Rhythmische Gymnastinnen zeigen in Saarbrücken ihr Können

Sport regional : Zartes Aussehen und mentale Härte

Die Rhythmischen Sportgymnastinnen ermittelten ihre Besten. Es gab tolle Vorführungen. Bis eine Übung steht, dauert es Monate.

„Wir waren vor ein paar Jahren mal im Zirkus. Dort habe ich eine Frau gesehen, die einen Spagat gemacht hat, so eine Art Schlangenmensch. Das hat mich fasziniert“, erzählt Emma Klein, wie sie zu ihrer Sportart kam. Die 13-Jährige vom TV Fechingen hat an der Hermann-Neuberger-Sportschule an der Landesmeisterschaft der Leistungsklassen der Rhythmischen Sportgymnastik teilgenommen. Emma Klein war sich damals nach einem Probetraining sicher: Rhythmische Sportgymnastik ist ihre Sportart. „Es ist halt mal was anderes als Schwimmen oder Geräteturnen. Es macht einfach Spaß, dass man immer neue Elemente lernen kann“, erklärt sie. Ob ihr damals schon bewusst war, wie professionell und trainingsintensiv ihre Sportart sein würde?

„Im Sommer kommt extra ein Choreograph aus Bulgarien. Gemeinsam stellen wir eine Choreographie auf, zu der wir auch gemeinsam die Musik aussuchen“, berichtet Emma Klein: „Bis man die Übung dann wettkampfreif vortragen kann, dauert es mindestens drei Monate.“ Sie trainiert von Montag bis Freitag jeden Tag knapp vier Stunden. Zusätzlich stehen zwei Unterrichtseinheiten am Rotenbühl-Gymnasium in Saarbrücken auf dem Stundenplan, welches sie besucht. Und am Wochenende kommen Wettkämpfe in ganz Deutschland dazu.

Der hohe Trainingsaufwand ist notwendig, um im deutschlandweiten Vergleich mithalten zu können. „Die Rhythmische Sportgymnastik ist eine kompositorische Sportart, die sich besonders aus den Punkten Athletik, Beweglichkeit und Körpertechnik, also beispielsweise Rotationen und Ständen, zusammensetzt“, erklärt Karin Schalda-Junk. Und die Landestrainerin ergänzt: „Unser Training ist unglaublich vielfältig und sehr umfangreich.“ Alleine, um mit den fünf Handgeräten Seil, Reifen, Keulen, Ball und Band vertraut zu sein, bedarf es intensiver Vorbereitung. „Außerdem brauchen die Mädchen eine unheimliche Wettkampf-Stärke. So zart wie sie aussehen, so stark müssen sie mental sein“, sagt die Landestrainerin.

Emma Klein absolvierte an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken einen Vierkampf, in dem sie mit den Handgeräten Ball, Seil, Keulen und Band Übungen vortrug. Ihre Musikauswahl reichte von Camila Cabellos „Havana“ bis zu „La Chica ye-ye“ von der spanischen Gruppe Olé Olé. Nach kleineren Fehlern – beispielsweise dem Nicht-Fangen ihres Handgeräts – belegte die 13 Jahre alte Sportlerin vom TV Fechingen in ihrer Altersklasse den zweiten Platz hinter ihrer Vereinskollegin Pauline Köhler. Dritte wurde Catharina Herz vom TV St. Wendel. Auch wenn Emma Klein mit ihrer Leistung nicht unbedingt zufrieden war, das Gute ist: Bis zum Saisonhöhepunkt, den deutschen Jugendmeisterschaften vom 22. bis zum 24. Juni in Nürnberg, ist noch Zeit, um an den Übungen zu feilen.

Die Konkurrenz der Zehnjährigen gewann Sofia Yarova vom TV Fechingen vor Carolina Kotenev und Virginia Gomer, die beide für den TV St. Wendel starten. Als einzige elfjährige Teilnehmerin gewann Leonie Linenko vom TV Fechingen den Landesmeister-Titel in ihrer Altersklasse. Regina Krivoseev und Diana Bernhardt belegten bei den Zwölfjährigen die Plätze eins und zwei. Die ältesten Teilnehmerinnen waren die 15-Jährigen Xenia Mauer vom LC Rehlingen, die hinter Siegerin Michelle Auer vom TV Fechingen Silber bekam.

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