Ein Leuchtturm steht im Walde

Was soll mit dem Forsthaus Neuhaus zwischen Riegelsberg und Saarbrücken geschehen? Seit Januar 2013 findet das saarländische Umweltministerium keine Antwort auf die Frage. Und das, obwohl der leerstehende Bau die Steuerzahler jedes Jahr rund 40 000 Euro Unterhalt kostet.

Reinhold Jost gibt sich kämpferisch. Statt mit dem ehemaligen Forsthaus Neuhaus jedes Jahr Miese zu machen, weil es leersteht, aber dennoch Geld kostet, will der saarländische Umweltminister einen Teil der zwei Millionen Euro , die das Land bereits in die Immobilie investiert hat, nun wieder zurückholen. Und obwohl Geld in die Landeskasse kommen soll, werde es am Ende mehr Angebote für Naturfreunde geben als bisher, sagt der SPD-Politiker.

Sollte der Plan des Ministers funktionieren, stünde eine Wende in einer Geschichte bevor, in der sich das Ministerium und der ihm unterstellte Saar-Forst bisher nicht mit Ruhm bekleckert haben. Zwischen 2004 und 2011 hat das Land 2 006 700 Euro in das ehemalige Forsthaus investiert. Bis Januar 2013 war es als Gaststätte verpachtet. Seitdem steht das Gelände leer. Dem Land entgehen seitdem nicht nur die monatlichen Pachteinnahmen. Exakt 38 815,40 Euro muss es jedes Jahr aufwenden, um das Gebäude zu sichern.

Es habe in den vergangenen Jahren immer wieder Interessenten für das Restaurant gegeben, sagt Jost. Fünf davon haben seriöse, finanziell abgesicherte Angebote gemacht. Man habe sie aber alle ausgeschlagen, sagt der Minister und begründet das so: Wer das Forsthaus haben wolle, müsse nicht nur ein gutes gastronomisches Konzept vorlegen, er müsse auch zum waldpädagogischen Zentrum des Naturschutzbundes (NABU) und den Angeboten dort passen. Man wolle das Ensemble als Ganzes erhalten und nutzen und es "nicht an den Erstbesten verscheuern", sagt der Minister . Und: "Es nützt ja nichts, wenn jemand von Gastronomie Ahnung, aber kein Gespür für das hat, was wir dort machen."

Er schlägt nun vor, dass das Gebäude an die Naturlandstiftung Saar verkauft wird. Die private Stiftung habe gezeigt, dass sie finanziell und inhaltlich ein verlässlicher Partner sei, sagt Jost, der selbst Vorsitzender dieser Stiftung ist. Die Stiftung habe Interesse. Und auch der Preis stehe fest: 695 000 Euro . Diese Summe habe der Gutachterausschuss der Landeshauptstadt Saarbrücken im Auftrag des Ministeriums ermittelt. Die Stiftung werde dann das Restaurant verpachten. Es gebe "einen interessanten Partner" dazu, der sich nach einem Ortstermin Anfang April entscheiden wolle. Es sei in Neuhaus nie "um den schnellen Euro " gegangen, sagt Jost, sondern darum, einen "Leuchtturm der Waldpädagogik" zu erhalten. Mit dem Finanzministerium und dem Rechnungshof habe er den Verkauf schon besprochen, sagt Jost. Das Ganze sei auch ohne Ausschreibung "rechtlich sauber". Der Verkauf gehe vorher durchs Kabinett und werde dem Landtag vorgelegt.

Meinung:
Was darf ein Ministerium?

Von SZ-RedakteurMartin Rolshausen

Es sieht gut aus. Gerade erst habe es einen Besichtigungstermin "mit einem ernst zu nehmenden Interessenten" gegeben. Das war die Antwort aus dem Umweltministerium auf die Frage, wie es denn mit dem Forsthaus Neuhaus steht - vor knapp zwei Jahren. Nun versichert der Minister selbst: Es braucht noch etwas Zeit, aber man sei auf einem guten Weg.

Dabei wirft seine Antwort auf die dringlich vorgetragene Frage, wie es denn nun weitergeht mit dem Forsthaus, mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Zum Beispiel: Ist es wirklich hilfreich, eine solche Immobilie ohne Ausschreibung zu verkaufen? Und dann noch an eine Institution, deren Vorsitzender der Minister ist? Wieso sollte die Stiftung ein besseres Händchen bei der Vermietung haben als vorher das Land? Darf ein Ministerium seriöse Angebote ohne vorherige öffentliche Debatte über ein gewünschtes Konzept ablehnen und zu Lasten der Steuerzahler auf Pacht verzichten?