Das rollende Mama-Taxi

SZ-Redakteurin Susanne Brenner hat einen Leser getroffen – in doppelter Bedeutung.

Meinung:
Das rollende Mama-Taxi

Es war einer dieser Tage, wie ihn sicher viele Mütter kennen. Mama-Taxi-Tag. Kind hier abholen, dort hinfahren, wieder abholen, woanders hinfahren - und zwischendurch überlegen, welcher Supermarkt auf dem Weg liegt und was man fürs Abendessen besorgen muss. An solchen Tagen bin ich immer ein bisschen auf Autopilot. Man fühlt sich so fremdbestimmt, dass alles irgendwie automatisch passiert. Zum Beispiel an der Ampel stehen und die Wartezeit nutzen, um noch schnell ein paar Tempos und Bonbon-Papierchen im Auto aufzusammeln oder ein paar Notizen auf dem Einkaufszettel zu machen.

Bei einer solchen Aktion ist es letzte Woche passiert. Als ich wieder hochschaute, war das Auto vor mir überraschend nahe gekommen. Nanu, rollt der rückwärts? Leider nicht. Ich hatte vor lauter Kruscheln und Taschentücher-Angeln den Fuß von der Bremse genommen und war meinem Vordermann langsam und stetig gegen die Stoßstange gerollt. So ein Mist. Das auch noch. Ausgerechnet am Mama-Taxi-Tag. Stress. Keine Zeit. Kind steht am Bahnhof. Und überhaupt.

Aber dann: das kleine Wunder. Zwei freundliche Menschen entsteigen dem Auto. Unaufgeregt. Wir tauschen Visitenkarten. Und plötzlich stellt sich raus, es sind SZ-Leser. Ja, besser noch: Sie mögen sogar meine Artikel. Und sie sind tatsächlich ein bisschen so, wie ich mir unsere Leser gerne vorstelle. Auf diese nette, uneitle Art saarländisch. "Ein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand", sagt er später mit Blick auf den winzigen Kratzer im Blech.

Wir sind uns ganz schnell einig. Es ist alles kein Problem. Ich erwische das Kind noch rechtzeitig am Bahnhof. Die Welt ist nicht untergegangen. Da sieht man mal, dass Zeitungsleser die Welt tatsächlich ein bisschen besser machen können. Zumindest für mich . . .