Gotteshäuser stehen zum Verkauf

Dudweiler/Saarbrücken. Die evangelische Landeskirche hat ihre Gemeinden in den Kirchenkreisen Saar-Ost und Saar-West um eine Gebäude-Strukturanalyse gebeten. "Wir werden bei dieser Analyse von der Landeskirche finanziell unterstützt. Es geht darum, festzustellen, welche Kirchen, Kindergärten oder Gemeindehäuser noch gebraucht werden

Dudweiler/Saarbrücken. Die evangelische Landeskirche hat ihre Gemeinden in den Kirchenkreisen Saar-Ost und Saar-West um eine Gebäude-Strukturanalyse gebeten."Wir werden bei dieser Analyse von der Landeskirche finanziell unterstützt. Es geht darum, festzustellen, welche Kirchen, Kindergärten oder Gemeindehäuser noch gebraucht werden. Außerdem geht es um Betriebskosten und Renovierungen. Es wird weniger Menschen geben und auch weniger Kirchenmitglieder. Wir müssen handeln", sagt Gerhard Köpke, Superintendent des Kirchenkreises Saar-Ost.

2011 wurden zwölf evangelische Kirchen im Saarland geschlossen. 2012 soll beispielsweise die evangelische Kirche in Kleinblittersdorf folgen. Für 300 000 Euro steht das Gotteshaus zum Verkauf. "Wir haben unsere Analyse abgeschlossen und sind zu diesem Entschluss gekommen. Wir haben in den umliegenden Orten Kirchen, die saniert werden müssen, und werden auch in unsere Gemeindehäuser investieren. Allerdings versuchen wir eine Lösung zu finden, um den Kirchenmitgliedern aus Kleinblittersdorf den Weg in die umliegenden Kirchen so einfach wie möglich zu machen", sagt Christian Erhorn, der Finanzkirchmeister der Oberen Saar, der weiter mitteilte, dass das Dach der evangelischen Kirche in Rilchingen-Hanweiler noch in diesem Jahr saniert wird.

In der Kirchengemeinde Dudweiler-Herrensohr fehlen zurzeit die Mittel, um das Dach der seit zwei Jahren geschlossenen Christus-Kirche zu erneuern. "Wir haben noch zwei Kirchen, in denen Gottesdienste stattfinden. Ob die Christus-Kirche renoviert wird, ist noch nicht klar. Das ist sehr teuer", sagt Pfarrer Werner Kausch, der 1978 in die Kirchengemeinde kam. "Damals hatten wir 9000 Mitglieder. 2007 waren es noch etwas mehr als 6800, und heute sind es noch 6400. Der Trend ist deutlich zu erkennen", sagt Pfarrer Kausch.

Auch in der Landeshauptstadt stehen Änderungen bevor. In Alt-Saarbrücken denkt man an den Verkauf des Gustav-Adolf-Hauses, und in St. Johann wird man in den kommenden Wochen mit der Analyse beginnen. "Wir haben vier Kirchen und zudem noch Gemeindegebäude. Auch wir werden uns genau überlegen müssen, wie wir uns für die Zukunft rüsten können", sagt Doris Barrois, die Pfarrerin in St. Johann.

Wird verkauft: die evangelische Kirche in Kleinblittersdorf (oben). Und sie ist nicht das einzige Gebäude, von dem sich die evangelische Kirche trennen will. Im Oktober 2011 diskutierte Pfarrerin Tabita Mangold (unten) mit der Gemeinde Alt-Saarbrücken über den Verkauf des Gustav-Adolf-Hauses. Archivfotos: Heiko Lehmann/Becker&Bredel

Während die evangelische Kirche in Sachen Immobilien noch mitten im Umbruch ist, hat die katholische Kirche im Saarland auch in den vergangenen Jahren bereits Kirchen verkauft. Die St.-Mauritius-Kirche in Saarbrücken wurde an die Musikhochschule verpachtet, und die Kirche St. Martin in Fechingen wurde im Jahr 2010 verkauft. "Nach Abschluss der Analyse werden wir in den Jahren 2013 bis 2016 in den Dialog mit den 173 Pfarrgemeinden im Bistum Trier gehen. Wir werden mit den Gemeinden zusammen entscheiden, welche Gebäude wir behalten und von welchen wir uns trennen. Wir brauchen einfach diese Veränderungen, um überleben zu können", berichtet Otmar Brittner, der Leiter der Immobilienabteilung im Bistum Trier.