim. Drei Azubis bereiten sich dort auf ihre Tierpfleger-Prüfung vor in der Fachrichtung Tierheim und Tierpension.

Natürlich müssen auch Hauptamtliche, vor allem jene mit schulpflichtigen Kindern, in diesen Wochen ihren Urlaub nehmen können. Aber ein Gutteil der Belegschaft kann in dieser Jahreszeit einfach nicht wegbleiben.

Die Mindestbesetzung in den heißesten Wochen des Jahres beschreibt Leiterin Leismann so: „Drei Leute brauchen wir bei den Hunden, zwei bei den Katzen und einen Mitarbeiter bei den Kleintieren. Plus eine Tierärztin, Azubis und viele unserer Ehrenamtlichen.“ Letztere, rund 50 Idealisten, die kräftig mit anpacken, die Tiere beschäftigen und ausführen, sind Guldner zufolge mit so viel Herzblut dabei, dass sie sogar ihre Urlaubszeiten aufeinander abstimmen.

Schließlich soll der Stress für die Belegschaft im Sommer nicht überhand nehmen. Freiwillige Helfer sprechen sich zum Beispiel ab, damit während der Öffnungszeiten immer genug Vermittler da sind. Der Heimsprecher sagt stolz: „Viele Ehrenamtliche verbringen sogar den größten Teil ihres Urlaubes bei uns, weil der Tierschutz für sie eine Herzenssache ist.“



Auch für Notfälle müssen die Tierretter gewappnet sein. Nicht nur im Sommer, wie Guldner aus trauriger Erfahrung weiß: „Das Aussetzen von Tieren ist das ganze Jahr über ein Thema. Allein in den vergangenen Tagen hatten wir drei Fundhunde und damit inzwischen 71 Schützlinge in den Hundehäusern.“ Und die Heimleiterin sagt mit Blick auf die größte Bewohnergruppe: „Bei den Katzen müssen wir in den ersten Tagen dieses Monats vor allem wegen der vielen Jungtiere von einer regelrechten Flut sprechen. Von den 91 Katzen kamen allein zehn in diesem Monat. 37 Babys haben wir ja auch noch zu betreuen.“

Guldner kann nicht fassen, wie sehr Gedankenlosigkeit das Tierleid gerade bei den Katzen verursacht und vergrößert. „Die Zahl der Katzen, um die wir uns kümmern müssen, steigt im Sommer immer so stark an, weil die Kastration von Freigängern für ihre Besitzer kein Thema ist.“ Die vielen Katzenbabys, die deswegen inzwischen herumirren und halb verwildert in die Obhut der Tierschützer kommen, sind eine weitere Herausforderung.

Die Heimleiterin sieht zudem mit Sorge, aus welch niederen Beweggründen Menschen sich das Geschöpf an ihrer Seite vom Hals schaffen. „Wir haben es mit Tieren zu tun, die jemand entsorgt hat, weil sie vielleicht nicht einfach zu halten waren. Und weil vor der Anschaffung völlig falsche Vorstellungen da waren über das Zusammenleben. Alter und Krankheit der Tiere sind weitere Gründe, sich von ihnen zu trennen.“

Sie rät dringend davon ab, sich beim Kauf vorschnell vom Äußeren leiten zu lassen. „So ein Kauf nach Optik geht fast nie gut. Ganz wichtig ist dagegen, dass der neue Hausgenosse zu den Wohn- und Lebensumständen seiner Besitzer passt.“ Denn bei den ersten Schwierigkeiten, erst recht nach dem ersten Hundebiss, ist sonst der Weg ins Heim programmiert.

Kommt all das zusammen, zwingt das Leismann zu der Feststellung: „Unsere Kapazitäten sind fast erschöpft. Denn es geht ja nicht nur darum, noch Zwinger frei zu haben, sondern es muss auch genügend Personal für die Bewohner da sein.“ Wer ehrenamtlich mit von der Partie sein möchte, den bereiten die Tierschützer auf die Arbeit vor.

Seit Mai gibt es zum Beispiel eine Schulung für die Gassigeher. Damit nach jedem Spaziergang beide froh sind. Mensch und Hund.