Schrauben als Eisbrecher

Das Bündnis, das vor einem Jahr zur Fahrradspende für Flüchtlinge aufrief, hat einen neuen Kooperationspartner: die Initiative „Alte Schmelz“. Der Gedanke hinter dem Projekt ist es, Flüchtlinge mobil zu machen und ihnen die Gelegenheit zu bieten, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen.

Vor knapp einem Jahr hatte ein Aktionsbündnis unter Federführung des Caritas-Zentrums Saarpfalz die St. Ingberter Bevölkerung gebeten, für Flüchtlinge und anerkannte Asylbewerber Fahrräder zu spenden. Die eindrucksvolle Bilanz: Über 200 Drahtesel wurden abgegeben. Doch aktuell stehen rund 60 Bewerber auf der Warteliste. Deshalb bittet das Bündnis erneut kräftig um Fahrrad-Spenden und wartet mit einem neuen Kooperationspartner auf: der Initiative "Alte Schmelz ".

Das vor einem Jahr gegründete Aktionsbündnis hofft zunächst, dass mancher, der sich im Frühling ein neues Fahrrad kaufen wird, an es denken wird, wenn es um die Frage geht, was tun mit dem alten? "Verschenken - und zwar an Flüchtling(skinder)" - darauf hoffen die Mitglieder. "Es kommen auch in St. Ingbert weiterhin viele Flüchtlinge an, die wir mit dem Fahrrad mobil machen wollen", beschreibt Caritas-Mitarbeiterin Annemarie Neisius vom Fachdienst für Migration und Integration den Grundgedanken des Projektes. "Damit wollen wir - gemeinsam mit unseren Partnern - einen Beitrag zur Integration leisten." Sie berichtet dabei, dass seit einigen Monaten ein syrischer Flüchtling regelmäßig bei der Reparatur der Fahrräder mithelfe, die beim "Treff em Gässje" der Caritas abgegeben werden können. Sollte man das Fahrrad nicht selbst vorbeibringen können, dann komme ein Mitarbeiter mit einem Bus und hole das Fahrrad ab. Neu mit im Kooperationsboot ist die Initiative "Alte Schmelz ", die sich gleich mit viel Engagement einbringt. "Wenn das von der Caritas ausgegebene, verkehrssichere Fahrrad später einmal repariert werden muss, dann können die Flüchtlinge das selbst in unserer neuen Werkstatt im Feuerwehrhaus tun", berichtet der Vorsitzende Alfons Blug. "Ab März sind wir so weit, dass wir zwei Mal die Woche nachmittags die Tore öffnen. Wann genau, werden wir noch mitteilen. Das hängt auch noch von unseren Ehrenamtlichen ab."

Es geht auch um ideelle Hilfe

Damit will die Schmelz-Initiative Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Zum einen ganz praktisch, weil die meisten Flüchtlinge kein eigenes Fahrrad-Werkzeug besitzen. Und zum anderen geht es um ideelle Integrationshilfe , indem Flüchtlinge auf diese Weise leicht über das Schrauben am eigenen Fahrrad mit den Ehrenamtlichen auf der Schmelz ins Gespräch kommen. Der Allgemeine Fahrradclub (ADFC) - neben dem Verein für Handel und Gewerbe St. Ingbert von Anfang an mit dabei - will künftig, zusammen mit der Caritas , die Fahrrad-Sicherheit noch stärker in den Blick nehmen. "Wir wollen interessierten Flüchtlingen die Verkehrsregeln erklären und was man besonders als Fahrradfahrer beachten muss", erklärt Ursula Hubertus von der Ortsgruppe St. Ingbert . "Das wird eine Art Sicherheitstraining." Das Ganze soll voraussichtlich auf dem Übungsplatz der Jugendverkehrsschule Rohrbach stattfinden. Für erste Tests der eigenen Geschicklichkeit bietet Alfons Blug das Gelände der Alten Schmelz an. "Da ist kein Verkehr und man kann sich bestens auf dem Rad ausprobieren und schon mal kräftig üben."

Kontakt: Caritas-Zentrum Saarpfalz, Kaiserstraße 63 , St. Ingbert , Tel. (0 68 94) 9 26 30, Abgabe der Räder: Treff em Gässje , Kirchengasse, St. Ingbert mittwochs, 14 bis 18 Uhr.