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Was Püttlingen für Flüchtlinge tut

Was Püttlingen für Flüchtlinge tut

Die Stadt Püttlingen arbeitet mit einem Integrationskonzept. Sozialpädagogin Julia Pistorius stellt dessen Grundzüge vor. Und berichtet, dass sich rund 40 Leute in der Stadt in der Flüchtlingshilfe engagieren.

Aktuell leben knapp 280 Flüchtlinge in Püttlingen . Sie stammen zu 95 Prozent aus Syrien, gefolgt von den Ländern Afghanistan und Eritrea. Dies teilte die Sozialpädagogin Julia Pistorius von der Abteilung Bildung, Soziales & Integration der Stadtverwaltung auf Anfrage der SZ mit. "Die Stadt beschäftigt zwei Integrationshelfer , eine Frau und einen Mann, die fließend Arabisch sprechen", sagt Pistorius. Der letztgenannte Helfer, auch Migrationslotse genannt, spricht auch Persisch. Hinzu komme eine Sozialarbeiterin, die hauptsächlich für die Bereiche Ehrenamt, Organisation, Koordination der Sprachkurse , die Kooperation mit Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie für Hausbesuche bei den Flüchtlingen zuständig ist.

Folgende Maßnahmen gehören zum Integrationskonzept der Stadt Püttlingen :

An zwei Tagen in der Woche bieten Integrationshelfer eine Sprechstunde im Püttlinger Schlösschen an

Beratung und Begleitung der Flüchtlinge bei Alltagsangelegenheiten wie Arztbesuchen oder Behördengängen

Nächtliche Rufbereitschaft der Integrationshelfer bei Notfällen, zum Beispiel Dolmetschen im Krankenhaus

Regelmäßige Treffen der Lenkungsgruppe "Integration"

Anfänger- und Fortgeschrittenensprachkurse mit einer Fachkraft, die fließend Arabisch spricht

VHS-Sprachkurse in Kooperation mit der Stadt

Sprachkurse mit zwei Ehrenamtlern in Köllerbach

Gezielte Frauenprojekte wie Sprachkurs, Handarbeiten, Frauentreff

Ehrenamtliche sind seitens der Stadt in den Grundschulen eingesetzt

Ein Häkelkurs wurde von Ehrenamtlern in Kooperation mit der Stadt aufgebaut und wird von der Stadt begleitet

Organisation von Ein-Euro-Jobs

Die Stadt ist vertreten im Verein Püttlinger Freundeskreis für Migration und Integration.

Der Verein hat eine Kleiderkammer eröffnet, das Gebäude stellt die Stadt

Als nächsten Schritt plant die Stadt, in Kooperation mit dem Verein, eine Begegnungsstätte als offenen Treff für alle Püttlinger. Weiterhin, so Pistorius, gab es Aktionen wie "Backen mit dem Bürgermeister", "Plätzchen backen zu Weihnachten", eine Fahrradsammelaktion, die Organisation eines Fahrradführerscheines in Zusammenarbeit mit dem ADAC , eine gemeinsame Apfelernte und das Herstellen von Apfelsaft, eine Weihnachtswunschaktion mit den Elternvertretungen der Kitas sowie ein Willkommensfest im Stadtpark unter Schirmherrschaft der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer . "Insgesamt", sagt Pistorius, "engagieren sich derzeit ungefähr 40 Personen in Püttlingen und Köllerbach in der Flüchtlingshilfe ", etwa im Püttlinger Freundeskreis für Integration und Migration , bei der Evangelischen Kirchengemeinde Kölln, der Stadtmission Püttlingen , den Katholischen Frauen der Pfarrei Liebfrauen sowie beim Ortsverein Püttlingen des Deutschen Roten Kreuzes.

Für Sach- und Geldspenden oder weitere Infos zur Integration von Flüchtlingen gelten diese Rufnummern der Stadt Püttlingen : (0 68 98) 6 91-1 80, 6 91-1 84 und 6 91-1 97.

In der Stadt Püttlingen leben derzeit knapp 280 Flüchtlinge, die alle in rund 80 privat angemieteten Wohnungen, verteilt über das gesamte Stadtgebiet, untergebracht sind. Diese Zahlen nannte Bürgermeister Martin Speicher (CDU ). Auch weil Püttlinger diesen Wohnraum zur Verfügung stellen, laufe die Unterbringung bisher problemlos, fügte Speicher hinzu. Um weitere Personen aufnehmen zu können, suche die Stadt nach wie vor Wohnungen oder Häuser zum Mieten oder Kaufen. Bereits vergangenes Jahr hatte der Stadtrat den Grundsatzbeschluss gefasst, ein Wohnraumkonzept für die Aufnahme von Flüchtlingen aufzustellen. "Da wir nicht genau wissen, wann und in welcher Zahl der Stadt weitere Personen zugewiesen werden, müssen wir Vorsorge für den Fall treffen, wenn der privat zur Verfügung stehende Wohnraum erschöpft sein wird", sagte Speicher. Damit wolle die Verwaltung verhindern, dass öffentliche Räume wie Schulen oder Turnhallen in Anspruch genommen werden müssen.

Die im SZ-Bericht vom 22. März ("Stadt Püttlingen will Container für Flüchtlinge aufstellen") angesprochene Belegung einer Turnhalle in Köllerbach habe mit der eigentlichen Thematik der Unterbringung von Flüchtlingen nichts zu tun, betonte der Rathauschef. "Dabei handelte es sich um die zeitlich begrenzte Versorgung von zwei Gruppen so genannter unbegleiteter Jugendlicher, die dem Regionalverband zugewiesen waren, der uns in diesen Ausnahmesituationen um Hilfe gebeten hatte. Die Stadt ist dem nachgekommen und hat unter der Federführung des Diakonischen Werkes und des Deutschen Roten Kreuzes die Turnhalle befristet zur Verfügung gestellt", sagte Speicher. Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei nahe der Püttlinger Kläranlage würden keine Container aufgestellt, stellte Speicher klar. Die Stadt schaffe die Voraussetzungen zum Aufstellen von mobilen Unterkünften, so genannten Wohnmobilheimen, in denen pro Wohneinheit bis zu vier Personen untergebracht werden können. Und zwar als Reserve, sollte der von Privatleuten bereitgestellte Wohnraum nicht ausreichen.

Speicher: "Ankommende Flüchtlinge werden dort nur so lange untergebracht, bis wieder entsprechender Wohnraum zur Verfügung steht." Zudem werde der Außenbereich begrünt. Für Familien werden Aufenthaltsbereiche und Spielmöglichkeiten geschaffen, zudem können die Räume im Gebäude der Gärtnerei, die inzwischen hergerichtet sind, genutzt werden. Speicher: "Durch die Aktivierung der ehemaligen Gärtnerei samt Gewächshäusern und Außenanlagen werden zudem Möglichkeiten zur beruflichen Aus- und Weiterbildung geschaffen."