Senioren bemängeln die neuen Stadtbusse

Senioren bemängeln die neuen Stadtbusse

Nicht alles läuft reibungslos bei den Stadtbussen, die jetzt in Regie von Saar-Mobil fahren. Besonders behinderte, ältere oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Busnutzer vermissen manche Dinge, die es in früheren Ingo-Bussen gab oder die sie in Bussen anderer Städte als sehr hilfreich empfunden werden. Die neuen Busse sind dafür leise, haben einen hohen Sitz- und Fahrkomfort.

Seit 1. Januar 2016 fahren die St. Ingberter Stadtbusse in Regie von Saar-Mobil, das die Neuausschreibung des Stadtverkehrs Mitte vergangenen Jahres gewonnen hat. Doch nicht alles läuft reibungslos. So häufen sich beim Betreiber, bei der Stadt und dem Landkreis sowie beim Seniorenbeirat die Klagen über Unzulänglichkeiten beim Fahrgastverkehr. Besonders behinderte, ältere oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Busnutzer vermissen manche Dinge, die es in früheren Ingo-Bussen gab oder die sie in Bussen anderer Städte als sehr hilfreich empfunden haben.

Auf Einladung des Seniorenbeirats kam Arne Bach, Geschäftsführer von Saar-Mobil, nach St. Ingbert , um sich die Probleme von Betroffenen vor Ort auf dem Betriebsgelände der Ingo-Busse im Drahtwerk Nord in einem Bus schildern zu lassen. "Testpersonen" waren Anna Schetting mit ihrem Rollator und Anton Magalas mit seinem Blinden-Begleithund Alfons. Peter Buhmann, Vorsitzender des Seniorenbeirates der Stadt, gab zu Beginn des Treffens Einblick in die "Mängelliste", die er aufgrund der Anrufe von Bürgern geschrieben hatte. Darin stand zum Beispiel: zu wenig Stopp-Tasten, hintere Sitze nur über Stufen erreichbar, zu kleine Standflächen für Kinderwagen und Co. und keine Sicherung für diese, Haltestangen im für Rollstühle vorgesehenen Bereich zu hoch, unzureichende Absenkung der Busse im Haltestellenbereich, beim Einstieg wird teilweise zu weit vom Bordstein weg angehalten.

Alle diese "Ärgernisse " waren Arne Bach nicht fremd. Im Gegenteil. Er habe sich bereits bei der Ausschreibung der Stadtbuslinie gefragt, warum von Stadt und Kreis Überlandbusse gewünscht waren. Diese hätten zwar mehr Sitzplätze, aber durch die größeren Räder eben auch größere Radkästen und damit weniger Freifläche im Innenraum. Ein typischer Stadtbus wäre hier die bessere Alternative gewesen, so der frühere Verkehrsplaner . "Wundern tut man sich da schon. Aber bei einer Ausschreibung ist es nicht meine Aufgabe, die Fehler der Vergabestelle zu korrigieren", so Bach.

Allerdings wies er auch auf Stärken dieses Bustyps hin. Er sei leise, habe einen hohen Sitz- und Fahrkomfort und ein gutes Raumklima . Mittlerweile war während des Gesprächs eine Rampe im Mittelteil des roten Busses heruntergelassen und der Bus abgesenkt worden, so dass die Rollator-Nutzerin gut einsteigen konnte. Bequem nahm sie auf ihrem Gefährt Platz. Das ist aber während der Fahrt verboten. Umso wichtiger ist es, dass man die Gehhilfe mit Gurten sichern und sich auf kurzem Weg mithilfe von Haltestangen auf einen nächst gelegenen Platz begeben kann.

Auch das Fehlen von Klappsitzen im Bereich der Abstellfläche wurde von den Anwesenden als Nachteil empfunden. Hier gelte es nachzubessern. Beim Termin "am Objekt" hob Bach aber auch hervor, dass es von der Fahrkunst eines Busfahrers oder der örtlichen Situation abhänge, ob die Absenkeinrichtung am Bordstein optimal genutzt werden kann. "In den Anfängen des Ingo-Busses wurden die Haltestellen als komfortables Hochbord ausgebaut. Das ist aber eingeschlafen", sagte Bach.

Sechs dieser Überlandbusse und ein Ersatzfahrzeug seien derzeit in St. Ingbert im Einsatz. Man habe bei Stadt und Landkreis das Problem erkannt, aber eine Neuanschaffung wird es nicht geben, da solch ein Bus mit bis zu 250 000 Euro zu Buche schlägt. Man suche hier gemeinsam nach einer Lösung, die aber keine schnelle sein könne, so Bach. Anton Magalas vermisst auch die Haltestellendurchsagen, die es aber genau wie die Innenanzeigen des Fahrziels demnächst geben soll. Der sehbehinderte Mann merkte noch an, dass die roten Haltestellen-Stelen zu weit hinten am Bussteig stehen. "Mein Hund erkennt das Haltestellenzeichen. In anderen Orten ist es immer beim Einstieg. Hier leider nicht", so der St. Ingberter.