Mehrheit gegen Windpark Fröhn

Nur 17,5 Prozent der Bürger beteiligten sich an der Umfrage über „Windkraft in Riegelsberg“. Auffällig dabei: Die Zustimmung für Windräder wächst mit dem Abstand der Wähler zum geplanten Windpark Fröhn.

Die Gemeinde Riegelsberg hatte am vergangenen Sonntag ihre Einwohner zu einer Befragung zum Thema "Windkraft in Riegelsberg " aufgerufen. 2311 (= 17,5 Prozent) der stimmberechtigten 13 218 Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Meinung kundzutun.

Ergebnis: Generell ist die Zustimmung zu erneuerbaren Energien hoch, im konkreten Fall jedoch sinkt die Zustimmung deutlich, dies umso mehr, je näher die Windräder an die eigene Wohnbebauung rücken.

Für drei Windräder im Fröhner Wald votierten 30,1 Prozent, dagegen waren 67,4 Prozent. Auffallend ist das Votum im Wahlbezirk Hilschbach, wo die am ehesten Betroffenen wohnen. Hier stimmten nur noch 21,2 Prozent für die drei Windräder und 77 Prozent dagegen. Im Wahlbezirk Walpershofen, der am weitesten entfernt von den möglichen Standorten liegt, stimmten 53,5 Prozent für die drei Windräder und 37,3 Prozent dagegen.

Die Zustimmung für vier Windräder im Fröhner Wald sank auf 19,8 Prozent, die Ablehnung stieg auf 76 Prozent. Im Wahlbezirk Hilschbach sank die Zustimmung sogar auf 14,4 Prozent, die Ablehnung kletterte auf 82,4 Prozent.

Unbeliebte Treibhausgase



Generell sind von den Riegelsbergern, die an der Meinungsumfrage teilgenommen haben, 60 Prozent für die Reduzierung der Treibhausgase und für erneuerbare Energien, nur 14,4 Prozent sprachen sich dagegen aus. 25,6 Prozent enthielten sich. Hier hoben sich die Walpershofer Bürger mit 87,4 Prozent Zustimmung und 6,3 Prozent Ablehnung deutlich vom Durchschnitt ab. Die Hilschbacher zeigten sich zurückhaltender als der Durchschnitt: 47,9 Prozent waren dafür und 20,5 Prozent dagegen.

Für den Ausbau erneuerbarer Energien durch die Errichtung von Windkraftanlagen sprachen sich 52,9 Prozent aus, 25,4 Prozent waren dagegen. Die Walpershofer stechen auch hier mit einer Zustimmung von 79,3 Prozent und einer Ablehnung von 13,6 Prozent aus dem Gemeindetrend heraus. Für die Möglichkeit zur finanziellen Beteiligung von Bürgern an Windkraftprojekten sind 23,6 Prozent, 48,5 Prozent lehnen dies ab. Investitionsfreudiger sind die Walpershofer, sie sind mit 42,3 Prozent für die Möglichkeit zur finanzielle Beteiligung, 40,8 Prozent lehnen dies ab. In Hilschbach können sich nur 17,8 Prozent für eine finanzielle Beteiligung begeistern, 52,5 Prozent sind dagegen.

Drei Schlussfolgerungen

Für Bürgermeister Klaus Häusle sowie alle Ratsfraktionen zeigen diese Ergebnisse dreierlei: 1. Das Thema Windkraft interessiert Riegelsberger Bürger nicht allzu sehr, was sich in der niedrigen Abstimmungsbeteiligung zeigt. 2. Die an der Umfrage beteiligten Bürger lehnen Windräder für Riegelsberg mehrheitlich ab. 3. Die Akzeptanz für Windräder steigt, je größer der Abstand zur Wohnbebauung ist.

