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Saarländer zieht es während der Corona-Krise in die Baumärkte

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarländer zieht es in die Baumärkte : Heimwerken gegen den Corona-Koller

Während Restaurants und Schuhgeschäfte wegen der Corona-Krise geschlossen bleiben, laufen andere Branche weiter. Wie geht es den Baumärkten im Saarland?

Wenn alles grünt und blüht, bricht sich bei den Heimwerkern der Reparatur- und Renovierungstrieb seine Bahn. Das ist auch in Zeiten der Corona-Pandemie nicht anders. „Wer sich wegen der Ausgangsbeschränkungen zu Hause aufhalten muss, will es im eigenen Heim schön haben“, sagt Timo Huwer, Chef der Globus-Baumärkte. „Außerdem wollen die Menschen sich beschäftigen.“ Daher zieht es die Leute in die Baumärkte – Corona hin oder her.

Mörtel, Fliesen, Bodenbeläge, Tapeten, Farbe, Blumen mitsamt Kübeln und Gartenerde gehören derzeit zu den Artikeln, die besonders begehrt sind. Aber auch Ersatzmaterial, um kleinere Reparaturen zu Hause selbst erledigen zu können – beispielsweise ein tropfender Wasserhahn, berichten die Baumärkte. Zudem hätten sich der Lebensmittel-Einzelhandel mit Plexiglas-Scheiben, Folien und Absperrmaterial für den Schutz der eigenen Kunden eingedeckt. „Es ist genug von allem da“, sagt der Globus-Baumarktchef. „Hamsterkäufe sind nicht notwendig.“ Engpässe gebe es lediglich bei Desinfektionsmitteln und Gesichtsmasken.

Das Saarland gehört zu den 13 Bundesländern, in denen die Heimwerker-Paradiese offenbleiben durften. Die Baumarkt-Kunden begrüßen diese Einkaufs-Freiheit. Für etwa 90 Prozent ist es „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“, dass sie sich in Zeiten von Corona mit Baumarkt-Artikeln eindecken können.

Doch einfach vorfahren, einpacken, bezahlen und wieder zurück nach Hause – das ist derzeit nur eingeschränkt möglich. An den Eingängen mancher Märkte geht es aktuell zu wie vor angesagten Clubs in der Zeit vor Corona. Der Einlass wird kontrolliert. Das gilt sowohl für Globus als auch für die Wettbewerber Hornbach und Baumarkt. „Wir achten darauf, dass sich maximal 100 bis 150 Kunden in den Märkten aufhalten, um den geforderten Sicherheitsabstand von mindestens zwei Meter sicherstellen zu können“, sagt Huwer. Hinzu kommen weitere Vorsichtsmaßnahmen. So sind im Eingangsbereich mobile Handwaschbecken aufgebaut. Zudem besteht die Möglichkeit, den Griff seines Einkaufswagens zu desinfizieren.

An den Kassen und den Informationsschaltern wird dafür gesorgt, dass die Mitarbeiter geschützt sind, wenn jemand trotz einer Erkältung meint, einen Baumarkt aufsuchen zu müssen. Die Kunden werden zudem aufgefordert, bargeldlos zu bezahlen oder die Kassen zu nutzen, an denen die Waren automatisch eingescannt und abgerechnet werden. Insgesamt sind die Leute mit den Sicherheitsvorkehrungen bei den Globus-Baumärkten zufrieden, wie eine Befragung ergab. Mehr als 93 Prozent bewerten die Sicherheitsmaßnahmen für Mitarbeiter und Kunden mit „gut“ oder „sehr gut“.

Schwierig ist derzeit die Beratung. „Wer plant, sich eine neue Küche einzurichten oder das Bad zu renovieren und dazu ein Komplettangebot benötigt, sollte solche Projekte besser aufschieben“, sagt Hornbach-Sprecher Florian Preuß. Auch in den Bauhaus-Filialen „ist das Beratungs- und Serviceangebot deutlich reduziert, um unmittelbare und persönliche Kontakte auf ein vertretbares Minimum zu verringern“, so ein Sprecher. „Die Kunden, die kommen, wissen schon vorher, was sie wollen“, sagt Preuß. „Sie kaufen gezielt ein. Lockeres Flanieren zwischen den Regalen und schauen, was es sonst noch so gibt, findet kaum statt.“

Geradezu explodiert ist der Online-Einkauf. „Bei uns ist der Umsatz seit den Corona-Beschränkungen deutlich gestiegen“, sagt Timo Huwer. „Das stellt uns vor große logistische Herausforderungen“, räumt er ein. „Daher kann es ein wenig länger dauern, bevor die bestellte Ware nach Hause geliefert werden kann.“ Das sei vor allem in Luxemburg und in den deutschen Bundesländern der Fall, in denen die Baumärkte geschlossen sind – Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

In allen anderen Regionen Deutschlands können die online bestellten Waren bei den Märkten reserviert und abgeholt werden. „Hier kann es auch zu Wartezeiten kommen, aber sie halten sich in Grenzen“, so Huwer. Staus gibt es auch in den Drive-In-Zonen, wie sie Bauhaus oder Hornbach vorhalten. Dort können die Kunden – Privatleute und Handwerker –mit ihrem Auto samt Anhänger vorfahren und vorher bestellte Warenpakete abholen.