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Umsetzung der Synode
Rendezvous im Auftrag des Bischofs

Neunkirchen. Die Pfarreien der Zukunft sind festgelegt. Jetzt sind „Erkunder“ unterwegs. Auch Kaplan Tim Sturm aus St. Marien Neunkirchen. Von Claudia Emmerich

Jetzt wissen die „Erkunder“ schon mal genau, wo sie erkunden. Bischof Stephan Ackermann hat die neu erarbeitete und mehrmals überarbeitete Raumgliederung des Bistums Trier als Vorlage für die formale Anhörung freigegeben (wir berichteten). Im Bistum wird es künftig 35 so genannte Pfarreien der Zukunft geben, zehn im Saarland. Die Pfarreien der Zukunft sind große zentrale Verwaltungseinheiten mit dezentralem kirchlichen Leben vor Ort. Der Landkreis Neunkirchen geht dabei in zwei Großpfarreien auf: Pfarrei der Zukunft Neunkirchen und Pfarrei der Zukunft Lebach (siehe Grafik). Bisher decken die Dekanate Illingen (Eppelborn, Illingen, Merchweiler, Ottweiler) und Neunkirchen (Neunkirchen, Schiffweiler, Spiesen-Elversberg) den Landkreis ab. Dekanate wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die nun vorliegende Karte ist die Grundlage für die formale Anhörung, die noch vor der offiziellen Errichtung der neuen Pfarreien (geplant Anfang 2020) erfolgen muss. Neben der territorialen Gliederung werden laut Bistum auch die künftige Rätestruktur sowie die Vermögensverwaltung in den Pfarreien der Zukunft Gegenstand des Verfahrens sein.


Zurück zu den „Erkundern“ und was sie erkunden. In kleinen Teams machen sie sich jetzt im Geist der Synode auf den Weg. Ihr Auftrag: Auf die Pfarreien der Zukunft zugehen und dabei auch helfen, das vielfältige Leben ebenso wie die Bedürfnisse der Menschen in den neuen großen Räumen wieder oder neu zu entdecken, wie es offiziell heißt. Symbolisch gab es beim Entsenden einen Beutel mit etwas Proviant, einem Reisetagebuch, einem Gebet und einer Synodenkerze.

Einer der „Erkunder“ ist Tim Sturm, Kaplan in der Pfarrei St. Marien Neunkirchen. „Wir haben eine lange Phase in der Gruppe noch einmal diskutiert: Was ist Erkundung?“, berichtet Sturm unserer Zeitung beim Kaffee auf dem Neunkircher Stummplatz. „Radikal inhaltsorientiert“ seien sie an die Sache rangegangen, wer mit wem in einem Team und wohin habe man danach beantwortet. Sturm: „Wir wollen einen Prozess anstoßen, der weiterläuft, auch wenn unsere Arbeit getan ist.“ Tim Sturm (32) erkundet die Pfarreien der Zukunft Bitburg, Daun, Schweich und Trier - die vier bilden alles ab: „ländlich, ländlich-städtisch, städtisch“. Sein Team vervollständigen Annika Frank (32, Pastoralreferentin im Dekanat Mayen-Mendig, Arbeitsfeld Schulpastoral) und Ulrike Jung-Ristic (58, Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück, zuständig für Projektentwicklung und -begleitung, verheiratet, zwei Kinder).



Zeitnah wird es Einladungen geben, die drei nennen es im Arbeitsdeutsch „Rendezvous“: „Wir wollen so schnell es geht mit den Haupt- und Ehrenamtlichen in einen Austausch kommen“, sagt Sturm. Aus diesen Treffen sollen sich Ideen, Kontakte, Einstiegsorte ergeben. Erkundung, so Sturm, kann nicht flächendeckend sein, sondern punktuell: „Wir können nicht jede Gruppe oder Initiative besuchen. Aber wir können mit den Menschen und Gremien überlegen, was wir vor Ort gestalten können, wir wollen Miterkunder finden.“ Kirchliche Angebote sollen wieder sichtbar werden. „Die Angst ist ja da: Wir verlieren uns in großen Räumen. Die Menschen sollen wieder Vertrauen aufbauen“, sagt Sturm und ergänzt. „Wir wollen auch motivieren, Neues zu entdecken. Dass Menschen sagen: So haben wir Kirche noch nicht erlebt, da möchte ich mich auch einbringen.“ Ein Beispiel dafür sei in Neunkirchen der Kirchenladen „Momentum“: „Man soll Kirche nicht mehr nur mit dem Kirchengebäude verbinden.“

Wahrnehmungen, Gesehenes und Gehörtes, Erfahrungen aus Besuchen und Gesprächen - das soll am Ende des Erkundens dokumentiert werden. Der Bischof als Auftraggeber bekommt die Berichte und die Menschen vor Ort, alle, die sich in den Erkundungsprozess eingebracht haben. Keine Vorgaben, so heißt es, aber Erkenntnisse und Anknüpfungspunkte.

Nach dem offizielle Zeitplan wird bis Juni 2019 erkundet, dann ausgewertet, dokumentiert und bis September 2019 abgeschlossen.

Tim Sturm aus der Neunkircher Pfarrei St. Marien gehört zu den „Erkundern“ im Bistum Trier. Beim Treffen mit der SZ hatte Sturm auch Motiv-Postkarten dabei, etwa „Vielfalt entdecken statt schwarzweiß malen“.
Tim Sturm aus der Neunkircher Pfarrei St. Marien gehört zu den „Erkundern“ im Bistum Trier. Beim Treffen mit der SZ hatte Sturm auch Motiv-Postkarten dabei, etwa „Vielfalt entdecken statt schwarzweiß malen“. FOTO: Claudia Emmerich