Saarforst greift zur Säge

Es ist Zeit, sich von zwei markanten Bäumen zu verabschieden. In der altehrwürdigen Linde vor dem Jagdschloss Karlsbrunn wütet ein Pilz, und der Tulpenbaum im Forstgarten ist nun endgültig abgestorben.

Der Wulstige Lackporling, man ahnt es bereits am Klang, ist ein Pilz, der schwer genießbar ist. Um nicht zu sagen tödlich. Jedenfalls für einen Baum wie die Linde, die an der Zufahrtsrampe zum Jagdschloss Karlsbrunn steht, an der Böschung zwischen Mauer und Landstraße 276. Am Stammfuß macht der Lackporling seinem Namen alle Ehre, ausladend und dick wie hölzerne Pizzateller haben sich seine Pilzwülste in der Baumrinde regelrecht verbacken. Selbst wenn man diese Geschwüre abklopfte oder herausschnitte, würde das die Linde nicht retten. Sie ist von den Myzeln des Pilzes durchdrungen, ihr Holz ist erweicht, ihre Standsicherheit verloren. Unheilbar krank, lautet das fachmännische Urteil von Christoph Kiefer vom Saarforst-Landesbetrieb. Mit dem hier zuständigen Revierförster Philipp Klapper ist er übereingekommen, den Baum fällen zu lassen, "Ermessensspielraum null", wie Klapper auf den Punkt bringt. Jeder kräftige Herbststurm könnte diese Linde oder zumindest Teile von ihr umwerfen, und da das Land für die Verkehrssicherung verantwortlich ist, möchte keiner an die möglichen Folgen solch eines Zwischenfalls auch nur denken.

Wie Kiefer annimmt, könnte die Linde, deren Alter keiner zu schätzen wagt, im Jahr 2003 einen entscheidenden Knacks bekommen haben, genau gesagt eine Art Luftembolie. Kiefer erzählt: Damals war es extrem heiß und trocken. Der von der Natur aufs Überleben programmierte Baum musste mit dem zur Verfügung stehenden Wasser streng haushalten und schnitt Teile von der Versorgung ab, um sein Ganzes zu retten. Wo der Wasserfaden riss, starben Zellen und hatte der besagte Pilz ein Einfallstor, das er dankbar betrat. Alles in allem aber nichts Unnormales, "sondern der natürliche Gang der Dinge".

Ein Versuch der Rettung und Belebung, ein so genannter Revitalisierungsschnitt vor sechs Jahren, konnte die Linde nicht ins Leben zurückholen. Jeder Laie kann das an dem sehr spärlichen Laub erkennen. Die Linde ist fast nackt.

Wenn die Männer mit der Säge demnächst schon da sind, werden sie 50 Meter oberhalb im Forstgarten einen weiteren unheilbaren, stammfaulen Patienten umlegen - den mutmaßlich zum Ende des 19. Jahrhunderts gesetzten Tulpenbaum. Forstleute hatten das in Nordamerika heimische Magnoliengewächs seinerzeit in den Warndt gebracht, wohl um zu beobachten, wie er sich hier macht und ob es wert sein könnte, großflächig gesetzt zu werden. Auch hier war vor einigen Jahren vergeblich versucht worden, den Baum mit einem Rückschnitt zu retten. Spätestens seit der Specht im Stamm wohnt, ist der Befund unzweideutig: tot!

Die Experten vermuten, dass vor einigen Jahren bei der Gartengestaltung aus Unachtsamkeit Wurzeln beschädigt worden waren. Für die damaligen Arbeiten zeichnete die Christliche Erwachsenenbildung (CEB) Merzig verantwortlich.

Wie Philipp Klapper ankündigte, sollen die Verluste alsbald durch neue Bäume ersetzt werden, die Linde durch eine neue Linde und der Tulpenbaum vielleicht sogar durch zwei bis drei Exoten - "um dem Namen Forstgarten wieder neues Leben einzuhauchen".