Horrorbilder von der Behörde

SZ-Redakteurin Michèle Hartmann ist manchmal etwas zu schnell unterwegs.

Meinung:
Horrorbilder von der Behörde

Das geht alles zu schnell. Bling - und schon sitzt man in der Falle. Vor wenigen Wochen waren es zehn Kilometer, jetzt sind es so um die 13, wenn ich mich nicht verguckt habe. Als es blitzte, war ich in Dudweiler unterwegs, in Gedanken versunken.

Der auf dem Gaspedal befindliche Fuß nutzte die kurze vergeistigte Phase aus und senkte sich nach unten. Derweil bewegte sich oben die Tachonadel nach rechts. Ein zuckender Blitz und fertig ist das schwarz-weiße Bildchen. Was das wieder kostet? Vermutlich zu viel, unnötige Kapriolen kosten immer zu viel Geld.

Nicht dass Sie mich falsch verstehen, ich rede hier nicht der Raserei das Wort, ganz im Gegenteil, Leichtsinn gehört bestraft.

Das Schlimmste am Erwischtwerden aber ist nicht das Geld, das man zu überweisen hat, nein. Sondern das grausige Foto, das einem entgegenblickt, sobald man den behördlichen Briefumschlag aufgerissen hat. Um Himmels Willen, wie siehst du denn aus?! Früher haben wir Horrorbildchen gesammelt, die konnte man prima auf Schulmäppchen kleben oder auf den Ranzen. Je entstellter das Monster, um so besser.

Daran muss ich denken, wenn ich das amtlich erstellte Foto betrachte. Und an die Plakate in alten Wild-West-Filmen, mit dem widerlichen Gesicht eines dringend gesuchten Revolverhelden.

Ich würde es nie auf eine Gerichtsverhandlung ankommen lassen. Gar nicht auszudenken, dass auch noch ein Richter mein Foto sieht. Dann doch lieber schnellstmöglich zahlen. Und vornehm schweigen.