Brebach leiht Künstlern sein Ohr

Auf das Gelände von St. Gobain laden Künstler im Mai ein, um interessierten Bürgern ihre Projekte zu zeigen. Die Vorbereitungen laufen.

"Sanierung ist Heilung durch Kunst", zitiert Ulrike Schäfer den Architekturprofessor Emil Hädler, als sie über das Gelände der Firma St. Gobain läuft. Seit einigen Wochen plant sie das Brebacher Bürgerkunstfest. Es soll am 12. Mai im sogenannten Brebacher Ohr stattfinden, die Woche zuvor ist zum Aufbau vorgesehen.

Um das Gelände gab es bereits mehrere Diskussionen: Soll hier ein neues Gewerbegebiet entstehen oder ein Kulturort? Seit Jahrzehnten ist das Gelände nur noch eine Industriebrache und man weiß immer noch nicht, wie es weitergeht. Inspiriert durch Emil Hädlers Zitat kam Ulrike Schäfer bei einem Treffen unter Brebachern Ende letzten Jahres auf die Idee: Für ihr Abschlussprojekt als Künstlerische Prozessbegleiterin an der Alanus-Hochschule in Alfter will sie einen Teil des Geländes nutzen und Künstlern einen Raum geben, Arbeiten zu zeigen und zu entwickeln. Die Leiterin des Kunstraums Brebach engagiert sich schon seit langer Zeit im Bereich Kunstvermittlung und unterstützt andere Künstler.

Einige Monate nach diesem Treffen steht Schäfer auf dem Platz. Der sandig-steinige Boden ist von Hecken und Bäumen umrandet und liegt in Sichtweite des Brebacher Kunstraums. Die Formalien sind weitestgehend geklärt: Die Nutzung mit der Firma St. Gobain abgesprochen und eine Versicherung abgeschlossen. Nun kann sie beginnen, sich mit den Inhalten zu beschäftigen. Einige Interessierte begehen an diesem Tag das erste Mal das Gelände, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Manche sind beeindruckt von der Größe, andere sind erschlagen und haben Bedenken, ob man hier einen kreativen Raum schaffen kann. "Ich möchte die hier lebenden Eidechsen porträtieren und dann im Stil alter Familienfotos ausstellen - so wie man sie über Omas Sofa gesehen hat", erklärt Volker Schütz. Der Experimentalfilmer und Fotokünstler beschäftigt sich in seiner Arbeit oft mit der Natur. Er geht den Ort mit wachsamem Auge ab und macht Fotos mit einer zur Lochkamera umfunktionierten Spiegelreflexkamera. Am Rand des riesigen Platzes findet er bald einige Morcheln und nimmt sie mit.

Auch der Künstler Alexander Karle überlegt, mit Dingen zu arbeiten, die er auf dem Gelände findet. Zum Beispiel zieht er einen alten und verrosteten Hometrainer aus dem Gebüsch. Auf der gegenüberliegenden Seite findet er ein kleines Werbeschild für Urlaub, ihn fasziniert der Kontrast zwischen der Palme, dem Strand und dem trostlos erscheinenden, kahlen Platz. "Ich hatte sowieso schon daran gedacht, eine Arbeit zu entwickeln, die etwas mit Urlaub zu tun hat. Nachdem ich von der ‚Saar-Art' überraschenderweise nicht eingeladen wurde, freue ich mich besonders über die Möglichkeit, an diesem spannenden Ort auszustellen." Eine große Werbetafel für Urlaub auf einer einsamen Insel schwebt ihm im Kopf vor. Etwas Großes muss es in jedem Fall sein, das ist sicher.

Die Ideen und Gedanken schwirren nicht nur durch Karles Kopf. Die Teilnehmer haben jetzt noch einen Monat Zeit, Ideen zu entwickeln. Ulrike Schäfer sieht die Umnutzung des Geländes auch als Experiment. "Die Stadt überlegt ja, daraus eine Art Brebacher Zentrum zu machen, da sind wir quasi der Vorläufer", sagt sie. Im besten Fall ist es der Anstoß für Folgeprojekte, in jedem Fall aber das Abschlussprojekt ihrer Ausbildung. Als Besucher sieht sie vor allem Brebacher Bürger, Kinder und Jugendliche, die diesem Platz durch aktives Teilnehmen eine neue Bedeutung geben sollen.

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So läuft das Bürgerkunstfest Das Brebacher Bürgerkunstfest findet am Freitag, 12. Mai, ab 13 Uhr auf dem Gelände der Firma St. Gobain statt. Allen, die mehr wollen, stehen als Vorbereitungs- und Arbeitszeit die Tage von Montag, 8. Mai, bis Donnerstag, 11. Mai, zur Verfügung (im Kunst-Raum und auf dem Gelände). Kontakt: kunstraumbrebach.de@gmail.com

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