Lärm von 35 000 Autos und Lastwagen

Die Fraktionen im Bezirksrat Halberg können die Nöte der Anwohner an den Umleitungsstrecken gut verstehen. Sie rufen auf, schnellstmöglich die Situation für die Menschen zu entschärfen, um Schäden an der Gesundheit und dem Eigentum der Anwohner zu verhindern.

Die Vollsperrung der Autobahn A 6 wegen der Einsturzgefahr der Fechinger Talbrücke hat massive Auswirkungen auf den Verkehr in Saarbrücken . Wie das Stadtplanungsamt im Bericht an den Bauausschuss mitteilt, kommt es auf den verschiedenen Ausweichstrecken "zu erheblichen Mehrbelastungen mit entsprechenden Folgeerscheinungen". Aufgrund von Beobachtungen vor Ort und von Auswertungen mit Hilfe des städtischen Verkehrsmodells verteilt sich der Umleitungsverkehr vor allem auf vier Strecken im Stadtgebiet: Die Flughafenstraße (L 108) muss täglich etwa 12 000 Kraftfahrzeuge mehr aufnehmen, die Kaiserstraße (B 40) in Scheidt und Schafbrücke 9000 Kraftfahrzeuge mehr, der Meerwiesertalweg 9000, die Camp hauser Straße 5000 Kraftfahrzeuge zusätzlich. Die damit verbundenen Probleme für die Verkehrsteilnehmer und die Anwohner an den Ausweichstrecken hält man im Rathaus für "erheblich". Das "ganz große Chaos" sei allerdings ausgeblieben, auch dank etlicher kurzfristiger Maßnahmen. So habe die städtische "Task Force" unter Leitung der Oberbürgermeisterin das Freiräumen von Baustellen veranlasst, Ampelschaltungen geändert, Halteverbote eingerichtet, Bankette (Seitenstreifen) verstärkt und die Benutzung von Bus und Saarbahn attraktiver gemacht.

Ins Auge gefasst, aber nach Prüfung verworfen, wurden ein Ringverkehr um den gesperrten Bereich, eine alternative Busführung in Fechingen durch den Talweg und den Feldweg sowie die Freigabe von zwei Feldwegen zwischen Fechingen und Güdingen für den Autoverkehr.

Würde die Brücke eingeschränkt für den Pkw-Verkehr geöffnet, erwarten die Saarbrücker Stadtplaner "eine deutliche Entlastung auf den Umleitungsstrecken". Nach den Prognoserechnungen könnten in diesem Fall bereits wieder etwa zwei Drittel des normalen Pkw-Verkehrs über die A 6 fahren, wodurch die Umleitungsstrecken deutlich entlastet würden.

Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass es gelinge, die Lastwagen reibungslos und ohne größere Beeinträchtigungen des Pkw-Verkehrs auf die Umleitungsstrecken abzuleiten. Es sei jetzt schon erkennbar, dass durch die erhöhte Verkehrsbelastung auf bestimmten Abschnitten der Umleitungsstrecken Instandsetzungsmaßnahmen nötig werden, etwa in der Kaiserstraße oder "An der Heringsmühle". Die Fraktionen im Bezirksrat Halberg haben bei ihrer Sitzung im Brebacher Rathaus beschlossen, sich in einer gemeinsamen Erklärung mit den Anwohnern der Umleitungsstrecken zu solidarisieren. Dazu haben die Fraktionen von CDU , SPD , Grünen, FDP und Linken folgende Erklärung formuliert: "Vor einem Monat wurde die Fechinger Talbrücke wegen drohender Einsturzgefahr voll gesperrt. Seit dieser Zeit werden per Umleitung alle Autos und Lastwagen durch die anliegenden Ortschaften geleitet - ein unerträglicher Zustand für die Anwohner. Die Dauer dieser Lärm-, Feinstaub- und Geruchsbelastung insbesondere durch die vorbeifahrenden Lkw ist noch nicht abzusehen, da bisher nicht vorhergesagt werden kann, wann die neue Brücke geplant, genehmigt und gebaut werden soll. Das kann mehr als zehn Jahre dauern. Die Anwohner beklagen sich zu Recht, wenn beim Vorbeifahren der Lkw durch die Erschütterung das Geschirr im Schrank klappert. Die Menschen haben auch Angst vor Unfällen, wobei Lkw umkippen oder in den Vorgarten stürzen können. Zudem können freie Wohnungen schlechter, das heißt wegen des starken Verkehrslärms nur mit Mietminderung vermietet werden. Der Wert der Häuser verfällt und kann Existenzen von Menschen bedrohen, die von den Mieteinnahmen oder dem Verkauf ihres Hauses finanziell abhängig sind. Alle Fraktionen des Bezirksrates Halberg verstehen die Sorgen und Nöte der Anwohner, die durch die Sperrung der Fechinger Talbrücke in Mitleidenschaft gezogen wurden. Alle Fraktionen des Rates fordern intelligente Lösungen, um den Schwerlastverkehr im Ortsbereich Fechingen und der B 40 drastisch zu vermindern.

Die Beschilderungen auf den Autobahnen müssen eindeutig und mehrsprachig auf eine weiträumige Umfahrung hinweisen.

 Ab Mitte Mai sollen zumindest Autos wieder über die jetzt noch gesperrte Fechinger Talbrücke fahren dürfen.
Ab Mitte Mai sollen zumindest Autos wieder über die jetzt noch gesperrte Fechinger Talbrücke fahren dürfen. Foto: Oliver Dietze

Sollten Lösungen gefunden werden, die mit Straßenbaumaßnahmen verbunden sind, müssen sie so schnell wie möglich und unbürokratisch realisiert und finanziert werden. Nur dadurch können Schäden an der Gesundheit und dem Eigentum der Anwohner vermieden werden."