Polizei rüstet gegen Einbrecher auf

Die Kriminalpolizei intensiviert ihren Kampf gegen organisierte Wohnungseinbrecher-Banden. Die bisherige Ermittlungsgruppe, die rund 120 Haftbefehle vollstrecken konnte, wird zur ständigen Fachdienststelle.

Kripochef Harald Schnur spricht von einem "Erfolgsmodell", wenn er von der kriminalistischen Arbeit der Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruch (EG WE) berichtet. Seit 2013 arbeiten Hauptkommissar Carsten Molitor und seine zehn spezialisierten Fahnder von ihrem Stützpunkt in Dillingen aus. Ihre Zwischenbilanz: Fast 120 Haftbefehle und knapp 100 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Weitere Haftbefehle liegen in der Schublade. Mehrere Banden, meist aus Südosteuropa, konnten zum Teil zerschlagen werden.

In der Regel werden Ermittlungsgruppen dieser Art in der von Schnur geleiteten Direktion Kriminalitätsbekämpfung, in die das Landeskriminalamt (LKA) eingegliedert ist, zeitlich befristet eingesetzt. Die Fahnder kehren nach Abschluss ihres Auftrags zurück in ihre Stammdienststellen.

Nicht so bei der EG Wohnungseinbruch, deren Erfolge zwischenzeitlich bundesweit Anerkennung finden. Innenminister Klaus Bouillon (CDU ) hat jetzt Informationen unserer Zeitung bestätigt, dass er die Einrichtung einer eigenen Fachdienststelle "Wohnungseinbruch" bei der Kripo verfügt hat. Die EG wird deshalb in den nächsten Tagen förmlich aufgelöst. Die elf Beamten bilden künftig eine neue Dienststelle im Dezernat Eigentumskriminalität der Kripo. Schnur begründet diese Aufwertung der EG: "Die Strukturen der Kriminalität haben sich geändert. Dies ist jetzt eine unserer Reaktionen darauf. Weitere werden folgen. Wir rüsten weiter gegen international organisierte Banden auf." Die neue Dienststelle soll ihren Sitz in Dillingen behalten. Dies könne, so Schnur, als Signal verstanden werden: "Wir wollen spezialisierte Kriminalitätsbekämpfung auch in der Fläche installieren."

Als Erfolg der EG-Arbeit wird in Politik und Polizei gewertet, dass im vergangenen Jahr die Zahl der im Saarland registrierten Wohnungseinbrüche mit 2437 Delikten (davon 1122 gescheiterte Versuche) um 1,9 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2014 zurückgegangen ist. Der Trend nach den ersten vier Monaten im laufenden Jahr deute weiter auf einen Rückgang, war aus dem Landespolizeipräsidium zu erfahren. Die Zahlen auf Bundesebene sollen erst in den nächsten Wochen veröffentlicht werden. Erwartet wird ein Anstieg der registrierten Wohnungseinbrüche um rund zehn Prozent. Auch bundesweit dominieren "reisende Täter" und "mobile Banden" das Lagebild.

Im Saarland stellen die Ermittler fest, dass ihre internationale "Kundschaft" längst nicht mehr nur in der dunklen Jahreszeit zur Tat schreitet. Auch die Einbrecher haben ihre Aktivitäten auf Sommerzeit umgestellt.