Aus Leidenschaft im Einsatz

Rund zehn Millionen Gäste nutzen nach Angaben der Deutschen Bahn jedes Jahr den Saarbrücker Hauptbahnhof. Sie fahren ab, kommen an, kaufen sich eine Fahrkarte, vielleicht noch eine Zeitung und einen Kaffee. Für viele Menschen ist der Bahnhof aber auch Arbeitsort, so zum Beispiel für Bundespolizist Christian Wilhelm.

191 Zentimeter groß, athletische Figur, aufrechter und zügiger Gang, souveränes Auftreten - Christian Wilhelm ist schon von seiner Erscheinung her ein Respekt einflößender Vollzugspolizist. Und dann ist da auch noch sein Vertrauter Jackson, ein fünf Jahre alter belgischer Malinois - so stark und wach, wie man sich einen Schutz- und Sprengstoff-Spürhund nur wünschen kann. Mit ihm zusammen ist der 30-jährige Polizeiobermeister aus Lautenbach bei Ottweiler eine Ordnungsmacht im besten Wortsinn.

Wer regelmäßig am Saarbrücker Eurobahnhof verkehrt, dem kann das dort tagtäglich eingesetzte Gespann unmöglich entgangen sein. Es geht präventiv Streife, unterstützt andere Kommandos bei Kontrollen und setzt Ordnung und Sicherheit durch - was bei einer oft aggressiven oder berauschten Klientel, die bevorzugt an Bahnhöfen verkehrt, Robustheit und eine klare Sprache verlangt. Man denke nur an die Fußballfans, die mit dem Zug anlanden und von der Bundespolizei Richtung Stadion und zurück geleitet werden. Oder an die Nachtschwärmer, die am Bahnhof (er ist von 2.50 Uhr bis 1.30 Uhr geöffnet) auf ein letztes Bier oder einen ersten Kaffee "danach" einkehren. "Sehr einsatzbereit, verlässlich, sozialkompetent und gewissenhaft", beschreibt Sprecher Dieter Schwan, was die Bundespolizei an Christian Wilhelm schätzt.

Wilhelm ist aus Leidenschaft Polizist geworden. Als Kind bewunderte er die Gesetzeshüter aus dem Dorf und ihre Uniformen und verfolgte mit Begeisterung öffentliche Vorführungen, bei denen Polizeihunde Täter stellten oder Gegenstände aufspürten. Nach mittlerer Reife und Fachabitur an der Höheren Handelsschule in Neunkirchen gab es für ihn ein klares Berufsziel.

"Ich habe in meinem Leben nur diese einzige Bewerbung geschrieben und bin eingestellt worden. Das war 2002, damals hießen wir noch Bundesgrenzschutz", erinnert er sich. Wilhelm hatte sich bewusst für die blau uniformierte Bundespolizei und nicht für die grüne Landesbehörde entschieden. Die Vielfalt der Aufgaben und die besonderen Anforderungen des Dienstes an Bahnhöfen und Flughäfen gaben den Ausschlag. Bis heute ist der 30-Jährige "glücklich in meinem Wunschberuf", wobei ihm ereignisreiche Schichten mit vielen Begegnungen, auch Konflikten und Extremsituationen, lieber sind als solche, an denen er in der Unterkunft wartet, bis ihn jemand anfordert. Wilhelm ist "sehr zufrieden mit dem, was ich habe". Mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen kleinen Sohn lebt er im eigenen Haus in Lautenbach. Neben Jackson hat Wilhelm noch drei eigene Hunde. Die fürsorgliche Pflicht, die Tiere zu erziehen und jeden Tag weit auszuführen, ist für Wilhelm gleichzeitig die beste Entspannung vom Beruf und das liebste Hobby.

Im Dorf gilt er als eine Art Hunde-Flüsterer, an den sich die Leute wenden, wenn sie mit ihren eigenen Hunden nicht klarkommen. Wilhelm könnte, auf die gehobene Laufbahn wechseln und Kommissar werden. Doch dazu müsste er zwei Jahre auf die Studierbank, was er sich bei seinem Elan derzeit nicht vorstellen kann. "Ich bin viel zu aktiv", lacht er und nimmt Jackson an die Leine - Zeit für einen Kontrollgang in der Bahnhofshalle.

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