Verkehrslärm in Malstatt: Verkehrslärm steht als Stressfaktor ganz oben

Verkehrslärm in Malstatt : Verkehrslärm steht als Stressfaktor ganz oben

In Malstatt beginnt und endet eine der wichtigsten deutschen Autobahnen. Folge: Eine Blechlawine in Wohngebieten. Die Betroffenen fordern Taten. Doch das ist gar nicht so einfach.

Mit Schwellen gegen Raser: Das fordern einige Teilnehmer des gut besuchten Bürgerforums „Verkehrsprobleme im Stadtteil“. Veranstalter im Saal der Italienischen Mission war der Verein „Malstatt gemeinsam stark“ (Mags). Der Tagungsort liegt auf dem Gelände der Pfarrkirche St. Paulus auf dem Rastpfuhl. Dort geht es mittlerweile nicht nur um die Sorgen der Anwohner entlang der Lebacher und der Breite Straße.

Der Rodenhof gehöre auch zu Molschd, argumentieren die von der Lautstärke des enormen Straßenverkehrs über die Camphauser und die Grülingsstraße Geplagten und mischen munter im Bürgerforum mit. Mit Schwellen, die Schnellfahrer zum Bremsen zwingen, würden Lärmbetroffene das Problem gern lösen, wie sich in einem der vier Arbeitskreise im Rahmen des Forums schnell herausstellte. Das wäre ein schweres Geschütz,  das der Gesetzgeber aber auf Hauptverkehrsadern wie der Grülingsstraße nicht zulässt, wie Ordnungsamtsprecher Gerhard Darm sagte. Außerdem gab er zu bedenken: „Die Anwohner dort, wo eine Schwelle eingebaut ist, täten mir auch furchtbar leid.“ Denn in direkter Schwellennähe rumpeln auch die Autos, die auf die erlaubte Geschwindigkeit abgebremst haben. Darm sagte: „Glauben Sie mir: Ein leerer Lkw poltert gewaltig.“ Ein weiteres Argument gegen Schwelllen, das Darm ins Feld führte waren Einsatzfahrzeuge, die in Notfällen schnell vorankommen müssen. Schwellen auf der Fahrbahn würden sie wertvolle Sekunden kosten.

Rettungswagen nannte der städtische Experte im Speziellen: Die transportierten Patienten würden meist sensibel auf Erschütterungen, Verzögerungen und Beschleunigung reagieren.  Was bliebe, wären Geschwindigkeitsmessungen, wie die Gruppe herausarbeitete.

Die Varianten: Entweder scharfe Radarfallen oder Dialog-Systeme, die lediglich anzeigen, dass sich die Kraftfahrer im erlaubten oder verbotenen Geschwindigkeitsbereich bewegen. Die vorhandenen Blitzer setzen Ordnungsamt und Polizei lieber an Schulen und Kindergärten ein, wie Darm mitteilte. Wegen der Ferien kämen aktuell auch Kontrollen an Stellen in Frage, wo sich Anwohner nach subjektivem Empfinden über Raser beklagen.

Konkreter ist bereits, was der städtische Umweltamtsleiter Christian Bersin zu Beginn der Veranstaltung referierte. Im Rahmen des Lärmentwicklungsplans will er nämlich den Straßenverkehr in der Lebacher auf Tempo 30 verlangsamen. Der Lärm sei dadurch stark zu senken. Weiter erhöhe sich die Sicherheit der Schwächeren im Straßenverkehr  wie der Fußgänger und der Radfahrer. Die Belege für viele Behauptungen blieb er aber schuldig, so zum Beispiel für die Aussage, bei Tempo 30 bewegten sich im gleichen Bereich zur gleichen Zeit nur halb so viele Kraftfahrzeuge, wie bei Tempo 50. Weiter sprach er von einer starken Reduzierung der Unfallzahlen. Wie oft sich solche ereignen, war nicht zu erfahren.

Auf kritische Nachfragen zur Tempo-30-Theorie und warum die Lärmwerte nur berechnet und nicht gemessen würden, verwies der Amtsleiter nur auf von der Europäischen Union festgelegte Normen, und das Argument, reale Messungen seien leicht durch andere Umwelteinflüsse zu beeinflussen: „Es reicht ja schon, wenn ein Hund direkt neben der Messstelle bellt.“

Für die Breite Straße käme Tempo 30 nicht in Frage. Bersin: „Dazu benötigen wir ein Gesamtkonzept, sonst lassen die Obersten Straßenbehörden das nicht zu.“ Für bessere Radwege schaffen die Behörden bereits Tatsachen. So wurden in Teilen der Lebacher Straße schon Fahrradschutzstreifen vormarkiert.

Ob das im Sinne des ADFC Saar, also des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, ist, lässt sich nach dieser Aussage seines Vorsitzenden Thomas Fläschner bezweifeln: Es gebe bereits eine alternative Route, unter anderem über die Heusweiler Straße, um die Lebacher Straße zu umgehen: „Es würde genügen, diese gut erkennbar auszuschildern.“  Weitere Arbeitskreise widmeten sich dem Car-Sharing und  der Saarbahn. Generell sei Letztere wertvoll für das obere Malstatt, doch bringe sie auch Probleme mit wie Betriebslärm, hieß es am Dienstag. Außerdem solle sich die Stadt um Park-and-Ride-Flächen bemühen, statt die Einpendler auf die eh schon knappen Parkflächen in Malstatter Wohngebieten zu zwingen.

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