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Informatik-Professor Gehard Weikum aus Saarbrücken erhält Zuse-Medaille

Höchste Auszeichnung : Konrad-Zuse-Medaille für Saarbrücker Informatik-Professor Gerhard Weikum

Daten bündeln, analysieren und so den Wissensdurst stillen: Dass namhafte Internet-Suchmaschinen oder Online-Händler den Nutzern Antworten und Empfehlungen bieten, ist einer der Verdienste von Professor Gerhard Weikum.

„Ich war schon sehr überrascht, als der Anruf kam.“ Professor Gerhard Weikum, einer der Direktoren des Saarbrücker Max-Planck-Instituts für Informatik, wird mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Informatik, der Konrad-Zuse-Medaille, geehrt. Offiziell verliehen wird die Auszeichnung an diesem Donnerstag im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik in Berlin. Gewürdigt werden Professor Weikums wissenschaftliche Beiträge in den Bereichen Datenbanksysteme, Leistungsoptimierung, Informationsextraktion aus Texten sowie zur automatischen Konstruktion großer Wissensbanken. „Es ist eine sehr schöne Würdigung“, sagt Weikum der SZ. Immerhin reiht er sich in die Riege von Preisträgern ein, die teilweise „Giganten unseres Gebietes sind“.

Der Durchbruch gelang Weikum und seinem Team mit dem Yago-Projekt. Die Forscher schafften es, große Datenbanken über Personen, Orte, Produkte oder Ereignisse algorithmisch aufzubauen. Der Erfolg dient unter anderem als Wegweiser für Projekte namhafter Internet-Suchmaschinen und Online-Händler. Mit den so genannten „Knowledge Graphs“ – Wissens-Datenbanken – werden, vereinfacht gesagt, Informationen, die man in eine Suchmaschine eintippt, so aufgearbeitet, dass am Ende passende Antworten angeboten werden.

„Es gibt viele Informationsbedürfnisse, die man im Prinzip mit Inhalten aus dem Internet gut befriedigen kann, aber das relevante Wissen ist über alle möglichen Datenquellen verteilt und man kennt diese Quellen eben nicht“, sagt Weikum. Eine Suche nach Frauen im Vorstand von IT-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro oder mehr wäre sehr einfach, wenn alle dafür notwendigen Fakten in einer einzigen Datenbank vorlägen; diese Datenbank gebe es aber nicht. Auch Suchmaschinen hätten vor der Einführung von Knowledge Graphs wenig mit solchen Anfragen anfangen können. Sie hätten lediglich Links auf Webseiten geliefert, die man hätte mühsam durchlesen müssen. Damit hätte man „bestenfalls ein paar exemplarische Treffer gefunden, aber keine umfassende Antwortliste“, veranschaulicht der Informatik-Professor und ergänzt: „Mit Wissensbanken für Suchmaschinen und Sprachassistenten ist vieles möglich geworden. Das Beispiel mit den Frauen in IT-Vorständen ist vermutlich immer noch zu komplex. Wir brauchen auch künftig Forschung zur Weiterentwicklung von Wissensbanken und insbesondere zur noch besseren Verknüpfung von maschinellem Lernen und maschinellem Wissen.“

Informatik-Professor Gehard Weikum aus Saarbrücken erhält Zuse-Medaille
Foto: Deutschen Gesellschaft für Informatik

Weikum studierte Informatik an der TU Darmstadt und hat dort 1986 promoviert. Nach einer Postdoc-Zeit in Austin, Texas, und einer Assistenzprofessur an der ETH Zürich wurde er 1994 auf einen Lehrstuhl für Informatik an die Universität des Saarlandes in Saarbrücken berufen. Die Max-Planck-Gesellschaft ernannte ihn 2003 zum wissenschaftlichen Mitglied und Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik. Zudem war er sechs Jahre lang im Wissenschaftsrat, dem vom Bundespräsidenten ernannten Gremium, das Bund und Länder zu wissenschaftspolitischen Themen berät.

Die Saarbrücker Informatik kann nun auf 18 Auszeichnungen durch Zuse-Medaillen, Leibniz-Preise und Aufnahmen in die Leopoldina-Akademie vorweisen. Der jüngste Preis könnte dem Standort nochmal einen Schub geben, ist sich Weikum sicher. „Das reflektiert durchaus die Fürhrungsposition. Sie wird dadurch in Deutschland und Europa nochmal untermauert.“