Ein Leben ohne Nutella

Wo Kinder den Speiseplan bestimmen, geht es phasenweise spartanisch zu. Ohne Gewürze, ohne Experimente. Für SZ-Redakteurin Angelika Fertsch schien jetzt endlich eine neue Zeitrechnung anzubrechen.

Meinung:

Ein Lebenohne Nutella

"Mach' mal was anderes auf mein Schulbrot", fordert meine Tochter meinen Ehrgeiz heraus. Und schiebt noch nach: "Sei mal kreativ." Das saß - die Nutella-Periode, die gefühlt mindestens so lange angehalten hatte wie die Eisenzeit für unsere Vorfahren, sollte nun offenbar zu Ende gehen. Das motivierte mich zu Höchstleistungen am Frühstücksbrett. Ich schob Paprika in den Ofen, bis die Pelle Blasen warf, briet Zucchini-Streifen mit Knoblauch in Olivenöl, garnierte mit Weißkäse und Schinken. Doch beim Schulbrot allein hörte es nicht auf, ich riskierte Waghalsiges. Würzte fürs Abendessen das gemeine Gulasch, sonst verschrien und verhasst, mit Curry, Paprikapulver, garnierte es auf Cous-Cous mit Tomaten vom Backblech - und wurde gefeiert. Ja, plötzlich verfallen die Geschmackszäpfchen der Kinder offensichtlich in Freudentaumel bei all diesen exotischen Genüssen, während es dem Hausherrn nun doch etwas zu bunt, sprich scharf, wurde. Die Krönung war, als ich vor wenigen Tagen meine allerersten handgemachten Gnocchi anbot, die aus lila Kartoffeln bestanden. Die Familie schaute etwas schräg, aber - ich darf sie wieder machen. Ein Lichtblick für den, der gerne kocht.