Daraus leitete der Riegelsberger Verwaltungschef einen klaren Auftrag für künftige Gespräche im Regionalverband ab, wo über die Windkrafträder beschlossen wird: "Wir werden für den größtmöglichen Abstand der geplanten Windräder zur Wohnbebauung kämpfen. Auch wenn die Abstimmung keine rechtliche Bindung für die Gemeinde Riegelsberg darstellt, so stärkt sie unsere Position im Kampf für 800 Meter Mindestabstand zur Wohnbebauung."

Wie berichtet wird es, entsprechend eines Rechtsgutachtens, aller Voraussicht nach mindestens den 800-Meter-Abstand geben.

Karl Werner Götzinger, Förderverein Energieversorgung Köllertal: "Der FEK erkennt an, dass die Windkraftgegner mehr Bürger mobilisiert haben als die Windkraftbefürworter. Fakt ist aber auch, dass über 80 Prozent dem Thema neutral gegenüber stehen. Wir denken, dass maximal drei Windräder gebaut werden sollten. Übrigens: 23,6 Prozent Zustimmung zu einer finanziellen Beteiligung von Bürgern an Windkraftprojekten wurden ohne Werbemaßnahme erreicht. Das sind alleine in Riegelsberg über 500 potenzielle Mitglieder für die "Bürgerenergiegenossenschaft Köllertal".

Sabine Meyer, BI LebensEnergie Riegelsberg : "Das Ergebnis ist eindeutig: Keine Windräder im Fröhner Wald. Vom Gemeinderat erwarten wir, dass er sich im Sinne der Bürger positioniert und gegebenenfalls den Klageweg nutzt. Auch sind RAG MontanWIND und SaarForst Landesbetrieb nun gefragt, ob sie weiterhin gegen den klaren Bürgerwillen handeln wollen."

Andreas Schramm (FDP ): "Wir haben diese Einwohnerbefragung ‚angezettelt‘ und sind mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Die Bürger haben deutlich gemacht, dass sie keine Windräder wollen."

Meinung:

Gleichgültigkeit macht sich breit

Von SZ-RedakteurMichael Emmerich

"Natürlich bin ich für Windkraft - aber bitte nicht vor meiner Haustür." Das Floriansprinzip hat erwartungsgemäß gewonnen bei der Einwohnerbefragung in Riegelsberg am Sonntag. Aber ist der wahre Sieger nicht die Gleichgültigkeit der Menschen? 13 218 Riegelsberger waren aufgerufen, ihre Meinung zum Thema Windkraft und erneuerbare Energien generell und zum geplanten Windpark Fröhn zwischen Riegelsberg und Holz im Speziellen kundzutun. 2311 Männer und Frauen haben tatsächlich abgestimmt, eine Beteiligung von 17,5 Prozent. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass 82,5 Prozent der stimmberechtigten Riegelsberger die Einwohnerbefragung nicht interessiert hat. Was sicher viele vom Gang an die Urne abgehalten hat, war das Wissen, mit der Stimmabgabe ohnehin nichts ausrichten zu können. Die Ergebnisse der Befragung haben keine rechtliche Bindung, also keinen Einfluss darauf, ob der Windpark Fröhn gebaut wird oder nicht.

Andere wiederum mögen sich gesagt haben, dass die Windräder , wenn sie denn gebaut werden, zwar auf Riegelsberger Bann stehen - aber dass in erster Linie die Holzer Bevölkerung die befürchteten Probleme wie Lärm abbekommt.

Ein Problem haben nun aber auch Bürgermeister Klaus Häusle (SPD ) und der Riegelsberger Gemeinderat. Sie haben sich vor der Einwohnerbefragung für den Windpark Fröhn ausgesprochen. Aber die Riegelsberger, die abgestimmt haben, haben ihnen mit deutlicher Mehrheit die Gefolgschaft versagt. Ob sich da nicht der ein oder andere Kommunalpolitiker im stillen Kämmerlein die Frage stellt: Hätten wir diese Einwohnerbefragung nicht besser sein gelassen?