Sparen nutzt Gemeinde wenig

Nach zwei ausgeglichenen Haushalten schreibt Kleinblittersdorf 2015 wieder rote Zahlen: 1,54 Millionen Euro. Für Stephan Strichertz steht fest, dass nur noch neu verteilte Lasten und Geldquellen den Weg seiner Gemeinde in die Überschuldung abwenden können.

Weiß und Schwarz sind die Lieblingsfarben von Kleinblittersdorfs Bürgermeister Stephan Strichertz, denkt er an den Gemeindehaushalt. Er will auf Dauer schwarze Zahlen sehen.

Die Farbe Weiß steht für ein leeres Blatt Papier als Symbol eines radikalen Neubeginns. Ginge es nach Strichertz, müsste auf diesem Blatt am runden Tisch schnell ein neues System zur die Verteilung der Finanzen von Bund, Länder und Gemeinden entstehen. Eines, das, wie er sagt, nicht mehr ohne Ausgleich Milliardenausgaben an Städte und Gemeinden weiterreicht. Sonst verpuffen Strichertz zufolge in den Kommunen alle Sparanstrengungen.

Kleinblittersdorf kriegte 2013 und 2014 ausgeglichene Haushalte hin. Für 2015 kalkulieren Bürgermeister und Gemeinderat mit einem Minus von 1,54 Millionen Euro . Damit hat die Gemeinde am Jahresende einen Schuldenberg von 26 Millionen Euro bei den Kassenkrediten aufgehäuft, dem Dispokredit der Gemeinde. Ohne ein neues Finanzsystem sei kein Weg in Sicht, diese besonders problematischen Schulden abzutragen, sagt Strichertz. Auf fünf Millionen Euro belaufen sich die langfristigen Verbindlichkeiten der Gemeinde für Investitionen.

2015 wird aus mehreren Gründen schwierig: Die Umlage der Gemeinde an den Regionalverband steigt 2015 um 855 000 Euro auf 6,3 Millionen Euro . Gleichzeitig entfallen 664 000 Euro aus dem kommunalen Entlastungsfonds des Landes. Um nicht noch mehr Miese zu machen, will die Gemeinde zwei Stellen nicht mehr besetzen. Sie hat noch 80 Beschäftigte. Mitgerechnet sind da auch Reinigungskräfte, die Beschäftigten des Bauhofes, des Schwimmbades und der Kompostieranlage. "Als ich 2002 anfing, hatte die Gemeinde noch 111 Mitarbeiter", sagt der Verwaltungschef. Nun ist für Strichertz eine Untergrenze erreicht, soll nicht die Qualität der Arbeit leisten.

Trotz allem wollen Verwaltung und Gemeinderat in diesem Jahr rund eine Million Euro Euro investieren. Die Spannbreite der Ausgaben reicht von 5000 Euro für neue Spielgeräte in den Kindergärten bis zu 110 000 Euro zur Verbesserung der Saarbahnhaltestelle in Rilchingen-Hanweiler.

Außerdem wird eine wichtige Anschaffung für die Feuerwehr möglich. Die Gemeinde hat 2015 ihren Anteil von 315 000 Euro für ein neues Feuerwehrfahrzeug des Löschbezirks Kleinblittersdorf beisammen. Hinzu kommen 126 000 Euro aus der Feuerschutzsteuer und ein Kredit von 189 000 Euro , den die Gemeinde für das neue Feuerwehrauto aufnehmen darf. "Für unsere großen Vorhaben, auch das gemeinsame Feuerwehrgerätehaus für Sitterswald und Auersmacher sind Zuschüsse unerlässlich", sagt Strichertz.

Eine Million Euro kommen für das Gerätehaus vom Land. 180 000 Euro sind die Handwerksleistungen wert, die die Feuerwehrleute selbst erbringen. Bleiben für Kleinblittersdorf rund 420 000 Euro - von der Gemeinde über mehrere Jahre zurückgelegt. Wenn das Haus fertig ist, bietet es auch genug Platz für das neue Feuerwehrauto, das 2016 geliefert wird. Sein Vorgänger, der noch im kleinen Auersmacher Gerätehaus steht, wird dann 44 Jahre alt sein und nach der Ausmusterung bei Fans von Feuerwehr-Oldtimern ein Zuhause finden. 2016 hat für Strichertz aus einem weiteren Grund Gewicht. Als die Gemeinde bei der Umstellung auf das kommunale Rechnungswesen Doppik ihre Eröffnungsbilanz vorlegte, war es als das Jahr abzusehen, in dem die Schulden das Vermögen übersteigen, Kleinblittersdorf also überschuldet ist. Ganze drei Jahre Aufschub haben der Gemeinde ihre Spar-Anstrengungen nun gebracht.

Das heißt: 2019 ist die Gemeinde überschuldet - wenn nicht vorher das ersehnte neue Finanzmodell kommt.