Förderverein: Pavillon erhält größeren Zuspruch

Förderverein : Pavillon erhält größeren Zuspruch

Der Förderverein zum Zwecke kultureller Belange befürwortet eine Veranstaltungsfläche und vertagt den Antrag über eine Tüftler-Schmiede.

Der „Verein zur Förderung der sozialen und kulturellen Belange in der Mittelstadt St. Ingbert“ hat unter anderem die Aufgabe Bürgervorhaben zu fördern, die sich mit Vorschlägen und Projekten zum Zwecke der Stadtentwicklung engagieren. Der ehemalige Oberbürgermeister Georg Jung initiierte den Verein vor rund zehn Jahren, wurde aber wegen Vorteilsnahme von finanziellen Zuwendungen im Zusammenhang mit dem Verein 2015 verurteilt. Anlass waren Spenden, verschiedener Firmen. Jung veranlasste, dass rund 400 000 Euro in die Kasse des Vereins, statt in die Kasse der Stadt flossen. Nach der juristischen Auseinandersetzung ist der Verein nun seit rund zwei Jahren wieder handlungsfähig. Das Finanzamt Homburg forderte im Juli dieses Jahres den neuen Vorstand um Oberbürgermeister Hans Wagner auf, Gelder für verschiedene Projekte zur Verfügung zu stellen, damit der Verein die Gemeinnützigkeit behalte. In der jüngsten Mitgliederversammlung wurden nun zwei Anträge zur Förderung gestellt. Heinz Dabrock wünschte eine finanzielle Unterstützung für einen Veranstaltungs-Pavillon in der Gustav-Clauss-Anlage. Alfons Blug bat um die Errichtung eines FabLabs auf dem Gelände der Alten Schmelz, vornehmlich im Technischen Büro.

FabLabs, kurz für „fabrication laboratory“, zu deutsch etwa „Fabrikationslabor“, ist eine internationale Bewegung offener, für die Allgemeinheit zugänglicher Werkstätten, die ihren Ursprung im Jahre 2002 am Massachusetts Institute of Technology, USA, hat. Ziel dieser Bewegung ist die „Vergemeinschaftung teurer Produktionsmittel nicht nur für die Privatwirtschaft, sondern als Werkzeug der Allgemeinheit“, so Blug. Weltweit gibt es etwa 150 solcher FabLabs, die innerhalb eines internationalen Netzwerkes agieren, und so Wissen nicht nur direkt vor Ort, sondern auch überregional und durch das Internet weitergeben. Blug möchte nun auch in St. Ingbert eine solche Tüftlerschmiede etablieren und die Privatinitiative „IngoLab Alte Schmelz“ gründen. So heißt es in einem Positionspapier: „Unser FabLab soll ein innovativer, kreativer und sozialer Ort sein. Wir wollen auf der Schmelz im Rahmen des Mint-Campus mitten in der Stadt Leben und Arbeiten in einer neuen Weise verbinden, Wissen vermitteln und Perspektiven für eine andere Stadt schaffen.“ Jeder – ob Schüler, Student, Hausfrau, Rentner, Handwerker, Professor, Technik-Begeisterte – könne eigene Ideen mittels hochtechnisierter Werkzeuge, beispielsweise 3D-Drucker oder CNC-Fräse, verwirklichen. Eine enge Kooperation mit Unternehmen und „Angeboten sowie Abteilungen des Mint-Campus auf der Alten Schmelz ist vorgesehen und erwünscht“, erläutert Blug im Manifest des IngoLabs. Blug erläuterte im Gespräch eine erste Investitionssumme in Höhe von 50 000 Euro, die sich aus der Anschaffung verschiedener Geräte zusammensetzt, wie eine CNC-Drehbank für 10 000 Euro oder ein Laserschneider, der mit rund 15 000 Euro veranschlagt werde.

Nach Ansicht des Fördervereins nütze ein Veranstaltungs-Pavillon in der Gustav-Clauss-Anlage, wie hier im Dillinger Stadtpark, den Bürgern zur Zeit mehr als die von Alfons Blug beantragte Tüftler-Werkstatt. Foto: Seeber

Michael Quiring, Geschäftsführer des Fördervereins, erklärt auf Nachfrage, dass Blugs Idee von den Mitgliedern „einstimmig und wohlwollend im Auge behalten wird“, eine Abstimmung aber frühestens im nächsten Jahr erfolge, da die Förderung und der Bau des von Dabrock beantragten Veranstaltungspavillons in der Gustav-Clauss-Anlage zur Zeit Priorität genieße. „Das eine schließt das andere aber nicht aus“, so Quiring. Der Pavillon, dessen genaue Gestaltung noch nicht ausgearbeitet ist, nütze, nach Meinung der Mitglieder, der breiten Öffentlichkeit zur Zeit allerdings mehr, als eine Technik-Schmiede. Außerdem werde mit dem einhergehenden Bau einer öffentlichen Toilettenanlage der Park aufgewertet. „Was fördert die kulturellen Belange der Bürger mehr als ein Pavillon?“, so Quiring, der darin auch die Chance erkennt, in der Öffentlichkeit das Image des „Spendenvereins“ aufzuwerten.