Porträt Roland Schmitt: Der Mister Folk von Eschringen

Porträt Roland Schmitt : Der Mister Folk von Eschringen

Dass Chris Jagger wieder zum Konzert nach Eschringen kommt, liegt auch an Roland Schmitt. Dessen Musikbegeisterung sorgt im kleinsten Saarbrücker Stadtteil für große Kultur.

Der Weg zum Gasthaus „Zur Post“ in Eschringen war immer wie eine Reise in eine längst verflossene Zeit: Das längst sehr rustikal anmutende Haus wurde um 1890 erbaut, „als Wirtshaus mit Postagentur und Wechselstation für die Kutschpferde“, erzählt Roland Schmitt.

Der Wahl-Eschringer mochte die „Post“ so sehr, dass er in dem urigen Saal „mit der schönen kleinen Bühne mit Theke nebenan“, so Schmitt, seit anno 2001 Konzerte zwischen Folk und Rock veranstaltete. Internationale Größen wie Chris Jagger (der jüngere Bruder von Mick Jagger), Julian Dawson, Miller Anderson, Carus Thompson, Andy Irvine, Michael Weston King oder das Lothringer Duo Schaukelperd traten in Eschringen auf – später, als die „Post“ leider nicht mehr zur Verfügung stand, dann im „Haus der Vereine“.

Verschiedenste Gründe kamen zusammen, als Roland Schmitt die beliebten Kleinkunst-Termine vor zwei Jahren einstellte. Endgültig, wie er meinte. Doch mehrfach fragten namhafte Musiker an, ob sie nicht mal wieder nach Eschringen kommen könnten – am liebsten in die legendäre „Post“, die offenbar bleibende Eindrücke hinterlassen hatte.

Nun dürfen sie wieder anreisen, denn Schmitt lädt erneut ein: „Post reloaded“ tauft er augenzwinkernd nostalgisch seine neuerlichen Konzerte im Haus der Vereine, das auch lapidar Dorfgemeinschaftshaus oder kurz „alte Schule“ genannt wird. „Die Atmo ist nicht so doll in der Schule“, räumt Schmitt ein: Ja, leider kein Vergleich zur geliebten „Post“, deren Flair nun wenigstens in der Überschrift mitschwingt.

In dem gerade mal sechzig musikbegeisterte Seelen fassenden Schulraum ließ sich jüngst bereits der englische Sänger-Songschreiber Julian Dawson hören; für den 17. März sind als nächste Chris Jagger & Charlie Hart angekündigt.

Roland Schmitt geht also wieder seiner Passion als Hobby-Veranstalter nach, die er bereits Mitte der 70er-Jahre entdeckte. Damals erntete er auch frühe journalistische Lorbeeren, als er mit Gleichgesinnten die Zeitschrift Folk-Michel aus der Taufe hob – sie heißt heute „Folker“ und nennt sich Deutschlands führendes Magazin zwischen keltischem Folk, Singer-Songwriter, Blues und Americana.

Folk-Klänge aus Irland waren es auch, denen der gebürtige Mainzer, Jahrgang 1953, bereits als Knabe vor dem Radioapparat lauschte, so seine allerersten Erinnerungen an die klingende Muse. Spätere Favoriten waren Sendungen wie „BeatClub“ auf der Mattscheibe und „Hallo Twen“ auf der Europawelle des Saarländischen Rundfunks. Hier, beim SR, leitet Roland Schmitt seit 1982 als Bibliothekar das Print-Archiv des Senders.

Lange vor seinem Studium des Bibliothekwesens in Stuttgart war freilich auch aktives Musizieren angesagt: Man schrieb 1969, das Jahr des Woodstock-Festivals, da schlug Roland bei „Protoplasma“, einer blutjungen Band in der Gegend von Hockenheim, die Rhythmusgitarre. „Geprobt wurde in einem Raum unter der Sakristei der Kirche, und an Fasching traten wir als Tanzkapelle unter dem Namen ‚Sunshine‘ auf“, erinnert sich Schmitt schmunzelnd.

Später zupfte der Freizeit-Musikus bevorzugt den E-Bass, wenn auch nur im privaten Rahmen. Längst schon Feuer gefangen hatte er da für die „Small Faces“: Seiner Lieblingsband huldigte Roland Schmitt später mit der Biografie „Happy Boys Happy“ (1993) – sein Buch war so erfolgreich, dass es wenige Jahre später ins Englische übersetzt wurde.

Erste Erfahrungen in der Bücher-Branche hatte er bereits 1988 bei der umfangreichen Mitarbeit an Frank Laufenbergs „Joe Cocker“-Monografie gesammelt. Journalistisch ist der Popularmusik-Verrückte – im November düste er zum Besuch der Pop-Ausstellung „Rip it up“ eigens nach Schottland – nach wie vor umtriebig: Rezensionen von Schmitt sind in Magazinen wie „Good Times“ (Sound der 60er bis 80er), „Wapping Wharf“ (Small-Faces-Fanzine) und – natürlich – im „Folker“ zu finden.

Ende dieser Woche wird er nun offiziell den Saarländischen Rundfunk in Richtung (Un-)Ruhestand verlassen. Mit dem Vorsatz, zumindest seine „zahlreichen Mitgliedschaften in Vereinen und Verbänden zu reduzieren“. So nennt Roland Schmitt sich etwa aktives Mitglied im Saarländischen PopRat.

Ein wenig bekannte Liebhaberei freilich soll künftig weiter aufblühen: „Meine Leidenschaft gilt der regionalen Geschichte des Weins“, sagt er – die Begeisterung für edle Tropfen liege in der Familie: Der Urgroßvater besaß eigene Weinberge und eine eigene Weinhandlung in Rheinhessen, Sohnemann Yannick Schmitt arbeitet als Sommelier, und er selbst hält Weinseminare an der VHS.

Darüber hinaus hat Roland Schmitt fest vor, endlich wieder in die Bass-Saiten zu greifen – und zwar zusammen mit Tochter Yasmina, die als Stimmlehrerin und Sprecherin arbeitet und Klavier spielt. Bleibt ihm obendrein reichlich Muße für viele bärenstarke „Post reloaded“-Termine zu wünschen – vielleicht sogar mal unter freiem Himmel draußen vor der alten Schule, wie bereits angedacht.

„Post reloadet“: Konzert mit Chris Jagger & Charlie Hart am Sonntag, 17. März, 18 Uhr, im Eschringer Haus der Vereine (Andreas-Kremp-Straße). Karten zu 15 Euro über www.saar-ticket.de

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