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Kirche steht vor einer Radikal-Kur

Kirche steht vor einer Radikal-Kur

Bistums-Pläne: Wie findet sich unsere Region in den „Pfarreien der Zukunft“ wieder? Der Neunkircher Dechant Olaf Harig stellt den Zuschnitt in Frage.

Radikale Veränderungen in der Pfarreienlandschaft des Bistums Trier sieht der Entwurf "Raumgliederung" vor, der am Freitagnachmittag in Trier vorgestellt wurde. Nach diesem Entwurf soll es 35 so genannte "Pfarreien der Zukunft" geben - bisher 173 Pfarrgemeinden und Pfarreiengemeinschaften (mit mehr als 800 Pfarreien) in 32 Dekanaten. Das trifft auch unsere Region. Der Landkreis Neunkirchen wird derzeit abgedeckt von den Dekanaten Neunkirchen (Neunkirchen, Schiffweiler, Spiesen-Elversberg) und Illingen (Eppelborn, Illingen, Merchweiler und Ottweiler), zusammen knapp 80 000 Katholiken.

Jetzt sieht der Entwurf die "Pfarrei der Zukunft Neunkirchen" vor - ein Gebiet von 212 Quadratkilometern und 72 615 Katholiken. Zum bisherigen Dekanat Neunkirchen kommen die Bereiche Merchweiler und Ottweiler hinzu. Dazu - über den Landkreis hinaus - zwei Stadtteile von St. Wendel, dazu die Bereiche Quierschied, Friedrichsthal und Sulzbach. Der so genannte Pfarrort, also Verwaltungszentrum dieser Zukunftspfarrei, ist Neunkirchen.

Teile des bisherigen Dekanats Illingen wandern laut Entwurf auch in die "Pfarrei der Zukunft Lebach" (201 Quadratkilometer, 49 873 Katholiken). Das betrifft die Bereiche Eppelborn und Illingen. Pfarrort in dieser Zukunfts-Pfarrei ist Lebach.

"Dem Raumentwurf Neunkirchen kann ich nicht zustimmen", wertete am Freitag der Neunkircher Dechant Olaf Harig auf SZ-Anfrage. "Die Bereiche Sulzbach und Quierschied sehe ich näher an Saarbrücken, obwohl die Entfernung nach Neunkirchen eine kürzere ist." Der Illinger Dechant Matthias Marx zeigte sich mit der "Pfarrei der Zukunft Lebach" einverstanden. Er hinterfrage jedoch den Pfarrort Lebach.

Die "Pfarrei der Zukunft" hat nicht mehr viel mit dem bisherigen Pfarrei-Verständnis zu tun. Nebeneinander existierende Pfarreien mit mehr oder weniger demselben Angebot - Vergangenheit. Im größeren Zuschnitt werden im Territorium der Zukunftspfarreien Pfarrorte bestimmt. Zentrale Orte, in denen vor allem Verwaltungsaufgaben angesiedelt und gebündelt werden. Themenzentren sollen im neuen Raum entstehen, Netzwerke aufgebaut werden. Schließlich sind Personalfragen zu beantworten. Dreier-Teams (ein Pfarrer und zwei weitere Hauptamtliche) werden die "Pfarrei der Zukunft" leiten.

Die "Pfarrei der Zukunft" sei nicht die alte im Format XXL, es gehe um mehr als um Struktur, betont Harig: "Die neue Pfarrei ist ein verwaltungstechnischer und organisationaler Rahmen für ein vielfältiges und unterschiedliches Kirchenleben." Es müsse vor Ort eine Art pastorale Grundversorgung geben: Taufe, Hochzeit, Begräbnis, Heilige Messe am Sonntag oder auch ein anderer Gottesdienst. Was an Gemeinschaften vor Ort eigenständig leben könne, werde gefördert: "Manches muss auch zu Grabe getragen werden, damit Platz entsteht, um Menschen der jungen und mittleren Generation zu erreichen. Kirche ist für die Menschen da, von denen sie viele verloren hat, weil das Format, ihr Erscheinen, ihre Sprache nicht mehr passt."

Zur Arbeitsgruppe Raumgliederung gehören Kenner für Personalwesen, Verwaltung, Finanzen, Seelsorge, Struktur- und Geodaten. Ihr Entwurf liefere die "Hardware", damit anschließend der Raum mit Leben gefüllt werden könne, formuliert es Arbeitsgruppen-Leiter Dechant Clemens Grünebach (Hermeskeil).

Nach dem Trierer Treffen von Freitag wird der Entwurf jetzt bistumsweit diskutiert. Rückmeldungen dazu, so ist es zugesagt, arbeiten die Verantwortlichen bis Herbst in einen endgültigen Entwurf ein. Dann entscheidet der Bischof. Für Olaf Harig ist klar: "Was den Zuschnitt der Pfarrei Neunkirchen angeht, werde ich mich für eine Änderung stark machen."

Der Illinger Dechant Matthias Marx. Foto: ani Foto: ani
Der Neunkircher Dechant Olaf Harig. Foto: Bistum Foto: Bistum

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