Passionskonzert in der Martin-Luther-Kirche St. Ingbert

Konzert : Gefühlvolle Musik zur Passionszeit

Zelenkas „Miserere“ und Haydns „Stabat Mater“ standen beim Konzert in der Martin-Luther-Kirche im Mittelpunkt.

Viele St. Ingberter waren am Sonntagnachmittag sicher in die Martin-Luther-Kirche gekommen, um Joseph Haydns „Stabat mater“ zu hören. Doch vor allem das vorangestellte „Miserere“ des böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka war bereits ein musikalischer Höhepunkt. Die evangelische Kantorei St. Ingbert, ein Orchester der Deutschen Radiophilharmonie (DRP) sowie Sopranistin Anne Kathrin Fetik unter der Gesamtleitung von Carina Brunk lieferten eine Leistung ab, die bei den Aufführenden und den Zuhörern noch lange nachwirken wird.

Und das, obwohl das Stück es wahrlich in sich hat. Zelenka, der von 1679 bis 1750 lebte, schöpfte reichlich aus den stilistischen musikalischen Mitteln, die zu seiner Zeit erstmals in die geistliche Musik einflossen. Seine individuelle Tonsprache lässt heutige Konzertbesucher zum Teil mit offenen, staunenden Mündern zurück, die Kirchenbesucher zu Zelenkas Zeiten waren aber vor allem eines – irritierte. Eine ursprünglich vierstimmige Partitur eines italienischen Komponisten, die der Böhme Zelenka umarbeitete, fiel bei ihrer Erstaufführung 1737 durch. Die Jesuiten fanden das Stück, das auf einem eigentlich für Orgel komponierten Tonsatz beruht, vor allem viel zu lang, so dass es den Beinamen „Miserere Longissimum“ bekam. Für das Folgejahr peppte der Komponist den Chorsatz auf: Es bekam beispielsweise in der Mitte ein Gloria Patri I als Sopranarie. Diese entsprach in ihrer gefühlsbehafteten Melodik und lebhaften Rhythmik dem damals aktuellen neapolitanischen Geschmack besser.

Als Rahmen bekam das Stück noch einen Chorsatz über die Anfangszeile des 51. Psalms „Miserere mei deus“ verpasst, und fertig war das gewaltige Stück. Was wegen der „erschreckenden Wucht“ für den „guten Geschmack“ der Zeitgenossen Zelenkas eine Zumutung gewesen sei, lässt heutige Musikliebhaber nicht mehr los und das Stück in den höchsten Tönen loben. Ähnlich muss es Carina Brunk gegangen sein, die das Stück vor einigen Jahren hörte, es nach ihren Aussagen „einfach toll“ fand und es irgendwann einmal selbst mit Chor und Musikern aufführen wollte.

Am Sonntag nun war es soweit. Es gehört viel Emotionalität und Können dazu, das „heftige“ und doch so „wunderbare und besondere Stück“ an die Zuhörer zu bringen. „Es ist mit nichts vergleichbar“, sagt Brunk und verweist wie die Chorsänger auf die „Polyphonie“ in einem Teil des Stückes, die volle Konzentration aller Musiker erfordert. Was sich aus den Kirchenbänken heraus so virtuos anhörte, war harte Arbeit. „Wir haben noch nie so etwas Schweres gesungen“, sagte eine Choristin nach der gelungenen Aufführung. Das mächtige Stück, bei dem im letzten Teil jede Stimme etwas anderes singt und es trotzdem in einer Einheit erklang, war ein Genuss für die vielen Gäste und ein Gewaltakt für die Sänger. Carina Brunk war ganz angetan von der tollen Leistung der evangelischen Kantorei: „Der Chor hat das sehr gut umgesetzt. Die Sängerinnen und Sänger waren richtig gut im Stück drin. Die Musik ging durch und durch. Die haben das nicht nur gesungen, die haben das gefühlt.“ Total zufrieden sei sie auch mit „Stabat mater“, das die Dirigentin schon seit Jahren im Blick habe. Doch als sie die Kantorei übernahm, sei es noch gar nicht lang her gewesen, dass dieses Haydn-Stück zur Passionszeit aufführte.

Nun sei es aber an der Zeit gewesen, es noch einmal zu reaktivieren, zumal es mit dem „Miserere“ eine gute Kombination eingehe. Nachdem die Leistung des Chores bei der einen Tag zuvor angesetzten Generalprobe noch „ausbaufähig“ gewesen sei, war Carina Brunk am Ende hochzufrieden: „Der Chor war perfekt, das Orchester hat toll gespielt und die Solisten toll gesungen.“ Gemeinsam mit den Solisten Anne Kathrin Fetik (Sopran), Angela Lösch (Alt), Alexander Wendt (dem Tenor) und Vinzenz Haab (Bass) habe das musikalische Gesamtpaket „genau das ausgedrückt, was auch der Text aussagt“.

Mit solch einem Chor hatten auch die Solisten und die Instrumentalisten ihre Freude. „Ich hoffe, es hat euch genau soviel Spaß gemacht wie uns“, sagte ein Musiker der DRP zur Chorleiterin, bei der alle Fäden zusammenliefen. Und das haben die Zuhörer nicht nur gehört, sondern zum Teil in Form einer sich langsam ausbreitenden wohligen „Gänsehaut“ auch gefühlt.