1. Saarland
  2. Saar-Kultur

Absolventen der Universität des Saarlandes für Doktorarbeiten geehrt

Eduard-Martin-Preis 15 Mal vergeben : Junge Köpfe für herausragende Doktorarbeiten geehrt

Sie bringen Computern bei, Gesten zu verstehen, entwickeln neuartige Therapieansätze gegen Krebs, tragen zur deutsch-französischen Freundschaft bei oder machen das Internet schneller: Die Universitätsgesellschaft hat 15 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Fakultäten der Saar-Uni für ihre herausragenden Doktorarbeiten mit Eduard-Martin-Preisen ausgezeichnet.

Es sind vor allem die Nischen, in denen bisher noch nicht viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geforscht haben, wo sich die Informatikerin Franziska Müller, die Literaturwissenschaftlerin Hannah Steurer und der Ingenieurwissenschaftler Christopher Uhl mit ihren Doktorarbeiten hervorgetan haben. So wie weitere 12 junge Forschende auch, weshalb sie alle in diesem Jahr für ihre herausragenden Doktorarbeiten von der Universitätsgesellschaft einen Eduard-Martin-Preis erhalten.

Franziska Müller hat mit ihrer Doktorarbeit bei Informatik-Professor Christian Theobalt an der Universität und am Max-Planck-Institut für Informatik dem Computer mit einer neuen Software beigebracht, Bewegungen von Hand und Fingern  zu erfassen. Und zwar nur mit einer einfachen Webkamera, auch wenn die Hand teils verdeckt ist oder gestikuliert wird. Wenn Computer- und Robotersysteme ohne viele Worte verstehen sollen, was Menschen wollen, müssen sie Handzeichen und Fingerzeige begreifen. Deuten sie diese richtig, brauchen Nutzer keinen Controller mehr, um mit ihnen zu interagieren. Müller hat dazu beigetragen, dass dies näher rückt. 

Hannah Steurer indes hat französische Texte aus mehr als 200 Jahren gewälzt, gesichtet und gelesen, darunter Romane, Novellen, Briefwechsel und Reiseberichte. Rund 30 vom frühen 19. Jahrhundert bis ins Jahr 2015 nahm sie als Quelle, um zu erforschen, wie Verfasserinnen und Verfasser, die eine Zeitlang in Berlin lebten oder es bereisten, die Stadt wahrgenommen haben. Kulturelle Wüste oder Babylon Berlin? Das bringt Steurer in ihrer Arbeit „Tableaux de Berlin. Der französische Berlindiskurs seit der Romantik“ ans Licht. Denn was französische Literaten über ihre Hauptstadt geschrieben haben, ist sehr gut erforscht, ihre Sicht auf die deutsche Hauptstadt aber nicht.

„Im frühen 19. Jahrhundert ist Berlin für sie eine Stadt ohne Geschichte, die sie als ‚Wüste‘ beschreiben, nicht nur wegen der sandigen Anreise durch die Mark Brandenburg“, sagt Steurer, die ihre Doktorarbeit bei Professorin Patricia Oster-Stierle an der Philosophischen Fakultät geschrieben hat. Berlin mit seinen vergleichsweise wenigen Salons kam gegen Paris nicht an – obwohl es durch die Preußen-Könige an Glanz gewann. Dass französische Literatinnen und Literaten Berlin anders entdeckten, passierte in der Weimarer Republik. „In dieser Zeit wird Berlin erstmals als Großstadt erkannt und dieser Status auch nicht mehr angezweifelt“, sagt Steurer. Berlin gilt als Laboratorium der Avantgarde, ein neues Paris, eine Stadt der Zukunft. „Es geht darum, die Gleichzeitigkeit von Eindrücken, den vielen Krach, den vielen Verkehr, zu verarbeiten, und diese neuen Erfahrungen in Literatur zu übersetzen“, beschreibt Steurer die literarischen Werke dieser Zeit. Dann führen NS-Diktatur, Weltkrieg und Teilung zum Bruch, nach dem Mauerfall wandelt sich wieder das Bild. „Berlin wird Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, wird wieder Laboratorium, erscheint nun geradezu als Verkörperung der Geschichte“, sagt Steurer. Inzwischen habe sich das Berlinbild in der französischen Literatur mehr normalisiert – auch, weil sich die Geschichte der Teilung abgeschwächt habe. „Es wird spannend, was nun daraus wird“, sagt die junge Forscherin.

Die Notwendigkeit von schnellerem Internet und leistungsfähigerer Datenübertragung hat die Pandemie zuletzt besonders markant vor Augen geführt. Mit Hochgeschwindigkeits-Elektronik beschäftigen sich viele Forscherinnen und Praktiker, wobei die Kommunikation in den Rechenzentren selbst aber oft ausgespart wird. „Das ist eine Nische“, sagt Christopher Uhl. „Dabei ist die Datenmenge, die bei der Kommunikation zwischen den einzelnen Servern innerhalb der Rechenzentren unterwegs ist, viel größer als die Datenmenge, die am Ende zu den Nutzern läuft“, sagt Uhl.

Sein Ziel war deshalb, elektrische Schaltungstechnik von Mikrochips zu entwickeln und zu optimieren. Gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern der ETH in Zürich und der Bochumer Micram Microelectronic GmbH entwickelte Uhl einen Mikrochip, der viele Daten innerhalb von Rechenzentren übertragen kann. „Konkretes Ziel war es, mehrere langsame Datenkanäle auf eine einzelne Leitung mit einer möglichst hohen Geschwindigkeit, also mit hoher Datenrate, zu bündeln“, erklärt der Ingenieurwissenschaftler. Dabei wurde eine Datenrate von 180 Gigabit pro Sekunde geschafft und der bisherige Geschwindigkeitsrekord (165 Gigabit) gebrochen. Uhl trug auch zur Theorie allgemeiner Schaltungskonzepte bei. „Dabei lag der Fokus vor allem darauf, die bisher nur experimentell beobachteten Effekte und Probleme auch analytisch zu verstehen, um damit die Mikrochips weiter verbessern zu können“, erklärt er.

 Ein Teil der diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Eduard-Martin-Preises, darunter Hannah Steurer in der hinteren Reihe (2.v.r.) und Christopher Uhl vorne (1.v.r.).
Ein Teil der diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Eduard-Martin-Preises, darunter Hannah Steurer in der hinteren Reihe (2.v.r.) und Christopher Uhl vorne (1.v.r.). Foto: UdS/Jörg Pütz

Uhls Arbeit „Optimierung mit Taktsignalen angesteuerter Stromschalter in breitbandigen Hochgeschwindigkeitsschaltungen in Bipolar-Technologie“ hat Uhl bei Professor Michael Möller an der Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät abgefasst. Damit das Ganze mehr in die alltägliche Anwendung kommt, bräuchte es einen Kooperationspartner aus der Industrie.