| 20:41 Uhr

Es kommen weniger Flüchtlinge
Wie Flüchtlinge in Püttlingen leben

Carmen 
Helfgen
Carmen Helfgen FOTO: Stefan Waltner
Püttlingen. Menschen aus 70 Nationen wohnen in der Stadt. Das ergibt sich aus dem ersten, im Stadtrat vorgestellten Zuwanderungsbericht. Von Walter Faas

Etwa 19 000 Einwohner hat Püttlingen. Während der Anteil der deutschen Bevölkerung durch den demografischen Wandel zurückgeht, steigt der – immer noch weitaus kleinere – Anteil der aus dem Ausland stammenden Menschen. In der Sitzung des Püttlinger Stadtrates am Dienstagabend stellte Carmen Helfgen die ersten Asyl-, Flüchtlings- und Zuwanderungsberichte vor. Helfgen ist Leiterin der Stabstelle „Zuwanderung“ im Rathaus, die 2013 gegründet wurde. „Eine kluge Entscheidung“, sagt Helfgen heute. Denn dadurch, dass alles zum Thema gehörende nun gebündelt wird und ebenso durch das Erheben gesicherter Statistiken habe man in Püttlingen Verständnis über Normen, Werte und Verhaltensweisen zugewanderter Menschen entwickelt, wie auch die Menschen aus anderen Kulturen über Deutschland viel gelernt hätten.


Bisherige Erkenntnisse: Die Überalterung unserer Gesellschaft, werde durch die Zuwanderung nicht aufgehalten, auch wenn in den Ausländer-Haushalten im Schnitt mehr Kinder leben als in Haushalten der deutschen Bevölkerung. Auswirkungen zeige die Zuwanderung aber dennoch bereits jetzt – etwa auf den Wohnungsmarkt, das Bildungswesen, den Arbeitsmarkt und das Sozialsystem, auch auf das Stadtbild und das Zusammenleben.

Als vorteilhaft, so Helfgen, habe es sich erwiesen, Zuwanderer, Asylsuchende und Flüchtlinge dezentral in ganz Püttlingen unterzubringen, um so „eine Ghettoisierung zu vermeiden“. Dies gelte auch für die drei Püttlinger Grundschulen beziehungsweise die städtischen Kitas, in der die Kinder zugewanderter Menschen ebenfalls dezentral verteilt werden. Helfgen: „Alle zugewanderten Kinder werden umgehend im Kindergarten oder in der Schule angemeldet. –  Die Kita-Mitarbeiter beurteilen den Verlauf der Integration positiv. Wir haben auch feststellen können, dass sich die Kinder und ihre Eltern aktiv in die hiesigen Feste und Bräuche einbinden lassen.“



In ihrem Bericht sprach Helfgen auch den großen Beratungsbedarf an. Als Beispiele nannte sie Sprachkurse, Arbeitssuche, Gesundheitsvorsorge, Wohnraumberatung, Fragen zur Überschuldung, zur Energieversorgung oder zum Führerschein. Der Wunsch, Kontakt zu deutschen Nachbarn aufzunehmen, sei ebenso vorhanden wie zur Beratung in alltäglichen Dingen, etwa beim System der hiesigen Mülltrennung. Helfgen: „Die Stabsstelle arbeitet eng mit dem ;Püttlinger Freundeskreis für Migration und Integration’, dem Verein ‚Aussiedler im Köllertal’, dem DRK, den Kirchen und dem Projekt ‚Hilf mir, es selbst zu tun’ zusammen.“

Viele freiwillige  Helfer, darunter 17 ehrenamtlich tätige Dolmetscher, unterstützen die Arbeit der Stabsstelle. „Ein Erfolgsmodell – unsere Stabsstelle kümmert sich um viele große wie auch kleine Probleme von Zuwanderen oder Flüchtlingen vorbildlich“, resümierte am Ende des Berichtes Bürgermeister Martin Speicher. Eine Wertung, der sich auch die Sprecher der im Stadtrat vertretenen Fraktion unisono anschlossen. Aus deren Kreis wurde schließlich angeregt, den überkommunalen Schulterschluss in Sachen „Zuwanderung“ mit anderen Kommunen zu suchen. In Ansätzen, so Stabsstellenleiterin Helfgen, geschehe dies schon.