Nach dem Ideensammeln geht's ans Filmen

Mit Smartphones lässt sich viel lernen. Das Diakonische Werk und die Landesmedienanstalt sorgen dafür, dass auch Kinder aus nicht so reichen Familien digital dazulernen können.

Der Tatendrang der Jungs und Mädchen im Brebacher Kinderhaus ist riesig. Sie sind jetzt Filmemacher. Philipp interviewt seine Altersgenossinnen Melina und Imen, als habe er nie was anderes gemacht. Dass er den beiden nicht in die Augen schaut, sondern sie über ein Tablet beobachtet, hat seinen Grund. Das elektronische Gerät benutzt er, um das Gespräch zu filmen. "Mixed Pixels" macht's möglich.

Das Projekt soll den jungen Leuten den Umgang mit modernen Medien zeigen. Davon sollen gerade Jugendliche aus Einwandererfamilien profitieren. Warum, das erklärt Bettina Molitor vom Diakonischen Werk an der Saar (DWS): "Weil ihre Chancen und Möglichkeiten, an der Mediengesellschaft teilzunehmen, deutlich geringer sind als bei Gleichaltrigen deutscher Herkunft, möchten wir ihnen Teilhabe ermöglichen und in gemischten Gruppen auch die Integration unterstützen."

Der Jugendhilfeverbund im DWS bietet "Mixed Pixels" in vielen seiner Einrichtungen an. Die Landesmedienanstalt unterstützt das DWS. Projektleiterin Christine Ludwig erarbeitet mit den Teilnehmern ab zehn Jahren zunächst Themen. Dann machen die jungen Leute aus diesen Ideen Filme.

Ludwig: "Neben dem Umgang mit der Technik von Tablets und Ähnlichem wird die Medienkompetenz gefördert. Denn Themen wie Cybermobbing, Recht am Bild und Sicherheit im Internet werden besprochen."

Mit dem Projekt haben sie und ihr Team seit dem Start im vergangenen Sommer bereits 150 Kinder und Jugendliche erreicht. Wohngruppen, die Nachmittagsbetreuung an Schulen und eben Kinderhäuser seien klassische Orte, das Projekt anzubieten. Auch für Projektwochen an Schulen sei "Mixed Pixels" geeignet. Es entsteht Vielfältiges. Bei Philipp geht es in seinem Interview um das Thema "Teenager versus Kind". "Eigentlich war ,Arten von Geschwistern' als Thema geplant. Dann wollten wir das aber noch einmal konzentrieren." Nämlich darauf, warum es zwischen älteren und jüngeren Geschwistern manchmal zu Reibereien kommt. Yasmine, Dille und Harim haben derweil anderes im Sinn. Sie widmen sich in ihrem Filmchen einer Anwendung (App) für Mobiltelefone. Die App ermöglicht es, 15 Sekunden lang zu Musik zu tanzen, dies mit dem Mobiltelefon aufzuzeichnen und das dann zu veröffentlichen. Dille sagt: "Da gibt es schon richtige Berühmtheiten. Lisa und Lena zum Beispiel." In einer weiteren Gruppe sind "Arten von Freundinnen" das Thema. Angelina nennt Beispiele: "Tussi, Gammlerin, Verliebte, Lästertanten und so." Vor allem geht es ihnen darum, mit Vorurteilen aufzuräumen: "Deshalb drehen wir von allen Arten Szenen, die den Unterschied zwischen Vorstellung und Realität zeigen sollen." Sobald die Gruppen ihre Dreharbeiten beendet haben, sichten die Teilnehmer mit Projektleiterin Ludwig das Material. Daraus wird der Film geschnitten und mit Musik unterlegt. Sofern die Eltern zugestimmt haben, werden die Werke im Internet veröffentlicht, und zwar in einem eigenen Youtube-Kanal. Beim Pressetermin im Brebacher Kinderhaus zeigt Philipp, wie sehr ihn "Mixed Pixels" begeistert. Er dokumentiert das Treffen in einem weiteren Filmchen.

Zum Thema:

Was "Mixed Pixels" bringen soll Da moderne Info-Technik für die Integration junger Einwanderer wichtig ist, entstand das Konzept zur Förderung der Medienkompetenz. Die ersten Ergebnisse gibt's im Internet. www.youtube.com/ channel/ UClqS-EkkxUDatkf9NFm__ig

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