Jubiläum Gouvy : Hommage an Louis Théodore Gouvy

Der Tenor Ralf Peter und der Pianist Thomas Layes widmen einen Liederzyklus zwei musikalisch Grenzgängern.

 Nicht nur der gerade mit einer ganzen Festwoche geehrte Jubilar und Komponist Louis Théodore Gouvy (1819-1898) wurde in Schafbrücke geboren. Auch Ulrich Commerçon, Kultusminister und Schirmherr der Veranstaltungsreihe zu Gouvys 200. Geburtstag, kam dort zur Welt. Dass Gouvy am Freitagabend um 20 Uhr am ehemaligen Arbeitsplatz des Ministers, dem Pingusson-Gebäude, Station macht, freut nicht nur den Hausherrn, sondern auch die beiden agierenden Künstler des Abends, die von der repräsentativen Kulisse mit Blick in den einstigen Botschaftsgarten und dem guten Sound begeistert sind.

An ihrem bilingualen Liederabend bringen Tenor Ralf Peter und Pianist Thomas Layes einen zweisprachigen Liederzyklus zweier musikalisch-literarischer Grenzgänger in der großen hochdeckigen Empfangshalle zu Gehör.

Die Grenzgänger, das sind Gouvy auf der musikalischen, und der Dichter, Politiker und Journalist Moritz Hartmann (1821-1872) auf der literarischen Seite. Den Komponisten und den zeitweise im Pariser Exil lebenden Freiheitskämpfer verband eine innige Freundschaft – „und dass sie eher im andern als im eigenen Land geschätzt und geschützt waren“, so Ralf Peter. Bereits vor ein paar Jahren stieß er auf die „12 Poésies allemandes de Moritz Hartmann, Mises en Musique pour voix de Ténor“. „Von diesem pianistisch wie sängerisch ambitionierten Opus 26, das etwa im Jahr 1860 in Paris in zweisprachigem Notendruck erschien, gibt es jedoch keine Aufnahme. Zumindest konnte ich keine finden“, erläutert der Entdecker.

Die Texte stammen aus Hartmanns Lyrikbänden „Intermezzo“ (1851) und „Zeitlosen“ (1858); in der inhaltlich und formal sehr frei gestalteten französischen Übertragung von Adolphe Larmande, der auch die französischen Textfassungen für Lieder von Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Felix Mendelssohn schuf. Gouvys Textauswahl steht in der Tradition der großen deutschen Liederzyklen von Schubert und Schumann – mit Themen wie „nicht erhörte Liebe“, zunehmender Sprachverlust und das Ringen, damit rational wie emotional umzugehen.

Im ersten Teil des Liederabends wechseln sich der Tenor, Hartmanns zwölf Liebesgedichte rezitierend, mit Thomas Layes ab, der Etüden und Serenaden von Louis Théodore Gouvy auf dem betagten Petrof-Flügel, einer Leihgabe, spielen wird. „Der Prager Klavierbauer Petrof war einst kaiserlicherund königlicher Hoflieferant. Der Klang kommt der historischen Zeit des Liederzyklus entgegen“, merkt Layes an.

Im zweiten Teil das gleiche Prinzip: Jedoch mit den französischen Liedern Gouvys in Larmandes freier Übersetzung, die gleichzeitig rückübersetzt auf Deutsch an die Leinwand projiziert wird. Arnfrid Astel-Schüler Ralf Peter hat diese Neuübersetzung in moderne Prosa selbst besorgt, auch um die erhebliche formale wie inhaltliche Diskrepanz zwischen Hartmann und Larmande augenfällig kenntlich zu machen.

Als Peter die Gedichte intensiv studierte, fiel ihm auf, dass diese flehentlichen Poeme einer geheimen, vermutlich unerhörten Liebe womöglich ganz bewusst, aus einer inneren Notwendigkeit heraus von Gouvy ausgewählt wurden. Denn Gouvy hat auffällig viele Klavierstücke seiner Schwägerin Henriette Gouvy, geborene Böcking, gewidmet. Im Spätwerk finden sich zudem viele Stücke zu vier Händen, die er nachweislich mit der ebenfalls am Klavier versierten Schwägerin in Hombourg-Haut spielte. So gleicht „Pourquoi parler?/Was soll das Wort?“ mit einer „unglaublichen Bandbreite von Emotionen, die fast ins Opernhafte geht“, so Ralf Peter, einer spannenden Reise ins Musikschaffen und Seelenleben dieses lange unterschätzten Komponisten, der nun zurecht als der bedeutendste lokale Vertreter seines Standes wiederentdeckt wird, unter anderem auch bei einem internationalen Kolloquium in Paris, wo Ralf Peter mit seiner spannenden These über Gouvys heimliche Liebe zu seiner Schwägerin ebenfalls gut aufgehoben wäre. Gouvy bleibt spannend – endlich.

Gouvy entstammte einer Industriellenfamilie. Foto: institut gouvy, honorarfrei

Info: Freitag, 5. Juli, 20 Uhr, Pingusson-Gebäude (Eingang durch den Park Hohenzollernstraße, gegenüber der AWO). Der Eintritt ist frei.

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