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Christen müssen viele Kirchen aufgeben

Christen müssen viele Kirchen aufgeben

Die Kirchen sind den Gläubigen wichtig, wurden sie doch unter Mühen gebaut. In Kleinblittersdorf – und nicht nur dort – treffen Verkaufspläne Menschen hart, die sich einst für die Gotteshäuser starkmachten.

In den Siebzigern mit klaren Linien ins Gelände gestellt, war die Kirche in Kleinblittersdorf das pulsierende Herz der evangelischen Gemeinde. Zeugen dieser Zeit wie Erwin Trapp erinnern sich gern an Konzerte, Gottesdienste, Kurse und Ausstellungen. An die Aufbruchstimmung, die Pfarrer Hans Ruttloff und seine Mitchristen damals verbreiteten und der das Gemeindezentrum viel Raum bot. Vorbei. Seit Jahren steht das Gebäude zum Verkauf. Es wechselt nun nach langer, schwieriger Suche den Eigentümer, was bei etlichen Kirchen im Regionalverband schon passiert ist (siehe Infokasten). Stefan Krüger, seit Januar Finanzkirchmeister der Kirchengemeinde Obere Saar, steht zum Beschluss, den das Presbyterium 2011 fasste.

Für Krüger war er folgerichtig bei fünf Predigtstätten, die viel Geld kosteten, während die Einnahmen ständig zurückgingen. Der Gottesdienstbesuch sei in Kleinblittersdorf am niedrigsten gewesen. Für den zum Ausgleich gebotenen Fahrdienst zu den Kirchen in Bübingen und Sitterswald gebe es nur drei bis vier Anfragen pro Jahr. Die Kirchengemeinde hat 4380 Mitglieder. Da wiegen Ausgaben zur Substanzerhaltung für fünf Kirchen, zwei Kitas, drei Gemeindehäuser und zwei Pfarrhäuser schwer: 100 000 Euro pro Jahr. Gas, Wasser, Versicherungen und Strom verschlingen darüber hinaus große Beträge, wie Finanzexperte Krüger nur zu gut weiß. Aktuell hat die Gemeinde noch einen Pfarrer. Die zweite Pfarrstelle ist nicht besetzt. Während der Vakanz hilft Pfarrer Wolfgang Dorp seinem Sitterswalder Kollegen Gerd Schroer. Aber die Gemeinde will die zweite Voll-Stelle wiederhaben. "Wir möchten in Menschen investieren und nicht in Bauten, die wir uns nicht mehr leisten können", sagt Krüger.

Dramatischer Schrumpfkurs

Dieselben Gedanken muss sich für den Kirchenkreis Superintendent Christian Weyer machen. Er listete bei einem Vortrag in der Bischmisheimer Schinkelkirche Zahlen auf, die zeigen, wie die Gemeinden um ihre Zukunft kämpfen müssen. 19 von 27 Gemeinden des Kirchenkreises Saar-West verloren zwischen 2003 und 2013 zehn bis 25 Prozent ihrer Mitglieder. Hatte die Gemeinde Alt-Saarbrücken 2003 noch 5447 Gemeindeglieder, so waren es am 30. Juni 2013 nur 3859. Basisarbeiter wie Finanzkirchmeister Stefan Krüger müssen daraus Konsequenzen ziehen. Dabei versteht Krüger Menschen wie Erwin Trapp gut, die nun um ihre Kirchen trauern. "Sie ist absolut nachvollziehbar. Darin steckt ja das Herzblut dieser Gemeindeglieder."

Für Trapp hat der lange Abschied von der evangelischen Kirche in Kleinblittersdorf weniger mit Architektur, sondern mehr mit einer Seelsorge zu tun, die die Menschen nicht mehr erreiche. "Erst stirbt die Gemeinde, dann ihr Haus."

Zum Thema:

Auf einen BlickKirchen und andere kirchliche Immobilien , die umgebaut, verkauft wurden oder verkauft werden sollen und ihre neue Nutzung:Evangelischer Kirchenkreis Saar-West: Schlosskirche: Museum; Alte Kirche St. Johann: Musikhochschule; Graf-Gustav-Adolf-Haus: verkauft an die Kreuznacher Diakonie; Gemeindezentrum Folsterhöhe: verkauft an freie evangelische Gemeinde; Kirche im Füllengarten: steht zum Verkauf (vermietet an Tanzsportverein); Kirche Göttelborn: steht zum Verkauf; Kirche Quierschied: verkauft; Kirche Röchling-Höhe: verkauft: Ev. Kirche Ritterstraße: verkauft; Gemeindezentrum Großrosseln: steht zum Verkauf; Gemeindezentrum Kleinblittersdorf : bald verkauft. (Quelle: Öffentlichkeitsarbeit der ev. Kirchenkreise an der Saar).Katholische Kirche: Kirche in Brebach-Fechingen: verkauft; Kirche St. Bonifatius Dudweiler: Die Gemeinde baut das Haus zur Kita um. Dort entstehen auch ein Gottesdienst- und Versammlungsraum; St. Mauritius Saarbrücken: profaniert 2003, zwischenzeitlich als Probebühne für die Musikhochschule verpachtet; St. Helena Burbach: profaniert 2009, dann Ziel einer Brandstiftung und abgerissen. Gelände ist verkauft an die Stadt. Riegelsberg: Die Filial-Kirche St. Elisabeth wurde im Mai 2011 profaniert, dann für ein Seniorenheim abgerissen. St. Antonius in Fenne: im Oktober 2013 profaniert, Zukunft offen. Pfarrhaus Schafbrücke: verkauft. (Quelle: Pressestelle des Bistums Trier) ole