Produktive Vielfalt im Rathaus?

Produktive Vielfalt im Rathaus?

Atheisten und Buddhisten, Schwule und Schürzenjäger, Grauhaarige und Kleinwüchsige - mitunter alle unter dem Dach eines großen Unternehmens zu finden. Diese große Unterschiedlichkeit seiner Mitarbeiter, dies besagt die "Charta der Vielfalt", sollte ein Arbeitgeber nicht glatthobeln, sondern respektieren und wertschätzen. Er kann daraus auch Honig saugen

Atheisten und Buddhisten, Schwule und Schürzenjäger, Grauhaarige und Kleinwüchsige - mitunter alle unter dem Dach eines großen Unternehmens zu finden. Diese große Unterschiedlichkeit seiner Mitarbeiter, dies besagt die "Charta der Vielfalt", sollte ein Arbeitgeber nicht glatthobeln, sondern respektieren und wertschätzen. Er kann daraus auch Honig saugen. Im Sinne einer produktiven Hausatmosphäre, Bindung der Mitarbeiter und Ansehen bei Kunden und Öffentlichkeit. Klingt sehr theoretisch, doch die Kreisstadt Neunkirchen hat sich in dieser Woche zu 1300 Unternehmen, Institutionen und Behörden in Deutschland gesellt, die die seit 2006 existierende "Charta der Vielfalt" unterzeichnet haben. Als erste Stadt im Saarland und sechsundzwanzigste Stadt bundesweit. Diese Charta ist der Ausfluss des "Diversity Managements" (Vielfaltsmanagements), eine Strategie, die in den 1960er Jahren in den USA aus Frauenrechts- und Bürgerrechtsbewegung erwuchs und von der Wirtschaft aufgegriffen wurde. Das Konzept einer Unternehmensführung, das die Verschiedenheit der Beschäftigten in Geschlecht, Ethnie, Alter, Behinderung, sexueller Orientierung, Religion und Lebensstil beachtet und zum Vorteil aller Beteiligten nutzen möchte, schwappte auch nach Europa über. Es ist im Zuge der Globalisierung und der zunehmenden Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund zumindest ein interessanter Ansatz.Nun sollte man im Auge behalten, was beim "Konzern Stadt" daraus wird. Ob etwa Neunkirchens Vorreiterrolle ein imageförderndes Lippenbekenntnis bleibt. Denn die Charta ist keine festgeschriebene rechtliche Grundlage - ihre Unterzeichnung ist eine freiwillige Selbstverpflichtung. Wie sie mit Leben erfüllt wird, ist in erster Linie Sache der Chefetage. Spannend bleibt also, ob die Stadt das Ergebnis ihres öffentlichkeitswirksamen Beitritts zur Charta irgendwann bilanziert.