1. Saarland

Patrick Weiten und Stephan Toscani: Solidarität in der Grenzregion in Corona-Krise

Gasbeitrag: Die Grenzregion in der Corona-Krise : Füreinander denken, gemeinsam handeln

Ostern ist dieses Jahr anders: Viele Familienbesuche bei Freunden und Verwandten sind ebenso wenig möglich wie der bei Saarländern und Mosellanern beliebte Karfreitagsmarkt in Bouzonville. Dem alltäglichen grenzüberschreitenden Leben sind plötzlich Grenzen gesetzt.

Corona ist ein Stresstest für die europäische Idee.

Seit der Gründervater Europas, Robert Schuman, Ikone unserer gemeinsamen Grenzregion, am 9. Mai 1950 seine Erklärung zur Zukunft Europa abgab, hat sich unsere Region zu einem gemeinsamen Lebensraum europäischer Prägung entwickelt. Wir haben vieles erreicht, ein echtes Europa im Kleinen geschaffen: Leben, Arbeiten, Einkaufen, Lernen und Studieren über Grenzen hinweg sind uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Wir haben aus dem Nachteil der Grenzlage eine Chance für uns gemacht.

Im Moment trennen uns neue Grenzen ebenso wie „social distancing“; diese Maßnahmen verhindern, dass wir uns so begegnen und zusammen sein können, wie wir es gewohnt sind und es uns wünschen.

Die Beschränkungen hindern uns aber nicht, Verständnis und Solidarität zu beweisen, gemeinsame Lösungen zu suchen, die den betroffenen Menschen helfen, in ihrer Sorge um Gesundheit und Arbeitsplatz.

Es ist gemeinsames Selbstverständnis des Eurodépartements Moselle und des Saarlandes, grenzüberschreitend und europäisch zu handeln. Das gilt in Krisenzeiten mehr denn je.

Die Corona-Krise ist ein Lackmus-Test für diese gemeinsamen Werte; sie zeigt, wo wir noch entschlossener handeln müssen – vor allem gegenüber Paris und Berlin, wenn es um Themen geht, die unser Zusammenleben in der Großregion betreffen. Genau das hatten der Landtag des Saarlandes und der Départementsrat Moselle bereits am 16. Januar und am 9. Mai 2019 in Saarbrücken und Metz einstimmig gefordert.

Aber auch wir selbst sind gefragt: Das Virus kennt keine nationalen Grenzen. Ist es deshalb nicht folgerichtig, es gemeinsam und grenzüberschreitend zu bekämpfen? Dort, wo Krisenstäbe und Krankenhäuser, Polizei und Sicherheitskräfte gemeinsam handeln, gibt es erkennbare Erfolge. Die Aufnahme und Verlegung von schwerstkranken Patienten in Intensivbetten der Nachbarregion, die wechselseitige Bereitstellung von Gesundheitsausrüstung, gemeinsame Lösungen für die Arbeit unserer vielen Grenzgänger – so wächst aus dem Trennenden der Krise Gemeinsames.

Nutzen wir dazu künftig auch den Aachener Vertrag und unsere Rolle im Ausschuss für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, der sich vor kurzem konstituiert hat! Vor allem: Die Krise verlangt von uns, dass wir künftig bei unserem politischen Handeln die Folgen für die Nachbarn stärker mitdenken und berücksichtigen. Dann schaffen wir den europäischen Mehrwert und Zusammenhalt, der unsere Grenzregion Saar-Moselle so einzigartig macht.

Ostern ist dieses Jahr anders: Sehen wir darin die Chance, uns auf unsere gemeinsamen Werte zu besinnen und entsprechend zu handeln. In diesem Sinne wünschen wir Allen in der Moselle und im Saarland frohe Ostern!

Patrick Weiten Foto: Flrorent Dancourt/Florent Dancourt

Patrick Weiten ist Präsident des Départementsrates Moselle. Stephan Toscani ist Präsident des saarländischen Landtags. Ihr gemeinsamer Beitrag erscheint gleichzeitig in der französischen Zeitung Républicain Lorrain.