Neuer Aufzug in der Stadthalle St. Ingbert

Neuer Aufzug : Bald wird die Stadthalle barrierefrei

Wenn nicht der Tüv noch sein Veto einlegt, wird der Aufzug in der Stadthalle Anfang April freigegeben.

Lange hatten Ortsrat, Seniorenbeirat und St. Ingberter Bürger um den Aufzug in der Stadthalle gekämpft. Nachdem es ursprünglich hieß, dass der Aufzug im November 2018 in Betrieb geht, wartete man auf den Tag, an dem die Halle der Barrierefreiheit ein Stück näher kommen sollte. Doch der Aufzug, der mittlerweile fertiggestellt ist, blieb am Boden. Der Tüv müsse die Inbetriebnahme noch absegnen, hieß es bei Nachfrage im Rathaus. Dann wurde auf die Lieferung und den Austausch eines defekten Bauteils gewartet.

Für Fastnachter war diese Posse Grund genug, den Aufzug in der Bütt dem Spott preiszugeben. „Er geht, aber er fährt nicht“ oder „Ein Aufzug, der nicht fährt, ist sein Geld nicht wert“, waren nur einige der Sprüche, die sich die Stadtverwaltung anhören musste und bei den närrischen Besuchern der Stadthalle für Schenkelklopfer sorgte.

Nun soll Anfang April der lang ersehnte Tag sein, an dem der Aufzug geprüft und freigegeben wird. Hier ein kurzer Abriss der schier endlos erscheinenden Aufzug-Geschichte: Bereits im August 2010 war die zuständige Abteilung der Stadtverwaltung mit der Ausarbeitung diverser Varianten und Untersuchungen zum Aufzug beschäftigt. Zuerst wurde ein Außenaufzug in der Ecke am Ratskeller bevorzugt. Im November 2011 wurde ein entsprechender Bauantrag vorbereitet. 2013 gab es eine weitere Planung für die ersten Varianten im Inneren der Stadthalle. Ein Jahr später im Frühjahr übernahm Architekt Michael Fickinger die Planung und wenige Monate darauf gab der Stadtrat im Mai 2014 grünes Licht für die Aufzugsvariante „in der Nähe der Bar“ in der Stadthalle. Wegen der Arbeitsüberlastung im Rahmen der Flüchtlingswelle wurde die Bearbeitung im November desselben Jahres allerdings gestoppt. Nachdem die „Verschleppung“ des Aufzug-Projektes in den Folgejahren regelmäßig auf der Tagesordnung des Ortsrates St. Ingbert-Mitte erschien, startete im Mai 2016 „die große Zeit der Variantenprüfungen an allen möglichen Orten in der Stadthalle“, wie es Fickinger formuliert.

Im Herbst 2017 wurde die Variante „nahe Bar“ weiter verfolgt. Für diese Lösung wurde am 19. März 2018 ein Bauantrag bei der Unteren Bauaufsicht (UBA) abgegeben, worauf am 28. Mai des vergangenen Jahres die Baugenehmigung erteilt wurde. Bereits einige Tage zuvor hatten in der Stadthalle vorbereitende Maßnahmen begonnen, als eine ortsansässige Firma mit dem Stellen einer Trockenbauwand im Foyer der Halle startete. Mit dem Erhalt der Baugenehmigung begannen mit dem Abbruch die Rohbauarbeiten, die Mitte Oktober abgeschlossen waren. Ab dem 6. November 2018 startete ThyssenKrupp mit den Aufzugsarbeiten, die am 24. Januar dieses Jahres mit dem Einbau der Türzargen als letzter baulicher Maßnahme endete. Ab diesem Tag hätte der Fahrstuhl betriebsbereit sein können, wenn nicht noch eine Platine hätte bestellt und getauscht werden müssen und die Endabnahme der technischen Überwachung ausgestanden hätte, die nun am 5. April terminiert ist.

Hier einige Daten zum neuen Aufzug: Die Kabine, die in Edelstahl und Glas ausgeführt ist, hat eine Breite von 1,10, eine Tiefe von 2,10 und einer Höhe von 2,20 Meter. Deren Tür ist 2,10 Meter hoch und einen Meter breit. Der Aufzug ist auf dem neuesten Stand barrierefrei, mit Hilfen für Blinde, also Braille-Schrift und akustische Ansagen, einem Handlauf in der Kabine und rollstuhlgerechten Bedienelementen. Neben den am Bau des Aufzuges mitwirkenden regionalen Firmen sei die Arbeit der Hausmeister der Stadthalle nicht zu unterschätzen gewesen, wie die Pressestelle der Stadt hervorhob.

Für die Bauausführung habe es diverse Zeitfenster zwischen den Veranstaltungen der Stadthalle gegeben, so dass keine Veranstaltung in Mitleidenschaft gezogen wurde. Für die Maßnahme seien rund 287 000 Euro kalkuliert worden, die vermutliche Endsumme liege bei 280 000 Euro. Wenn am 5. April nach fast einem Jahrzehnt Planung die lang erwartete „Freigabe des Aufzugs für den Publikumsverkehr“ erfolgt, wird für Gehbehinderte im doppelten Sinne ein ganz neuer Zugang zu Kunst und Kultur in St. Ingbert möglich sein.

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