Der Krimiautor mit roten Schuhen

Sein Markenzeichen sind die knallroten Hosenträger und Turnschuhe. Der erfolgreiche Krimiautor Klaus-Peter Wolf war dieser Tage zu Gast in St. Ingbert. In der Stadtbücherei las er aus seinem aktuellen Buch.

. Das hatte man in der Stadtbücherei schon lange nicht mehr erlebt: Zur Lesung des St. Ingberter Literaturforums (ILF) am Mittwochabend war der Raum nicht nur brechend voll, sondern sogar ausverkauft. Blickte man durch die weiten Reihen, war auch ein anderes Publikum mit einer anderen Altersstruktur als sonst zu registrieren. Manche Fans hatten gar einen Weg von bis zu 100 Kilometer auf sich genommen, um den Mann live zu erleben, dessen Werke sie allabendlich im Bett lesen, bis ihnen die Augen zufallen: Klaus-Peter Wolf.

Der aktuelle Star der Krimibücher und Dauerpächter der Bestsellerlisten oder "Der Primus der deutschen Krimiliteratur", wie ihn ILF-Sprecher Jürgen Bost lobte. Der Mann mit dem Markenzeichen knallrote Hosenträger zu den gleichfarbigen Turnschuhen, hat es nämlich geschafft, dass sein aktuelles Werk "Ostfriesenschwur" jetzt schon bei einer Auflage von vier Millionen liegt. Und dies, nachdem es erst im Februar erschienen ist und die Erstauflage von 180 000 Büchern innerhalb von drei Tagen ausverkauft war. Doch den 62-Jährigen nur darauf zu reduzieren, wäre irgendwie am Ziel vorbeigeschossen.

Klaus-Peter Wolf, der im ostfriesischen Ort Norten zu Hause ist, hat das in den 80ern mit zahlreichen Witzen und Gehässigkeiten beglückte Völkchen in ein neues Licht getaucht, populär gemacht und irgendwie sympathisch werden lassen. Wie das in seinen Werken der Fall ist, konnten auch Menschen erleben, die seine Bücher noch nicht kannten. Dafür Sakko aus, Brille an, auf die Tischkante des Lesetischs gesetzt und das charmante Grinsen aufgesetzt. Alleine das sorgte schon für Spannung. Wie schön trocken und mehr als kurzweilig sein Humor ist, bewies der Mann, der unter anderem bei Schriftsteller Max von der Grün das Schreibhandwerk erlernte, schon beim Warming up. "Ich wünsche Ihnen einen mörderisch-schönen Abend", rief er den Krimifans zu. Initiativ offenbarte Wolf aber auch Geheimes aus seiner Krimiküche. Der Mann, der auch für das TV ("Tatort" und "Polizeiruf 110") schreibt, nutzt nämlich zur Erstellung seiner Werke keinen Computer. Er schreibt von Hand und mit Tinte in Hefte. Für den nächsten Ostfriesenkrimi, der - gemäß seinem Aberglauben - immer kurz vor Karneval erscheinen wird, ist er bereits beim neunten Heft. "Ich habe das Gefühl, die Sachen selbst zu lesen. Dabei merke ich nicht, dass ich am Schreiben bin", sagte Klaus-Peter Wolf. Das spürte man auch dann bei seiner Lesung: Man hatte das Gefühl, irgendwie selbst bei der Handlung dabei zu sein.

Denn der Autor geht tief in die Figuren hinein. Das weiß auch seine Frau, Bettina Göschl, nur zu gut. Glaubt man ihr - berichtete der Autor - so isst, trinkt und bewegt er sich dabei anders. Die Gattin wisse immer genau, in welcher Figur er gerade ist. Und die Menschen und die Namen gibt es tatsächlich. Nur das, was sie erleben, ist fiktiv.

Auch im aktuellen, zehnten Band, nutzt er das Lachen als Fallhöhe für den Grusel, um dann wieder für Humor zu sorgen. "Passen Sie gut auf sich auf, wenn Sie heimgehen. Bilden Sie am besten kleine Gruppen. Der Mörder läuft noch frei herum", riet er seinen Fans.