Starke Teamarbeit unter Bäumen

Mit echter Waldarbeit konfrontiert sind die Schüler der Johannesschule in Bildstock. Gemeinsam mit Sulzbachs Förster Nils Lesch schwingen sie die Axt, hacken Holz und bauen ein wunderbar natürliches Sofa.

Eine gekonnte Handbewegung, die Axt saust auf ein Holzstück hernieder und spaltet dieses akkurat in zwei Hälften. "Für mich ist Brennholz-Hacken kein Problem", erklärt Lars und lächelt. "Mein Vater hat einen Brennholzhandel, und ich helfe jeden Tag in den Ferien mit. Deswegen kenne ich auch die richtigen Handgriffe und profitiere von bereits gewonnenen Erfahrungen." Diese Fertigkeiten verleihen Lars in seiner Klasse eine Sonderstellung. "Für viele meiner Mitschüler ist diese Arbeit etwas ganz Neues und somit auch sehr lehrreich", sagt der Sechzehnjährige weiter. "Wir sind an der frischen Luft, engagieren uns in der Natur und strengen uns gleichzeitig auch körperlich an. Ein super Training für Körper und Geist."

Seit eineinhalb Wochen arbeitet die 9. Klasse der Bildstocker Johannes-Schule von 8.30 Uhr bis knapp 15.45 Uhr in Rahmen eines vierwöchigen Schulpraktikums auf der kleinen Waldlichtung in direkter Nähe zum Sulzbacher Weg. Die insgesamt zwölf Waldorfschüler teilen sich dabei in mehreren Gruppen auf: Lars und sein Kumpel Leon sind für das Sägen, Hacken und Aufsetzen von Brennholz zuständig. Der Rest des Teams baut an einem Waldsofa.

"Mit dem Beginn der Oberstufe, - von der neunten bis zur zwölften Klasse, machen unsere Schüler und Schülerinnen jedes Jahr ein Praktikum", erklärt Werkslehrer Roland Grünbeck. "Diese Praktika sind so angelegt, dass ihre Abfolge auch die Entwicklung der Menschheit widerspiegelt: Am Anfang sind die Menschen Jäger und werden erst anschließend zu Bauern. Deswegen konzentrieren wir uns bei der neunten Klasse auch auf die Landwirtschaft", so Grünbeck. Seit rund 14 Jahren betreut der vielseitige Lehrer die Arbeit seiner Schüler . Der Pädagoge berichtet weiter: "Darauffolgende Praktika umschließen einen Einblick in soziale Berufe und enden mit der Einführung in verschiedene handwerkliche Tätigkeiten. Kurz vor ihrem Abschluss, also in der zwölften Klasse, gehen die Schüler dann ein Berufsorientierungspraktikum an und informieren sich schon konkret über ihre Traumberufe . Aber zunächst erlernen sie wertvolle Kompetenzen."

So wie etwa die Teamarbeit: Nachdem die ersten Stämme für das Waldsofa schon in den vom Regen aufgeweichten Boden reingeschlagen wurden, sind die motivierten Schüler gerade dabei, die Stämme zu verbinden, indem sie diese mit jungen Ästen aneinander flechten. Anschließend füllen sie das Gebilde mit allem, was sie im Wald finden, auf. Und fertig ist die bequeme an ein Gewächs erinnernde Sitzbank.

"Dieses Praktikum ist richtig super", freut sich Leon, "früher hatte ich nie etwas mit Wald zu tun. Aber jetzt stelle ich fest, dass die Arbeit in der Natur richtig viel Spaß machen kann. Vor allem, weil man etwas mit den eigenen Händen erschaffen kann. Und wenn ich mir diesen Entstehungsprozess anschaue, dann bin ich wirklich stolz: auf unser Engagement, auf die verrichtete Arbeit und die Mühe. Dann wissen wir auch, wir haben etwas erreicht und den anderen damit auch eine Freude bereitet."

Schließlich sind es nicht nur die Schüler , die davon profitieren. "Neben dem Waldsofa glänzte die Schule bereits mit anderen wichtigen Projekten", erzählt Förster Nils Lesch. "Die Waldorfschüler haben Brunnen hergerichtet, zeigten sich als große Hilfe bei Fäll- und Aufräumarbeiten, engagierten sich in der Jungwaldpflege und Bepflanzung. Und für diese Zusammenarbeit möchte in den jungen Menschen danken."