Esther und Lea Birringer spielten in St. Ingbert.

Musikfestspiele Saar : Heimspiel für das junge Schwestern-Duo

Lea und Esther Birringer überzeugen in St. Ingbert mit einem vielseitigen Programm.

Die Abendsonne flutet durch die kunstvollen bunten Fenster der St. Ingberter Christuskirche, als die Geschwister Birringer von Applaus begleitet sich an ihren Instrumenten in Position bringen. Für Esther (Klavier) und Lea (Violine) ist das Konzert im Rahmen der Musikfestspiele Saar ein Heimspiel: Beide stammen aus Quierschied und sind somit die perfekte lokale Verkörperung des Festival-Mottos „New Generation“.

Der Organist und Vorsitzende des hiesigen Fördervereins für Kirchenmusik, Christoph Jacobi, spricht in seiner Begrüßung von einer „Win-Win-Situation“, die durch die Kooperation mit den Musikfestspielen Saar entstanden sei. Denn das bringe „die Hochkultur und die Musik vor Ort zu den Menschen hier“– wohingegen das Land beziehungsweise die Stadt mit Hinweis auf leere Kassen sich dieser Pflicht entzögen, was Musikfestspiel-Intendant Bernhard Leonardy bestätigt.

Die beiden preisgekrönten Schwestern überzeugen auf ihrer zweistündigen musikalischen Reise „Von Sevilla bis St. Petersburg“ (so der Titel des Programms) auf ganzer Linie. Mit scheinbarer Leichtigkeit meistern sie schwierigste Passagen und warten mit einem abwechslungsreichen Programm auf, das im ersten Teil neben Wieniawski „Polonaise de concert op. 4 D-Dur“ und Ravels „Tzigane“ (wunderbar virtuos von Lea mit der Geige interpretiert) vor allem mit Mendelssohns dreisatziger „Sonate für Violine und Klavier F-Dur“ besticht – so manchem Besucher stockt der Atem.

Nach der Pause – in der es zum Leidwesen manchen Besuchers „nix zu trinke gebd“, aber dafür das zweite Album „Lifelines“, selbstverständlich signiert – folgt auf das mit Finesse vorgetragene „Rondo capriccioso op. 28“ von Camille Saint-Saëns „Trois mouvements de Petrouchka“ von Igor Strawinsky. Ein anspruchsvolles Solostück für Klavier, das Esther mit der untergehenden Sonne im Rücken und ohne Noten perfekt spielt, sich bei den atemberaubenden Läufen die Klaviatur entlang bebend ins Zeug legt, um mit geschmeidigen Bewegungen dann wieder in sanften Tönen zu verharren.

Die in schlichtem Weiß gehaltene Christuskirche erweist sich als idealer Konzertraum, in dem die Besucher nah dran sind an den beiden Schwestern; man kann beobachten, wie sie sich mit Blickkontakt abstimmen, wobei man ihnen ein blindes Verständnis attestieren kann. Mit der gefälligen „Carmen Fantasie“ von Carmen Waxman plus einer Zugabe von Schostakowitschs „Romance“ aus der Suite „Die Stechfliege“ endet dieser rundum gelungene Abend mit stehenden Ovationen, dem hoffentlich noch viele weitere an diesem Ort folgen werden.

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