Mal die Luft anhalten

Kinder machen das manchmal: Sie drohen, so lange die Luft anzuhalten, bis das passiert, was sie wollen. Das ist albern? Mag sein. Aber ich habe den Verdacht: Was wir Erwachsenen manchmal tun, um etwas zu verändern, ist nicht wirklich hilfreicher als die Luft anzuhalten.Wenn ich - nur mal so zum Beispiel - den vor einigen Tagen vorgelegten Stadtrats-Koalitionsvertrag von SPD , Linken und Grünen lese und mir auffällt, dass die überhaupt keine neuen Ideen haben, könnte ich die alle anrufen und um Kreativität betteln.

Genausogut kann ich auch die Luft anhalten.

Von Kommunalpolitikern verlangen, dass sie die Interessen ihrer Kommune vor die Interessen ihrer Parteien stellen? Sie auffordern, dagegen vorzugehen, dass ihre Parteifreunde in der Regierung die Städte und Gemeinden weiter finanziell ausbluten und unserer Lebensqualität verschlechtern? Zu fordern, dass sie etwas tun - etwa demonstrativ aus der Partei austreten, die Parteifreunde namentlich öffentlich zur Rede stellen, oder zumindest auf Parteitagen weniger laut klatschen? In der Zeit, in der ich das diese Woche in einem Kommentar geschrieben habe, hätte ich auch die Luft anhalten können.

Aber ich wurde diese Woche auch daran erinnert, dass man in dieser Stadt auch ohne Luftanhalten etwas erreichen kann. Ulrike Donié hat nämlich das Bundesverdienstkreuz bekommen. Sie hat das Saarbrücker Bürgerforum zwar nicht gegründet, ist aber seit 25 Jahren seine Vorsitzende. Diese Gruppe hat unter anderem das Altstadtfest erfunden, dazu beigetragen, dass die Alte Brücke nicht dem Saarausbau geopfert wurde, der Kirchgarten an der Johanneskirche entstanden ist. Das Bürgerforum hat immer wieder gezeigt, dass für die Gestaltung einer menschenwürdigen Stadt Ideen meistens hilfreicher sind als ein Parteibuch.