Warndt bald ohne Leader-Geld?

Großrosseln. Einstimmig sprach sich der Großrosseler Gemeinderat am Donnerstag dafür aus, dass Leader-Mittel auch in der zweiten Hälfte der Förderperiode in den Warndt fließen. Hintergrund der von den Freien Wählern eingebrachten Resolution an das Wirtschaftsministerium: Der Warndt droht von der Förderung abgekoppelt zu werden

Großrosseln. Einstimmig sprach sich der Großrosseler Gemeinderat am Donnerstag dafür aus, dass Leader-Mittel auch in der zweiten Hälfte der Förderperiode in den Warndt fließen. Hintergrund der von den Freien Wählern eingebrachten Resolution an das Wirtschaftsministerium: Der Warndt droht von der Förderung abgekoppelt zu werden. Das zumindest empfehlen externe Evaluatoren, die eine Leader-Halbzeitbilanz gezogen haben. Da die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Warndt zunächst relativ wenige Fördermittel in Anspruch nahm, vermuteten sie wohl, das Projekt werde in der Region nicht gut angenommen. Sie schlagen nun vor, der LAG des Biosphärenreservats Bliesgau und der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land je ein Drittel der Mittel zu geben. Das restliche Drittel soll nicht an die LAG Warndt gehen, sondern transferiert werden in die so genannte Maßnahme 121 ("Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe") - zur Anschaffung von Melk-Robotern für große Milchbetriebe.Damit ist Wilhelm Wagner (Foto: dd), Vorsitzender der LAG Warndt, nicht einverstanden. Er erklärt, warum man zunächst auf einem Teil der Zuschüsse sitzen blieb. Zum Projektbeginn wurden die Förderrichtlinien geändert. Der Schwerpunkt lag nun bei Land- und privater Forstwirtschaft. Klassische Landwirtschaft wird im Warndt aber kaum betrieben; für Forstwirtschaft ist Leader-Förderung nicht möglich, da die Warndtwälder in Staatsbesitz sind. Erst als die EU-Richtlinien den lokalen Schwerpunkten - Tourismus, erneuerbare Energien, Bildung - angepasst wurden, kam neuer Schwung in die Initiative.

Ab 2009, betont Wagner, sei die Bilanz genauso gut wie die der anderen Fördergebiete. "Es läuft jetzt sehr effizient", sagt er und berichtet, dass die 1,7 Euro Millionen Fördermittel fast aufgebraucht sind. "Wir benötigen das Geld dringend", betont Wagner mit Blick auf die 2,7 Millionen Euro, die nun bis 2013 verteilt werden sollen. Deshalb fordert er gemeinsam mit seinen Kollegen der beiden anderen Aktionsgruppen, dass die Mittel Leader-intern aufgeteilt werden. Werde der Förderhahn zugedreht, so Wagner, müsse die LAG-Geschäftsstelle im Warndt Ende 2011 schließen. > Weiterer Bericht folgt.

Die Macht

der Landwirte

Von SZ-RedakteurinDoris Döpke

Melkmaschinen kaufen, statt Projekte für erneuerbare Energien und Tourismus anzuschieben - ob die Gutachter, die das empfehlen, wohl die Förderrichtlinien genau gelesen haben? Mit dem Leader-Programm will die EU ländliche Regionen zukunftsfähig machen. Was deren Umbau einschließt: weg von konventioneller Landwirtschaft, hin zu alternativen Erwerbszweigen. Milchviehbetriebe zu fördern, passt da schlecht.

Die Macht der Landwirte scheint groß. Doch das sollten die Entscheider außer Acht lassen: Der Warndt braucht dringend Fördergeld.

Hintergrund

Die Europäische Union (EU) fördert mit dem Leader-Programm den ländlichen Raum. Insgesamt 8,5 Millionen Euro fließen von 2007 bis 2013 ins Saarland. Die Zuschüsse kommen je zur Hälfte vom Land und der EU. Von den Mitteln profitieren die Regionen Bliesgau, Warndt und das St. Wendeler Land. Ende 2007 landete der Warndt bei dem Drei-Regionen-Wettbewerb auf dem zweiten Platz und sicherte sich so 1,7 Millionen Euro Fördermittel. Inzwischen sind aus den ehemaligen Konkurrenten Partner geworden, im Mai unterschrieben die Geschäftführer der drei Lokalen Aktionsgruppen einen Kooperationsvertrag. tan