Im Sportheim brennt die Luft

Hitzige Debatten über Karlsbrunns Zukunft gab es am Mittwochabend beim Ortsgespräch. Allgemeine Einigkeit: Das Dorf braucht einen neuen Versammlungsraum; Entscheidungen darüber müssen bald fallen.

Umfallen unmöglich: Im Karlsbrunner Sportheim Wiesental drängen sich am Mittwochabend rund 100 Menschen. Die Stühle reichen bei weitem nicht, die Leute stehen, dicht an dicht. "Schön kuschlig", juxt eine Frau, als sie beim Versuch, andere zur Theke durchzulassen, in allen Richtungen Körperkontakt spürt.

Es geht heiß her. Vor allem wegen der Themen des Ortsgesprächs, zu dem der Verein Bürgerinitiative (BI) Lebenswertes Karlsbrunn eingeladen hat. Es geht um "die Zukunft der Karlsbrunner Vereine ". Um die Frage, ob der Ort - nach der Schließung der Turnhalle Ende 2014 - ein neues Bürgerhaus bekommt. Und um das Warndthotel, das die Gemeinde Großrosseln gerade kauft, um dort Flüchtlinge unterzubringen.

Die Entrüstung des Vorjahrs - wie kann man die Turnhalle, zentraler Ort für sieben Vereine , denn nur schließen? - ist verklungen. Angesichts der Baumängel habe es keine andere Möglichkeit gegeben als die Schließung, sagen BI-Vorsitzender Albrecht Wagner und seine Vereinskollegen nüchtern. Dennoch, sie gebrauchen dramatische Worte: Die Schließungsnachricht sei eine "Bombe" gewesen, seither sei Karlsbrunn "in prekärer Lage". Und nun die Idee, den Speisesaal des Warndthotels für Vereine zu nutzen - das, sagt Wagner, lehne die BI ab. Überhaupt, das Hotel als Flüchtlingsherberge: Das konterkariere das Karlsbrunner Mühen um Touristen. Das Wagner als erfolgreich beschreibt: "Hunderte" von Gästen seien jede Woche im Wildpark, "und nun wird das einzige Hotel im Ort den Besucherströmen entzogen". Forderung der BI: ein neues Bürgerhaus.

Dazu hatte der Gemeinderat Nein gesagt, der Kosten wegen: Die werden auf mindestens 750 000 Euro geschätzt, erläutern Ortsvorsteherin Petra Fretter (CDU ) und Markus Ernst, SPD-Fraktionschef im Gemeinderat. Für alle sechs Ortsteile, ergänzt Ernst, könne Großrosseln nur 280 000 Euro jährlich investieren, daher sei ein so teures Neubauprojekt unrealistisch. Im Saal kommt Unruhe auf. Kein Geld? Glauben die Leute nicht: Es gebe immer Fördertöpfe. Und die Gemeinde habe gerade Gebäude verkauft, auch in Karlsbrunn , sagt CDU-Fraktionschef Fred Schuler mit bedeutungsvollem Unterton. Albrecht Wagner greift zur Kuhglocke, um die Debatte wieder zu ordnen.

Und dann geht es um die Flüchtlinge . Es kämen wohl nur junge Männer, mutmaßt Wilhelm Wagner. Das sei "falsch"; kämen Familien mit Kindern nach Karlsbrunn , wäre die Sache "bis hinten hin gedacht". Applaus. Beifall aber auch für Fretter und für Vereinsvertreter, die sagen: Wir gehen da positiv dran, wir müssen die Flüchtlinge integrieren.

Bleibt die Frage, wo: Der Versammlungsraum fehlt. Geprüft wird nun auch ein Anbau ans Sportheim, ein Gutachten ist in Auftrag, erste Entscheidungen sind Ende des Monats fällig, sagt Fretter. "Bitte nicht zu lange warten mit der Entscheidung", legt Claudia Desgranges vom Gemischten Chor den Kommunalpolitikern ans Herz. Sonst beginne das Vereinssterben. Der Chor jedenfalls könne die Miete für den jetzt genutzten Probenraum nicht mehr lange tragen.

Meinung:

Gestern, heute, morgen

Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Karlsbrunn hat mal, gut 25 Jahre ist es her, den bundesweiten Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" gewonnen. Das ist kein Zufall, der Ort ist hübsch. Noch immer hat er Naherholungs-Potenzial, Wildpark und Waldlage ziehen an. Dennoch, die Karlsbrunner sollten auf dem Teppich bleiben: Der Warndt ist nicht der Schwarzwald. Die strukturschwache Region mit ihrer herben Landschaft taugt nicht fürs Reise-Bilderbuch. Haben die, die über den Verlust des Hotels klagen, mal gefragt, ob jemand es in die Zukunft führen kann und will?

Karlsbrunn , das sind 891 Einwohner, kein Laden, keine Kneipe, keine Kinderbetreuung. Karlsbrunn , das ist aber auch eine lebendige Dorfgemeinschaft. Mit Offenheit für Neues (vielleicht für neue Räume?) und für Neue (also auch für Flüchtlinge ) kann sie punkten. Heute und morgen.