Premiere von „Game over“ in der Alten Feuerwache

„Game over“ in der Alten Feuerwache : Rendezvous mit dem Tod

Das Theaterkollektiv Prinzip Gonzo lässt in seinem experimentellen Format „Game over“ Teilnehmer spielerisch und wortlos durchs Jenseits wandeln. Am Freitag ist Premiere in der Alten Feuerwache.

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Oder ist das Spiel dann aus – „Game over“? Und was stellt jeder Einzelne sich persönlich unter dem Jenseits vor? Das sind im Grunde sehr diesseitige Fragen – und die wiederum behandelt das außergewöhnliche performative Theaterformat „Game over“ des Kollektivs Prinzip Gonzo aus Berlin, das am 17. Mai Premiere in der Alten Feuerwache in Saarbrücken hat.

„Game over“ ist explizit kein Thea­terstück, statt Zuschauern gibt es Teilnehmer, denn das Publikum selbst handelt, indem es sich – navigiert von einem Smartphone – auf einen von sieben angebotenen Wegen begibt, dessen Stationen verschiedene ethische Fragen rund um das Thema Jenseits behandeln. Nur 35 Menschen pro Runde können mitmachen, an jedem der vier Termine (außer am 20. Juni) gibt es zwei Durchläufe. Außerdem wird „Game over“ am 21. und 22. November in Nancy gespielt, denn die von der Bundeskulturstiftung geförderte Produktion ist im Rahmen der Doppelpass-Kooperation zwischen dem Saarländischen Staatstheater und dem Théâtre de la Manufacture in Nancy entstanden.

„Es ist ein experimentelles Format, das bestimmt auch das jüngere Publikum ansprechen wird. Wir haben versucht, das beliebte Gaming ins Theater zu holen“, erklärt Simone Kranz vom Saarländischen Staatstheater. Sie leitet diese Produktion und hat auch den Kontakt zum Kollektiv Prinzip Gonzo hergestellt, das 2014 mit seinem „Spiel des Lebens“ für Furore sorgte. Auch das basierte darauf, dass das Publikum zu Mitspielern wird und ein Austausch über ethische Fragen zwischen Performern/Schauspielern und Mitmachern stattfindet.

Bei „Game over“ wird es ähnlich sein. Sieben Performer und sechs Statisten werden die Teilnehmer durch ihren jeweils gewählten Parcours geleiten, erläutert Kranz. Gesprochen wird kein Wort. Stattdessen beantwortet man beispielsweise Fragen mit Ja oder Nein am Smartphone.

„Das ist sehr intensiv, denn was der Mitspieler tut, hat jeweils Konsequenzen“, erklärt Simone Kranz und verrät zwei von sieben Wahlmöglichkeiten, mit denen das Spiel beginnt: Man könne sich etwa für das „Kleid der verpassten Chancen“ entscheiden oder den „Boulevard der unerfüllten Wünsche“ beschreiten. Im „Amt für jenseitige Analyse“, einer Art Zwischenreich zwischen Leben und Tod, gehe es darum, das eigene Jenseits mitzugestalten – und dabei möglichst viel über das diesseitige Leben zu erfahren. Erkenntnis ist das Schlüsselwort. Das Publikum ist eingeladen, „sich im Labyrinth zwischen Leben und Tod zu verlieren, paradiesische Gärten für sich zu entdecken oder auf Dante zu treffen und in einem der neun Höllenkreise zu schmoren“, verspricht die Ankündigung.

Es mit dem Tod aufzunehmen, das verlangt womöglich Mut. „Nein, gar nicht“, beruhigt Simone Kranz. Die Teilnehmer agieren weitestgehend alleine, beschäftigen sich mit sich selbst, dem Smartphone und den Performern. Zuschauer gibt es nicht. Auch keine peinlichen Situationen. Einzige Voraussetzung: Man sollte Deutsch, Französisch oder Englisch verstehen, denn in einer dieser (gewählten) Sprachen erscheinen die Anweisungen und Fragen auf dem Display. Also: Nur Mut! Der Tod freut sich auf ein Rendezvous. . .

Info/Termine: 17. Mai; 6., 18. und 20. Juni. Es gibt jeweils zwei Durchgänge mit 35 Personen (außer am 20. Juni).
Es gibt noch wenige Restkarten unter Tel. (06 81) 30 96 486.

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