Saarbahn Fahrschein Alternative : Hat der Fahrschein bald ausgedient?

Die Arbeitskammer des Saarlandes diskutiert alternative Konzepte für den Nahverkehr. Kommt eine Pauschalabgabe?

Mit Bus oder Bahn fahren, ohne einen Fahrschein zu lösen? Das galt jahrelang schlichtweg als Schnappsidee. Einzig die Piratenpartei hatte das Thema auf der Agenda und machte sich dafür stark. So unternahm  die Piratenpartei im saarländischen Landtag in der vergangen Legislaturperiode dazu einen Vorstoß. Passiert ist noch nichts.

Nun aber will die Arbeitskammer des Saarlandes die Diskussion darüber neu anstoßen und lädt im September zu einem Branchentag ein, an dem zahlreiche Vertreter aus Kommunen und Umwelt- und Verkehrsexperten teilnehmen.

„Der öffentliche Personen- und Nahverkehr (ÖPNV) ist ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, deshalb brauchen wir einen funktionierenden ÖPNV“, sagt dazu Christian Ott, Referent für Innovation und Umweltpolitik bei der Arbeitskammer. Funktionieren soll der öffentliche Nahverkehr, aber die Tickets sollten auch bezahlbar sein, damit er für Kunden attraktiv wird, und sie auf Busse und Bahnen umsteigen. Vom Tarifdschungel mal abgesehen. Also doch fahren ohne Fahrschein? Rainer Weber, der damalige Landesvorsitzende der Piratenpartei im Saarland, hat das Konzept dazu schon im vergangenen Jahr gegenüber unserer Zeitung erklärt: „Es ist eine staatliche Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen können, um von A nach B zu kommen und sich gleichzeitig diese Mobilität aber auch leisten können. Beim fahrscheinlosen ÖPNV wird der Nahverkehr durch eine geringe monatliche Abgabe aller Bürger finanziert. Im Gegenzug können alle den Nahverkehr im ganzen Land unbegrenzt und ohne Ticket nutzen. Wenn statt teurer Einzel- oder Monatsfahrkarten eine ÖPNV-Flatrate ohne Fahrschein angeboten wird, trägt das auch dazu bei, dass die Bereitschaft zur Nutzung und die Auslastung des ÖPNV steigt.“

Ob ein solches Konzept in Saarbrücken und im Regionalverband trägt, lässt Christian Ott offen. Eine zentrale Frage, die die Arbeitskammer diskutieren will, sei, „wie man die Hürden verringern kann, damit der ÖPNV stärker genutzt werde“.

Dazu lohnt sich nach Auffassung der Arbeitskammer ein Blick über die Landesgrenzen, nämlich nach Metz und Luxemburg. „In Metz beispielsweise bietet das Nahverkehrssystem Mettis den Kunden sehr günstige Fahrpreise. Das Standardticket kostet dort 1,50 Euro. Dadurch hat sich die Zahl der Pendler in den vergangenen Jahren um bis zu einem Drittel erhöht“, sagt Christian Ott. Finanziert werde das System durch eine Steuer, die Kommunen und Kommunalverbände von den Arbeitgebern vor Ort erheben. Dies gilt für alle Betriebe mit mehr als neun Beschäftigten. Die Tarife könnte die Kommunen dann individuell festlegen, sagt Christian Ott. Die Frage ist für Saarbrücken nicht unerheblich, schließlich pendeln täglich rund 140 000 Arbeitnehmer hierher.

Auf deutscher Seite hat der Mitteldeutsche Verkehrsverbund rund um die Städte Halle und Leipzig aufgegriffen. Dort wurden schon alternative Finanzierungsmodelle für den Öffentlichen Personennahverkehr geprüft und in die Diskussion eingebracht. Mit dem Vorstoß der Arbeitskammer könnte auch im Regionalverband die Diskussion an Fahrt gewinnen. Die Idee des fahrscheinlosen Fahrens gewinnt nämlich auch im Saarland immer mehr Anhänger. Waren es zunächst nur die Piraten, so kommen nun auch erste Signale von SPD und CDU. Patrick Lauer, Landrat des Landreises Saarlouis, und Udo Recktenwald, Landrat des Landkreises St. Wendel, machten sich im vergangenen Jahr bei einem Forum der Arbeitskammer für das fahrscheinlose Fahren stark. „Will man einen radikalen Umbruch zugunsten des ÖPNV, dann wird es nur mit radikalen Ideen gehen können“, sagte Lauer damals zur Begründung.

Die Bereitschaft dazu sieht Christian Ott durchaus auch in Saarbrücken. „Jede Kommune hat ein Interesse an einem funktionierenden Nahverkehr. Die Frage ist nur, wie man ihn organisiert“, sagt Ott. Die Arbeitskammer wird ihre Antworten dazu, demnächst vorstellen.