Saarbrücken: Helmholtz-Zentrum kommt an die Uni

Saarbrücken : Helmholtz-Zentrum kommt an die Uni

Die Landesregierung hat eine Vorentscheidung für den Standort getroffen. 2019 könnten die Bauarbeiten beginnen.

Ein gutes halbes Jahr nach der Entscheidung, das neue Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in Saarbrücken aufzubauen, scheint die Standort-Frage geklärt. Das Zentrum, das im Endausbau rund 800 Mitarbeiter haben könnte, soll direkt am Saarbrücker Campus der Saar-Universität angesiedelt werden. Bauminister Klaus Bouillon (CDU) hat einen Kaufvertrag zum Erwerb des Stuhlsatzenhauses geschlossen. Dieses liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des bereits bestehenden Instituts für Cybersicherheit (Cispa), der Keimzelle des Helmholtz-Zentrums. Das Haus, das einen Gastronomiebetrieb beherbergt, soll abgerissen werden.

Auf die Frage, ob damit eine Vorentscheidung für den Standort des Helmholtz-Zentrums gefallen ist, sagte Bouillon der SZ: „Jawohl, davon können Sie ausgehen.“ Alle anderen möglichen Standorte seien zu weit vom Campus entfernt. Bouillon: „Wenn alles planmäßig läuft – vorbehaltlich der Zustimmung des Parlaments –, könnte bereits 2019 mit den Baumaßnahmen begonnen werden.“ Der Landtag wird voraussichtlich am 15. November dem Kauf zustimmen.

Die Verantwortlichen könnten sofort in die konkrete Planung für einen ersten Erweiterungsschritt einsteigen, denn das Gelände verfüge bereits über einen Bebauungsplan, der nur angepasst werden müsse.

Umweltminister Reinhold Jost (SPD) bezeichnete die Erweiterung im Umfeld des Stuhlsatzenhauses als „gute Lösung“, da auf dieser Fläche bereits Baurecht bestehe. „Wir wollen gemeinsam zur Strukturverbesserung des Landes beitragen. Mein Haus wird allerdings darauf achten, dass dabei die ökologischen Interessen gewahrt werden.“

Die Informationssicherheit ist derzeit das Schlüsselthema der Informatik. Welche Bedeutung ihr in der Fachwelt beigemessen wird, zeigt schon die schiere Größe des neuen Saarbrücker Forschungskomplexes. Sein Jahresetat von mehr als 50 Millionen Euro ist doppelt so hoch wie das Budget der 6000 Studenten zählenden Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Die Grundfinanzierung des Helmholtz-Zentrums ist auf 500 Forscher ausgelegt. Dazu kommen die Wissenschaftler, deren Stellen über sogenannte Drittmittelprogramme finanziert werden. Ihre Zahl sei derzeit nicht genau vorherzusagen, erklärt Professor Michael Backes, der Leiter des neuen Helmholtz-Zentrums. Der Saarbrücker Informatikprofessor geht nach den Erfahrungswerten der vergangenen Jahre von 600 bis 800 IT-Spezialisten im Endausbau aus. Seine endgültige Größe soll das Zentrum in der Mitte des kommenden Jahrzehnts erreichen. Dann hätte sich die Zahl der Computerspezialisten in Saarbrücken verdoppelt.

Eine so große Zahl von zusätzlichen Wissenschaftlern an einem Ort auf dem Campus der Uni unterzubringen, ist unmöglich. Das heutige, kleine Institut für Cybersicherheit (Cispa) am Ostende des Saarbrücker Campus bietet etwa 120 Wissenschaftlern Platz. Für das komplette Helmholtz-Zentrum mit 800 Mitarbeitern wird mithin das Sechs- bis Siebenfache an Fläche benötigt. Das Gelände, das jetzt das Land erworben hat, „reicht damit für den ersten Bauabschnitt aus“, erklärt Michael Backes. „In Zukunft werden wir mehr Fläche benötigen.“ Die jetzt von der Landesregierung präsentierte Lösung habe den Charme, dass auf diesem Gelände Baurecht bestehe und das Sicherheitszentrum noch in diesem Jahr offiziell gegründet werden kann. Dass der Saarbrücker Kryptografie-Spezialist aufs Tempo drückt und den Neubau so stark wie möglich beschleunigen will, hat auch mit der Tatsache zu tun, dass das Cispa-Institut bereits jetzt nicht mehr alle IT-Forscher aufnehmen kann und auch die Zahl der Studenten zunimmt. „Wir sind schon jetzt über unsere Grenzen hinausgewachsen.“ Einzelne Arbeitsgruppen seien bereits ausgelagert worden.

Professor Michael Backes. Foto: Oliver Dietze

Wo das Helmholtz-Zentrum sein Domizil haben soll, war in diesem Sommer Thema längerer Diskussionen zwischen Landesregierung und Stadtverwaltung, die aus baurechtlichen Gründen entscheidende Mitspracherechte hat. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) geht davon aus, dass eine Erweiterung, die über die derzeitigen Grenzen des Uni-Campus hinausgeht, gründlich überlegt werden müsste. Denn auf dem Uni-Gelände selbst gebe es noch beachtliche Flächen, die auch für den Aufbau des Helmholtz-Zentrums genutzt werden könnten. Solchen Überlegungen hatte allerdings Uni-Präsident Manfred Schmitt widersprochen. Es sei keine Frage, dass das neue Helmholtz-Zentrum an der Uni entstehen müsse, die Hochschule benötige aber ihre Reserven auf dem Campus, um eigene Erweiterungspläne umzusetzen. Das Innenministerium will bis zum Frühjahr einen Hochschulstandortentwicklungsplan in Auftrag geben, der den künftigen Bedarf der Fachbereiche der Uni erheben soll.

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