Geruchsmessungen im Warndt starten

Vor rund 60 Anwesenden haben am Donnerstag Saarbrücker Messtechniker und Großrosselns Bürgermeister Jörg Dreistadt ein neues Messsystem vorgestellt, mit dem Geruchsbelästigungen im Warndt festgehalten werden sollen. Man orientiert sich an Hinweisen der Bürger.

 Die Chemieplattform in Carling steht in Verdacht, für üble Gerüche zu sorgen. Archivfoto: bub
Die Chemieplattform in Carling steht in Verdacht, für üble Gerüche zu sorgen. Archivfoto: bub

Mit dem Ziel, die Geruchsbelastung im Warndt kontinuierlich überwachen zu können, die mutmaßlich von der Chemieplattform im französischen Carling ausgeht, erforschen Saarbrücker Messtechniker im Auftrag des saarländischen Umweltministeriums eine neuartige Methode zur Geruchsmessung. Gas-Sensorsysteme, die es bereits für den Innenbetrieb gibt, sollen so weiterentwickelt werden, dass es erstmals möglich wird, Geruchsbelastungen im Freien zu messen. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit den Kommunen und dem Verein "Saubere Luft für die Warndtgemeinden". "Heute Morgen sind die ersten Messgeräte installiert worden", berichtete Großrosseln Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD ) am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle Dorf im Warndt . Diplom-Ingenieur Thorsten Conrad von der Firma 3S GmbH und Professor Andreas Schütze von der Saarbrücker Uni stellten den knapp 60 Besuchern das Projekt vor. Mitentscheidend für den Erfolg ist die menschliche Nase. Die von den Systemen aufgezeichneten Signalmuster werden nämlich Geruchsempfindungen von Bewohnern zugeordnet. Ziel ist es, die Geräte so anzulernen, dass sie selbstständig Gerüche erkennen und messen können. Auf der Grundlage einer ersten Bürger-Befragung werden etwa acht Messstationen an Orten mit hoher Geruchsbelastung installiert, zum Beispiel in Ludweiler, Lauterbach, Dorf im Warndt , Karlsbrunn und Emmersweiler.

Die Auswertung von 171 Fragebögen zur Geruchssituation ergab: Auf einer Skala von null bis zehn liegt das durchschnittliche Belästigungsgefühl der Bewohner bei 6,1. Außerdem zeigte sich, dass die Geruchsbelästigungen in höheren Ortslagen tendenziell stärker sind.

53 Freiwillige schließen sich nun zu einem Geruchsnetzwerk zusammen. Zweimal täglich halten sie die Nase in den Wind, ihre Beobachtungen geben sie übers Internet an die Forscher weiter. Gleichzeitig liefern die Messstationen rund um die Uhr Daten, einmal pro Minute wird ein Geruchsmuster erstellt. Es handelt sich um eine Art Fingerabdruck, der keine Aussagen über mögliche Gesundheitsgefährdungen liefert. Drei bis vier Monate werden die Daten mit den Beobachtungen der Bürger abgeglichen.

Ob die Geräte wie geplant angelernt werden können, ist nicht sicher. Manche Geruchsstoffe, die für die Nase wahrnehmbar sind, können durch die Sensoren nicht nachgewiesen werden. Es muss sich zeigen, ob die Systeme ausreichend empfindlich für die relevanten Gerüche sind. Brauchbare Ergebnisse liefert das Projekt aber auf jeden Fall: Die engmaschige Geruchsbeobachtung von Bürgern über mehrere Monate bietet eine Datenbasis, die als Grundlage für die weitere Diskussion genutzt werden kann.