Pilgern auf dem Olavsweg: Auf Schusters Rappen zur Pilgertour über den Olavsweg

Pilgern auf dem Olavsweg : Auf Schusters Rappen zur Pilgertour über den Olavsweg

Der 65-jährige Harald Gregorius ist seit 1. Juni berentet. Doch statt die Füße hochzulegen, packte er seinen Rucksack und reiste nach Norwegen.

Zu Beginn der Rente stellt sich so mancher die Frage, wie man sinnvoll diesen neuen Lebensabschnitt beginnen mag. So auch der 65-jährige Harald Gregorius. Der St. Ingberter Diplom-Sozialpädagoge und Suchtberater ist seit 1. Juni berentet. Doch statt die Füße hochzulegen, packte er seinen Rucksack und machte sich auf nach Norwegen. Kein ausgiebiger, gemütlicher Urlaub sollte es werden, sondern eine erlebnisreiche Pilgerwanderung auf dem Olavsweg von Oslo nach Trondheim. Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist allgemein bekannt, doch der Olavsweg?

2009 besuchte Gregorius, „beruflich bereits auf der Zielgeraden“, seine in Trondheim studierende Tochter und besichtigte dort das Pilgerzentrum im Nidarosdom. Wieder zu Hause, habe er diverse Reiseführer gelesen und schlussendlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht. Der Olavsweg, das heißt 643 Kilometer und 20 300 Höhenmeter durch die atemberaubende Landschaft Norwegens. Er ist „anspruchsvoller, schwieriger, ursprünglicher und nicht so sehr kommerzialisiert wie der Jakobsweg“, erklärt Greogorius.

Am 19. Juni begann seine Reise, zuerst mit dem Zug nach Kiel, dann mit der Fähre nach Oslo, von wo er losmarschierte. Seine „laienhafte Vorstellung, ich ginge alleine“, wurde bereits nach kurzer Zeit revidiert. Zwar sei der Olavsweg nicht so überlaufen wie der Jakobsweg, doch über mehrere Kilometer und mehrere Tage wanderte er immer wieder mal in Begleitung anderer Pilger. Die Menschen, die er traf, waren „sehr freundlich und hilfsbereit. Es gab viele Gespräche. Das hat mich tief berührt“. Die „Gemeinschaft auf Zeit“, wie er sie nennt, lebte von „bedingungslosem Geben und Nehmen“ und Vertrauen, dass man in kürzester Zeit aufbaute. So wurde er von Einheimischen zum Essen eingeladen, lernte von ihnen das ein oder andere Wort Norwegisch und bekam von der selbst ernannten „Eiscreme-Lady“ als „97. in der Saison“ ein Eis geschenkt. Auch bei der Orientierung, die sich manches Mal schwierig gestaltete, unterstützten sich die Pilger gegenseitig oder wurden von Einheimischen wieder auf den richtigen Weg begleitet. Gegen einen „Pilger-Koller“ war Gregorius indes während der rund 40 Tage nicht gefeit. Eine kurze Strecke ist er mit dem Zug gefahren. Diese Entscheidung fiel ihm nicht leicht, „ich musste zuerst meinen eigenen Perfektionismus überwinden“.

Überhaupt habe er während der Reise sehr viel über sich selbst erfahren, war gezwungen, alte Verhaltensmuster zu überdenken. Mal nach dem Weg fragen war zuvor undenkbar gewesen, erklärt er. Die Komfortzone verlassen und sich mit neuen Situationen auseinander setzen, stand auf der Tagesordnung. „Ich habe gemerkt, dass ich mit ungeheuer wenig auskomme und Not erfinderisch macht.“ Wäsche im Waschbecken ohne Abfluss-Stopfen waschen? „Ganz einfach, ich habe den Abfluss mit Isolierband zugeklebt.“ Die Unterkünfte seien schlicht, aber zweckmäßig gewesen. Der Service war „super. Es gibt oft spezielle, vergünstigte Preise für Pilger. Es herrscht keine Raffgier.“

Neben den Menschen beeindruckte ihn auch die Natur. Auch wenn die Wege teilweise steinig und steil, die Hochmoore matschig waren, die „vielfältigen Grüntöne“ entschädigten. Ein Höhepunkt war der Steinhaufen Allmannrøysa auf einer Hochebene, ein „symbolischer, spiritueller Platz, an dem Pilger sich ihrer Seelenlast entledigen“, so Gregorius. Er selbst brachte einen Stein vom Stiefel mit und platzierte ihn inmitten der anderen Steine. Ein „unbeschreibliches Gefühl“ erfuhr er auf jener Hochebene. „Als ob man in den HImmel hinein laufe. Absolute Stille. Zum ersten Mal habe ich gespürt, wie klein ich eigentlich bin“, erzählt er demütig.

Demütig gesteht er auch, dass er durch Unachtsamkeit und fehlende oder in die Irre führende Wegweiser insgesamt 29 „Fehlkilometer“ gewandert ist. Jedes Mal, wenn er ein richtiges Hinweisschild entdeckte, sagte er „Danke Olav!“. In Anlehnung daran trägt das Buch, dass er nun über seine Erlebnisse schreiben möchte, eben jenen Titel: „Danke Olav!“. Am 28. Juli erreichte Gregorius unter Beifall Einheimischer zusammen mit vielen anderen Pilgern Trondheim und den Nidarosdom, wo er an den Feierlichkeiten anlässlich der Olavsfesttage teilnahm – „eine Zeremonie, die unter die Haut geht“.