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Auf dem Grenzlandhof in Mandelbachtal machen die Pferde Zwangspause

Diese Vierbeiner müssen pausieren : Auf dem Grenzlandhof stehen (fast) alle Hufe still

Die Reitschule ist vorübergehend geschlossen. Private Ausritte sind zurzeit nur in Kleinstgruppen möglich.

Narfi könnte Helden zeugen. Isländische jedenfalls. Er ist einer der Zuchthengste des Grenzlandhofs. Stattdessen steht jetzt Wassergymnastik auf dem Programm. Im Aquatrainer des Hofs kann er sich so richtig auspowern und klar im Kopf werden. Vieles ist in Zeiten von Corona anders auf einem Hof, der davon lebt, dass ständig Reitschüler kommen und gehen, dass eigentlich immer Himmel und Menschen mit Spaß am Islandpferd auf den Berg bei Bebelsheim kommen.

Silvia und Dieter Becker führen den Grenzlandhof und die Saga-Reitschule. Silvia Becker: „Wir haben, als die saarländische Regierung die Allgemeinverfügung erlassen hat, sofort die Reitschule dicht gemacht. Keine Stunden mehr, die Schulpferde haben wir auf die Weide in Urlaub geschickt.“ Dieter Becker ergänzt: „Ich bin begeistert, dass die Mehrzahl der Reitschüler uns nach wie vor die Treue hält und dass sie ihre monatlichen Beiträge zahlen. Schließlich brauchen die Pferde Pflege und Futter, und unsere Reitschüler verhalten sich da großartig.“

120 Reitschüler hat die Reitschule des Grenzlandhofs. Die meisten davon sind Mädchen, der Anteil der Jungen wächst langsam, aber stetig. Früher mussten junge Männer zum Militär, die Mädchen wurden in die Reitstunde geschickt. Beides, um ein gewisses Maß an Disziplin zu vermitteln. Heute ist der Reitunterricht eher auf die Freude am Umgang mit dem Tier ausgelegt. Reiten soll möglichst ab der ersten Stunde Spaß machen.

Getrübt wurde die heile Welt der Ponyhöfe im ganzen Land schon mit der Einführung von G8, des verkürzten Gymnasiums. Dieter Becker: „Die Reitstunden haben sich in Richtung Abend verlagert. Außerdem haben wir festgestellt, dass viele Heranwachsende sich auf ein Hobby konzentriert haben. Statt Montag Musik, Dienstag Reiten, Mittwoch Leichtathletik wurden weniger angesagte Hobbys aufgegeben. Eigentlich keine schlechte Entwicklung.“

Und wer eine Zeitlang auf Schulpferden übt, will irgendwann ein eigenes Pferd. So sind es derzeit rund 35 Reitschüler mit eigenem Pferd. Die wiederum haben das Privileg, dass sie mit ihrem Pferd allein oder zu zweit auch in Corona-Zeiten auf die Bahn können, in der Halle üben oder in den Wald ausreiten können. Aber auch hier hat der Grenzlandhof auf die Reglementierungen zur Verlangsamung der Corona-Ausbreitung reagiert. Genaue Pläne hängen an allen Sattelplätzen aus, in die sich Pferdebesitzer eintragen, damit beim Satteln und beim Üben nie mehr als zwei Reiter zusammenkommen.

„Wie sich der Ausfall des Schulbetriebs letztlich auswirken wird, können wir heute noch nicht sagen. Jedenfalls“, so Dieter Becker, „werden die Wochenendkurse ausfallen, ebenso die geplanten gemeinsamen Ausritte und schließlich auch die Oster-Ferienfreizeit.“ Aus dem bundesweit agierenden Verbund der Saga-Reitschulen hat Dieter Becker erste Rückmeldungen, dass das Corona-Notprogramm Höfe in eine existenzbedrohende Situation bringen wird. „Es steht und fällt halt alles mit der Dauer der Restriktionen.“

Da tobt sich gerade der Zuchthengst des Grenzlandhofs aus: Im Aquatrainer baut Narfi Kondition auf. Foto: Peter Gaschott

Ruhig geworden ist es auf dem Gelände. Hier und da Reparaturarbeiten, vereinzelt Reiter, die satteln oder gemütlich in den Wald reiten. Einzig die Pferde sind voller Tatendrang. Gerade jetzt im Frühling. Silvia Becker: „Viele Pferdebesitzer haben jetzt nicht die Zeit, ihre Pferde zu reiten. In solchen Fällen sind wir bereit, mit unserer Mannschaft die Pferde zu reiten oder sie zumindest zu bewegen.“ So wie Narfi im Aquatrainer.